Die Polizei stellt generell eine zunehmende Verrohung fest, wie sie beim Pressegespräch zu den Zahlen 2023 deutlich machte. Da ist auch der Landkreis Rottweil keine Ausnahme. Außerdem steigen die Fallzahlen im Bereich der Einbrüche deutlich an – bei einer verhältnismäßig niedrigen Aufklärungsquote.
Eines stellte Polizeipräsident Hubert Wörner gleich zu Beginn klar: Der Landkreis Rottweil gehört immer noch zu den sichersten in Baden-Württemberg. Nichtsdestotrotz steigt die Anzahl der Straftaten auch hier an.
Fallzahl und Aufklärungsquote steigen
Gesamtzahl an Taten 4732 waren es vergangenes Jahr im Kreis Rottweil und damit 13 Prozent mehr als im Vorjahr. Allerdings stieg auch die Aufklärungsquote an: um rund zwei Prozent auf 66,4 Prozent. Damit liege sie über dem Landesschnitt (61,2 Prozent).
Zum Vergleich: Im gesamten Bereich des Polizeipräsidiums (PP) Konstanz, zu dem neben dem Kreis Rottweil auch die Landkreise Konstanz, Tuttlingen und Schwarzwald-Baar gehören, waren es 31 900 Straftaten im Jahr 2023 bei einer Aufklärungsquote von 61 Prozent.
Nicht inbegriffen seien in diesen Zahlen ausländerrechtliche Verstöße wie illegale Einwanderungen zum Beispiel (rund 3300 Fälle im gesamten PP-Bereich).
Auf die Städte verteilt, wurden 1403 Taten in der Stadt Rottweil begangen, 818 in Schramberg und 604 in Oberndorf, der Rest in anderen Stäten und Gemeinden des Landkreises.
7,2 Prozent der Täter sind Flüchtlinge
Die Täter 36,5 Prozent der insgesamt 2461 Tatverdächtigen im Kreis Rottweil im vergangenen Jahr (ohne Ausländerrecht) waren dabei nicht deutsch (2022: 31,3 Prozent) und 7,2 Prozent hiervon wiederum Flüchtlinge (2022: 6,8 Prozent).
Was auffällt: 40 Prozent von insgesamt 90 tatverdächtigen Kindern im vergangenen Jahr (2022: 24,1 Prozent) sind nicht deutsch. Bei den Erwachsenen (1986 Tatverdächtige) sind es 38 Prozent, bei Jugendlichen 30,5 Prozent, bei Heranwachsenden 24,8 Prozent.
Mord und Totschlag Moderat seien die Fallzahlen bei den so genannten Straftaten gegen das Leben, führte Hubert Wörner aus. Drei dieser Art gab es 2023 im Kreis Rottweil (2022: zwei), dabei blieb es in zwei Fällen davon beim Versuch. Im gesamten PP-Bereich waren es 19 solche Delikte (2022: 13).
Fälle von Raub und Körperverletzung steigen an
Raub und Körperverletzung Um 13 Prozent angestiegen ist die Anzahl der Raubstraftaten im Kreis Rottweil, von 23 auf 26 Fälle 2023, während im gesamten Polizeipräsidiumsbereich ein Rückgang von 184 auf 178 Fälle zu verzeichnen ist.
In diesem Deliktsbereich seien nicht deutsche Täter überrepräsentiert, merkte Wörner an. Zudem seien es überwiegend jüngere Täter.
Um 14,8 Prozent gestiegen ist die Anzahl der Körperverletzungsdelikte: auf 583 Fälle 2023 im Kreis Rottweil. Im PP-Gebiet verhält es sich ähnlich.
Gewalt gegen Einsatzkräfte Ein Thema, das insbesondere vor dem Hintergrund des durch einen Messerangriff getöteten Polizisten in Mannheim wieder in Fokus rückt, ist Gewalt gegen Polizeibeamte. 54 Fälle dieser Art ereigneten sich 2023 im Kreis Rottweil (2022: 49). Im Bereich des Polizeipräsidiums lag der Anstieg sogar bei mehr als 22 Prozent. „Jeder Fall ist einer zu viel“, kommentierte Hubert Wörner diese Zahlen. Was die Täter angehe, so seien 26 Prozent nicht deutsch gewesen. Oftmals komme es aufgrund von Alkoholisierung oder psychischen Ausnahmezuständen zu Angriffen dieser Art, erklärte der Polizeipräsident.
Das Gleiche treffe auf Gewalt gegen Rettungskräfte zu. Sechs Fälle dieser Art gab es 2023 im Kreis Rottweil (PP: 24), im Vorjahr waren es vier.
Mehr Fälle werden angezeigt
Häusliche Gewalt Ein starker Anstieg, um 33,1 Prozent, ist beim Thema Partnergewalt/häusliche Gewalt im Kreis Rottweil festzustellen. 181 Fälle wurden 2023 zur Anzeige gebracht. 2020 waren es noch lediglich 94 Fälle. Präsidiumsweit gingen die Fallzahlen ebenfalls nach oben (um 21,9 Prozent).
