Der Landkreis Freudenstadt steht bei der Kriminalstatistik im landesweiten Vergleich trotz teilweise steigender Deliktszahlen weiter gut da und gilt als sicher. Für Einbrecher sind die Gegebenheiten vor Ort aber vergleichsweise günstig. Das schlägt sich in den Zahlen für 2023 nieder.
Polizeivizepräsident Mathias Bölle präsentierte die polizeiliche Kriminalstatistik im Kreistag. Im Ergebnis gilt der Kreis Freudenstadt nach wie vor als sicherer Landkreis, das zuständige Polizeipräsidium Pforzheim hat es im Ranking sogar auf Platz eins der „sichersten Polizeipräsidien“ geschafft. Daran ändert auch der kreisweite Anstieg der Fallzahlen um 9,7 Prozent nichts. Die Häufigkeitszahl – das ist die Zahl der Straftaten pro 100 000 Einwohner – liegt mit 3524 trotzdem noch signifikant unter dem Landesschnitt von 5272.
Rückläufig waren die Zahlen in Eutingen (minus 33 Prozent), Bad Rippoldsau-Schapbach (minus 32,3 Prozent) und Alpirsbach (minus 8,3 Prozent), den größten Zuwachs gab es in Glatten (85,7 Prozent), Dornstetten (33,3 Prozent) und Horb (27,5 Prozent). „Diese Statistik ist mit Blick auf die absoluten Zahlen aber mit Vorsicht zu genießen“, warnte Bölle. Manchmal seien es nur wenige Straftaten mehr, die die Prozentwerte massiv veränderten.
Mit einem Rückgang um 3,3 Prozent lag die Aufklärungsquote im Landkreis 2023 leicht unter dem Landesschnitt. Die Aufklärungstendenz in diesem Jahr ist aber steigend. Je nach Deliktsart sind die Quoten auch sehr unterschiedlich.
Viele Vermögensdelikte
Die Tatverdächtigenbelastungszahlen – plus 3,5 Prozent im Kreis, plus 8,8 Prozent landesweit – lassen sich laut Bölle so zusammenfassen: „im Wesentlichen männlich, jung und in einigen Deliktsbereichen nichtdeutsch“ (plus 4,6 Prozent). Im Kreis Freudenstadt seien rumänische und türkische Staatsangehörige überproportional vertreten. Täter und Opfer waren in der Mehrzahl männlich.
Der Großteil der Straftaten im Landkreis waren Vermögensdelikte, die Gewaltdelikte lagen hingegen deutlich unter dem Landesschnitt. Der Anstieg von 9,5 Prozent bei den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung lag ebenfalls deutlich über dem Landestrend (plus 2,3 Prozent).
Den Anstieg insgesamt erklärte Bölle auch mit einer geänderten Gesetzeslage und dem daraus resultierenden Anstieg beim Anzeigeverhalten. Zudem habe die Verbreitung (kinder-)pornografischen Materials signifikant zugenommen. Gestiegen um 23,1 Prozent (Land: 2,6 Prozent) ist auch die Straßenkriminalität – also alle Delikte, die im öffentlichen Verkehrsraum begangen werden, vom Kfz-Diebstahl bis zur Sachbeschädigung.
Kokain wird zum Problem
Die Rauschgiftkriminalität ging kreisweit um 15,5 Prozent zurück. Der Trend werde sich wegen der Cannabis-Legalisierung verstetigen, so Bölle. Aktuell sei aber Kokain ein echtes Problem. Dasselbe gilt für den Bereich „Cybercrime“ mit einem Zuwachs von über 30 Prozent im Kreis. Bölle prognostizierte weitere massive Anstiege mit Schadstoffsoftware, Spammails und auch beim Onlinebanking. Die Polizei verstärke bei der Cyberkriminalitätsbekämpfung die Kompetenz vor Ort und in der Fläche, setze aber auch auf internationale Kooperationen.
Noch extremer (plus 100 Prozent) schnellten kreisweit die Wohnungseinbruchsdiebstähle in die Höhe. „Freudenstadt mit seinen vielen Einfamilienhäusern und gut ausgebauten Straßen bietet eine sehr gute Tatgelegenheitsstruktur“, erklärte Bölle.
„Enkeltrick“ unter Kontrolle
Immer stärker in den Fokus der Polizei rückt die häusliche Gewalt mit einem Zuwachs von fast 50 Prozent im Landkreis. Auch hier habe sich das Anzeigeverhalten geändert. Alle acht Fälle des „Enkeltricks“ im Kreis blieben im Versuchsstadium stecken. Die gute Präventionsarbeit trage Früchte, so Bölle.
Bei der Gewalt gegen Polizeibeamte im Landkreis (plus 25 Prozent) war der Anstieg der tatsächlichen Zahlen vergleichsweise gering, der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen stieg (28,9 Prozent). Fast 70 Prozent der Täter standen unter Alkoholeinfluss.
Verkehrsstatistik soll künftig Berücksichtigung finden
Präventionsangebote
Im Bereich der Prävention arbeitet die Polizei inzwischen mit ganz unterschiedlichen Ansätzen von der Beratung bis zum Vortrag. Auch Messeauftritte und Ausstellungen sowie Medieninformationen sollen die Bevölkerung sensibilisieren. Präventionsarbeit wird auch an Schulen, in Vereinen und Jugendgruppen geleistet.
Personalsituation
Die Talsohle bei der personellen Ausstattung des Polizeipräsidiums Pforzheim ist laut Mathias Bölle seit 2023 durchschritten. Perspektivisch werde es in den kommenden Jahren aber nicht gelingen, den Personalbedarf zu 100 Prozent zu erfüllen. Aktuell weise Baden-Württemberg die schlechteste Personalquote aller Länder auf.
Verkehrsstatistik
Martin Zerrinius (SPD) regte an, künftig mit der Kriminal- auch die Verkehrsstatistik zu präsentieren. Dies wurde aufgegriffen.
Politische Straftaten
Politisch motivierte Straftaten sind nicht Bestandteil der Kriminalstatistik und wurden deshalb nicht erörtert, so Bölle auf Frage von Gerhard Gaiser (SPD).