Balingens Revierleiterin Sarah Bizer hat dem Gemeinderat die Kriminalitätsstatistik vorgelegt. In der Eyachstadt scheinen sich einige Langfinger herumzutreiben.
Deutschland gehört zu den sichersten Ländern der Welt, Baden-Württemberg zu den sichersten Bundesländern und Balingen wiederum zu den sichersten Städten im Land“, schickte Balingens Revierleiterin Sarah Bizer voraus, als sie dem Gemeinderat am Dienstagabend die Kriminalitätsstatistik 2025 für die Eyachstadt präsentierte. Während die Straftaten im vergangenen Jahr insgesamt zurückgingen, verzeichnet die Stadt in einer Sparte einen enormen Anstieg.
Bizer, die seit knapp acht Monaten als Revierleiterin im Amt ist und Peter Buckenmaier abgelöst hatte, gab einen Rückgang der Straftaten insgesamt um 8,5 Prozent im Vergleich zum Jahr 2024 bekannt – 1373 an der Zahl.
Die Polizistin betonte: „Die Kriminalstatistik spiegelt nicht die reine Kriminalitätswirklichkeit ab, sondern nähert sich der Realität lediglich an.“ Zudem könnten die Zahlen nicht das subjektive Sicherheitsgefühl der Bevölkerung abbilden, und es fließen natürlich nur die Fälle ein, die zur Anzeige gebracht wurden.
Weniger Rauschgiftkriminalität
Die Aufklärungsquote liegt in Balingen bei 64,3 Prozent. „Dieser Wert hat sich leicht erhöht, da liegen wir im Soll. In ganz Baden-Württemberg liegt diese Quote bei etwa 60 Prozent“, so Bizer. Ebenfalls erfreulich: Im vergangenen Jahr lagen keine sogenannten Straftaten gegen das Leben vor.
Körperverletzungsdelikte und die Rauschgiftkriminalität haben 2025 ebenfalls im Vergleich zum Vorjahr abgenommen. Letzteres kann aber ziemlich klar auf die Entkriminalisierung von Cannabis zurückgeführt werden.
Einen sprunghaften Anstieg verzeichnet die Polizei im Bereich der Diebstähle. Vor allem Ladendiebstähle haben enorm zugenommen. 118 waren es 2025, im Jahr zuvor lag der Wert noch bei 76. „Wir erklären uns diesen Anstieg mit zahlreichen neuen Läden und Eröffnungen im vergangenen Jahr“, berichtete die Revierleiterin. Im gesamten Zollernalbkreis nahmen die Diebstahlsdelikte hingegen ab.
Gewalt gegen Polizei nimmt zu
Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung sind erneut angestiegen auf 38 Fälle. Im Jahr 2021 wurden 21 Taten in diesem Bereich aufgenommen. Vor allem die Verbreitung pornografischer Inhalte ist laut Polizei verantwortlich für diesen stetigen Anstieg. Im Zollernalbkreis ist der Wert von 165 auf 213 gewachsen.
„Wohnungseinbrüche sorgen in der Bevölkerung besonders für Verunsicherung“, sagt Bizer. Dieser Wert bleibt in Balingen relativ konstant. Die Revierleiterin vermeldete aber, dass der Polizei ein Schlag gegen eine Einbrecherbande gelungen ist, die für eine ganze Reihe an Einbrüchen verantwortlich war.
Ein unerfreuliches Phänomen: Die Gewalt gegen Polizeibeamte ist ein stetig ansteigender Trend. In elf Fällen ist es in der Eyachstadt zu Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte gekommen, tätliche Angriffe auf Polizisten wurden zwölf gezählt. Annegret Lang (SPD) erkundigte sich nach Angriffen auf Rettungskräfte in Balingen. Zur Freude aller konnte Bizer hier keine Fälle nennen – zumindest keine, die angezeigt wurden.
Vandalismus grassiert
Der Großteil der Tatverdächtigen ist laut Statistik erwachsen, männlich und deutsch. Von 753 Personen sind 226 – knapp ein Drittel – nicht deutsche Staatsbürger. Neben der Polizei sorgt in der Eyachstadt der Wach- und Präsenzdienst des Ordnungsamtes für Sicherheit. Michael Weitzl gab einen umfassenden Überblick und stellte fest, dass bei gutem Wetter vor allem das ehemalige Gartenschaugelände gut besucht war und rund die Hälfte der 117 mündlichen Platzverweise dort ausgesprochen wurde.
Trotz der Rundgänge der Mitarbeiter können laut Weitzl nicht alle Fälle von Vermüllung und Vandalismus verhindert werden. „Umso größer ist der Dank an die vielen Ehrenamtlichen, den Abfall wegzuräumen.“
Hans-Peter Hörner (AfD) verwies auf zahlreiche unschöne Hinterlassenschaften von Hunden, die nicht von ihren Besitzern eingesammelt werden. „Was können wir hier tun?“, fragte er. Auch hier konnte Weitzl keine Patentlösung präsentieren. „Theoretisch könnten wir inkognito agieren, doch den möglichen Reaktionen mancher Bürger möchte ich unsere Mitarbeiter nicht aussetzen.“ Im Großen und Ganzen bleibt festzuhalten, dass die Balinger in einer vergleichsweise sicheren Stadt leben.