In diesem Deliktsbereich lasse sich eine Überrepräsentanz nicht deutscher Tatverdächtiger feststellen (rund 45,5 Prozent), so Wörner. Die hohen Fallzahlen erklärt sich die Polizei aber nicht nur durch einen tatsächlichen Anstieg, sondern auch durch eine dank entsprechender Hilfsangebote gestiegene Bereitschaft, Fälle dieser Art bei der Polizei anzuzeigen. Die Angebote würden, ebenso wie der zunehmende Fokus der Gesellschaft auf dieses Thema, zur Aufhellung dieses Dunkelfeldes beitragen, so Wörner.
Unabhängig davon sei aber eine gewisse Verrohung, auch im Familienleben, feststellbar. Bei der Polizei gebe es extra für das Thema häusliche Gewalt eine Koordinierungsstelle und bestimmte Ansprechpartner. Zudem erfolge eine Risikobewertung anhand von Faktoren wie bisheriger Straffälligkeit des Täters, Sucht und mehr, um die Gefahr erneuter häuslicher Gewalt einschätzen zu können.
Zehn Vergewaltigungen 2023
Sexualdelikte Eine enorme Steigerung, die laut Wörner Sorgen bereitet, ist im Bereich der Sexualdelikte feststellbar. 147 Fälle gab es 2023 im Kreis Rottweil (83,6 Prozent mehr als im Vorjahr). Der Anteil nicht deutscher Täter lag bei 32,3 Prozent.
Bei rund 40 Prozent der Taten handelte es sich um die Verbreitung pornografischer Inhalte, gefolgt von Fällen von sexueller Belästigung und sexuellen Missbrauchs. Außerdem sei es zehn Mal zur Vergewaltigung gekommen. In diesen Fällen habe es meist Vorbezüge zwischen Täter und Opfer gegeben, erklärte Wörner beim Pressegespräch.
Im gesamten PP-Bereich gab es einen Anstieg der Fallzahlen um 12,7 Prozent.
Diebstahl Seit 2021 kontinuierlich gestiegen ist die Anzahl der Diebstähle im Kreis Rottweil, zuletzt um 15 Prozent auf 1250 Fälle. Präsidiumsweit liegt der Anstieg bei 3,5 Prozent. Insbesondere Ladendiebstähle hätten zugenommen, erklärte der Polizeipräsident. 49 Prozent der Tatverdächtigen bei den Eigentumsdelikten seien dabei nicht deutscher Herkunft gewesen.
Ein besonderer Bereich seien die Fahrraddiebstähle. Bei denen könne man einen Rückgang von 28,6 Prozent auf 80 Fälle 2023 im Kreis Rottweil feststellen. Einen Anstieg gebe es jedoch bei den Schadenssummen, weil zunehmend hochwertige E-Bikes entwendet werden.
Deutlich mehr Einbrüche als im Vorjahr
Einbruch Einen auffälligen Anstieg der Fallzahlen gibt es im Bereich Wohnungseinbruchsdiebstahl. Im Kreis Rottweil waren es 2023 43 Fälle und damit 53,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit liege man beinahe wieder auf Vor-Corona-Niveau (2019: 48 Fälle), so Wörner. Im PP-Bereich stieg die Fallzahl um 31,7 Prozent auf insgesamt 270 Delikte. Inbegriffen seien dabei jeweils auch Einbruchsversuche, die rund 50 Prozent der Fälle ausmachen.
Sehr niedrig ist hierbei die Aufklärungsquote. Sie lag im Kreis Rottweil 2023 bei gerade einmal 14 Prozent. Hubert Wörner empfahl eine Investition in entsprechende Sicherungsmaßnahmen, um den Einbrechern die „Arbeit“ so stark zu erschweren, dass diese von ihrem Vorhaben ablassen. Die Polizei berate gerne und objektiv, welche Sicherungsmaßnahmen im Einzelfall sinnvoll sind.
Empfinden passt oft nicht zu den Zahlen
Auf Nachfrage von Landrat Wolf-Rüdiger Michel verlor Hubert Wörner zum Abschluss noch einige Worte zum Thema Sicherheitsempfinden. Dieses sei sehr subjektiv und weiche oftmals stark von den objektiven Zahlen ab.
Was die Opfer von Straftaten angehe, so seien diese meist in einem ähnlichen Alter wie die jeweiligen Täter. Senioren stellten lediglich bei Betrugsmaschen, bei denen etwa falsche Polizeibeamte Geld fordern, die größte Opfergruppe dar. Immer wieder treffe es aber auch Personen ab 50 Jahren.
Ein großes Dunkelfeld gebe es noch im Bereich Cybercrime, da nicht jeder Fall angezeigt werde. Dadurch, dass sich Bereiche der Lebenswelt ins Internet verlagern, beispielsweise das Kaufverhalten, werde dieses zunehmend zum Tatort. Ein klassischer Fall sei die Überweisung per Vorkasse für eine Ware, die man am Ende nicht erhalte.