Auch im Schwarzwald-Baar-Kreis musste die Polizei häufiger ausrücken. Foto: Marc Eich

Mehr Straftaten, aber auch eine höhere Aufklärungsquote – diese Phänomene prägen die Kriminalstatistik der Region.

Das Polizeipräsidium in Konstanz, das für fünf Landkreise verantwortlich zeichnet, stellte nun die Zahlen für 2023 vor.

 

Heraus ragt dabei eine Zahl, die bedenklich stimmt: Die Gewalt gegen Polizeikräfte hat im kompletten Präsidiumsbereich um 30,8 Prozent zugenommen – und auch vor Mitarbeitern von Rettungsdiensten machen die Täter nicht Halt, in 24 Fällen war das 2023 der Fall und damit neun Prozent mehr als 2022.

Eine Entwicklung, von der auch der Schwarzwald-Baar-Kreis nicht unberührt bleibt.

Immer häufiger werden Polizisten Opfer

Was hier 2022 noch 57 Mal geschah, wurde ein Jahr später in 87 Fällen registriert: Gewalt gegen Polizeikräfte. Am stärksten betroffen auch hier: das Oberzentrum des Landeskreises, die Stadt Villingen-Schwenningen – alleine hier wurden 43 Mal Polizisten zu Opfern. Ebenfalls bedenklich: In Donaueschingen wurden Polizisten 19 Mal im Jahr 2023 mit Gewalt gegen sich konfrontiert, ein Jahr zuvor war das „nur“ zehn Mal der Fall. Meist befänden sich die Täter in „psychischen Ausnahmesituationen“, der Polizei werden als Einsatzanlässe oft „randalierende Personen“, „Streitigkeiten“, Betrunkene oder häusliche Gewalt gemeldet.

Im Schwarzwald-Baar-Kreis kam es darüber hinaus auch fünf Mal zu Gewalt gegen Rettungskräfte.

Drei Landkreise im Präsidiumsbereich sind es, die mit mehr Straftaten und gleichzeitig einer steigenden Aufklärungsquote aufwarten. Der Schwarzwald-Baar-Kreis ist einer davon – waren im Vorjahr noch 7300 Fälle zu verzeichnen gewesen, summierten sich die Straftaten 2023 auf 7978. Immerhin legte auch die Aufklärungsquote zu – 2022 lag sie bei 61,6 Prozent, 2023 bei 67,1 Prozent, das entspricht einem Plus von 5,5 Prozent – nur der Landkreis Konstanz legte mit einer Steigerung von 7,9 Prozent noch eine höhere Wachstumsrate vor.

Oberzentrum ragt in manchen Punkten heraus

Das Oberzentrum Villingen-Schwenningen ragt in der Statistik auch in anderer Weise heraus: Hier ist die größte Steigerung bei den absoluten Fallzahlen festzustellen gewesen – 3748 waren es 2022, 4382 waren es 2023.

Aber Polizeipräsident Hubert Wörner ist sich sicher: Trotz steigender Kriminalitätsbelastung im Polizeipräsidium Konstanz könnten sich die Bürger sicher fühlen.

Dies zeige die Häufigkeitszahl, welche die Anzahl der Straftaten pro 100 000 Einwohner beschreibt: „Das Polizeipräsidium liegt bei den Straftaten ohne Ausländerrecht mit 4001 deutlich unter dem Landeswert von 4952“, sagt Hubert Wörner als Präsident des Polizeipräsidiums Konstanz.

Drastischer Anstieg der Ladendiebstähle

Im Schwarzwald-Baar-Kreis befinden sich die Fallzahlen ohne Ausländerrecht auf annähernd gleichem Niveau wie 2019 – mit einer Aufklärungsquote von 66,9 Prozent kann man in der Region zufrieden sein, wurden doch 5,5 Prozent mehr Straftaten im Schwarzwald-Baar-Kreis aufgeklärt als im Vorjahr.

Recht drastisch angestiegen sind jedoch in der Region im Vergleich zum Vorjahr die Körperverletzungsdelikte – 13,7 Prozent mehr, insgesamt 985 Fälle stehen in der Statistik für 2023 – die meisten passierten mit 543 Fällen in Villingen-Schwenningen.

Ebenfalls markant angestiegen ist in der Region die Anzahl von Ladendiebstählen – 34,8 Prozent häufiger packten Langfinger in Geschäften hier zu, insgesamt 863 Mal.

Vermögens- und Fälschungsdelikte

Aus der Statistik geht ein weiteres Phänomen hervor: „Bei den Vermögens- und Fälschungsdelikten sind steigende Fallzahlen um 30,6 Prozent auf 1164 Fälle festzustellen. Ein deutlicher Anstieg auf 609 Fälle zeigt sich in der Stadt Villingen-Schwenningen, dies liegt vor allem an der Zunahme der Betrugsdelikte von 261 auf 420 Fälle.

Allgemeine Trends erkennbar

Insgesamt sind im Zuständigkeitsbereich des Präsidiums 2023 35 211 Straftaten passiert – 8,9 Prozent mehr als zuletzt.

Dass die Aufklärungsquote gestiegen ist, schlägt sich in allen Landkreisen letzten Endes auch auf die Anzahl der Tatverdächtigen nieder. Diese erhöhte sich präsidiumsweit auf 15 554 um 1056. Der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen liegt bei 38,8 Prozent, der Anteil der Flüchtlinge beträgt 7,7 Prozent. Die meisten Täter sind Erwachsene – 40,9 Prozent. Immer öfter passieren Straftaten offenbar unter Alkoholeinfluss – dies war 6,7 Prozent öfter der Fall als noch im Vorjahr – obgleich die Polizei erleichtert feststellen durfte, dass bei den Heranwachsenden unter Alkoholeinfluss ein Rückgang von 195 auf 147 festzustellen gewesen ist.

Weniger Raubdelikte

Unter den Straftaten wird in der Statistik klar unterschieden: Es gab weniger Raubdelikte – 178 statt wie vorher 184. Besonders markant bei diesen, meist im öffentlichen Raum begangenen Taten: Der Schaden durch diese Delikte beläuft sich jetzt nur noch auf rund 41 000 Euro, „während er im Vorjahr noch bei 325 000 Euro lag“, so die Polizei in ihrer Statistik.

Und doch zeichnen sich Sorgenfalten auf der Stirn des Polizeipräsidenten ab, wenn er auf die Raubdelikte blickt, denn: Fast ein Drittel der 156 tatverdächtigen „Räuber“ sind Jugendliche.

Messer kommt öfter ins Spiel

Von den Körperverletzungen wurden 2023 insgesamt mehr erfasst – hier gab es einen Anstieg um 13,4 Prozent auf 3617, darunter 2563 einfache und 845 gefährliche, beziehungsweise schwere Körperverletzungen. 4030 Personen wurden Opfer von Körperverletzungsdelikten – bei über der Hälfte kannten sich Opfer und Täter schon vorher. Und immer öfter kommt offenbar ein Messer ins Spiel: „In 222 Fällen richten sich Messerangriffe unmittelbar gegen Personen, das ist eine Steigerung zum Vorjahr von 41,4 Prozent.“. Zwei Menschen wurden dabei getötet, 101 Personen verletzt – davon zwölf schwer.

Stetig sinkende Hemmschwelle

Eine Entwicklung, die Wörner besorgt registriert: „Im Ergebnis zeigt sich das Bild einer stetig sinkenden Hemmschwelle zur Gewaltbereitschaft, die oftmals auch den Einsatz gefährlicher Werkzeuge zur Folge hat.“