Unbekannte haben am vergangenen Wochenende in Betzweiler Gebäude beschmiert – darunter auch mit Hakenkreuzen. Der Staatsschutz ermittelt.
Loßburg-Betzweiler - 48 Schmierereien hat eine Anwohnerin in Betzweiler gezählt. In nur einer Nacht seien sie entstanden – an Straßenschildern, Hauswänden und Verteilerkästen. Mit Graffiti wurden Beschimpfungen, Phallussymbole, aber auch Hakenkreuze aufgesprüht. "Es ist ein totales Durcheinander", berichtet Ortsvorsteher Hans Ulrich Wößner. Da sei zum Beispiel ein Hakenkreuz neben einem "Fuck AfD" aufgesprüht. Die Schmierereien seien "ohne jeden Sinn".
"Es ist einfach eine Sauerei"
"Die Schilder in der Heimbachaue müssen alle ausgetauscht werden", meint eine Anwohnerin. Auf denen sei nichts mehr zu erkennen. Sie selbst habe dabei Glück gehabt. Beide Nachbarn seien betroffen, ihr eigenes Haus in der Mitte wurde hingegen verschont. Ihren Namen möchte sie nicht in der Zeitung lesen, sie sorgt sich vor Übergriffen. "Es ist einfach eine Sauerei".
Entfernt wurden die Verunstaltungen bislang nur teilweise, Privatleute könnten sich dies darüber hinaus nicht immer leisten, wenn ihre Häuser betroffen sind. Bis die Versicherungen zahlen, würde schließlich auch Zeit vergehen – sofern die Besitzer überhaupt versichert sind.
Auch Wößner ist verärgert. Es wurde viel Privateigentum beschädigt – die Kosten gehen in die Tausende, mutmaßt er. Dass Betzweiler hinter den Beschädigungen stecken, glaubt er nicht. Einige Täter wurden beobachtet – die Zeugin kenne die Leute in Betzweiler. Dementsprechend glaubt er, dass die Täter von außerhalb kamen. Auch spekuliert er angesichts der Beleidigungen gegen Personen, dass es sich um eine Beziehungstat handelt. Seit dem Tatwochenende ist er auch selbst losgezogen, um zumindest die Hakenkreuze zu entfernen, erzählt er. Auch die Bürger haben sich mittlerweile organisiert, um die Verschmutzungen zu entfernen, erzählt die Anwohnerin.
Graffitifarbe ist oft schwer zu entfernen
Das Ordnungsamt, das erst durch unsere Anfrage von den Schmierereien erfährt, weiß hingegen, dass diese nicht immer leicht zu entfernen sind.
Es komme darauf an, mit was sie angebracht wurden. Kreide etwa bekomme man mit ein wenig Wasser in der Regel gut abgebürstet. Bei Graffiti sehe das schon anders aus: Da müsse auch mal die ganze Wand neu gestrichen werden. Nur die Verunreinigung zu überstreichen sei selten eine Option: "Man sieht das", erklärt Gerd Maser, Leiter des Ordnungsamtes.
In Loßburg-Betzweiler gibt es wenig Probleme mit Schmierereien. "Aber trotzdem ärgerlich", meint Maser. Auch im Kreis seien Schmierereien diesen Ausmaßes nicht weiter bekannt, teilt das Polizeipräsidium Pforzheim mit. Da es sich bei den Beschmutzungen in Betzweiler teilweise um verfassungsfeindliche Symbole handelt, ermittelt der Staatsschutz. Laut Polizei könnte auch gemeinschädliche Sachbeschädigung vorliegen, da Gebäude und Gegenstände, die sich im Besitz der Allgemeinheit befinden, beschmiert wurden. Die Bezeichnung "Sachbeschädigung" verwende man, sobald eine Schmiererei nicht mit Wasser einfach weggewischt werden könne, sondern ein bleibender Schaden entstanden sei. In Betzweiler wurde jedoch Graffitifarbe verwendet – die wird nicht einfach vom Regen abgewaschen.
Zeugen gesucht
Momentan laufen die Ermittlungen noch, die Polizei möchte daher noch nichts zu Hintergründen oder Stand der Ermittlungen sagen. Nach jetzigem Kenntnisstand gehe sie jedoch eher nicht davon aus, dass hinter den Schmierereien ein politisches Statement steckt. Sie nimmt zudem an, dass die Schmierereien von mehreren Tätern stammen. Die Polizei bittet alle, die in der Nacht von Freitag, 5. August, auf Samstag, 6. August, zwischen 21 Uhr und 7 Uhr morgens etwas mitbekommen haben, darum, sich beim Kriminaldauerdienst unter der Telefonnummer 07 231/186 44 44 zu melden.
Ähnliche Fälle gab es in St. Georgen, als vor kurzem ein Kindergarten mit Hakenkreuzen beschmiert wurde, in Friesenheim im Landkreis Ortenau auf einem Parkplatz und im vergangenen Dezember am Reutlinger Landratsamt.