Die Sprengung des Bankomaten in einer UBS-Filiale in Laufen im November sorgte für erhebliche Schäden am Gebäude Foto: Polizei Basel-Landschaft

Die Zahl der Sprengstoffanschläge auf Geldautomaten in der Schweiz ist im vergangenen Jahr stark zurückgegangen.

Ein Bild der Verwüstung zeigte sich der Polizei Basel-Landschaft in den frühen Morgenstunden des 19. Novembers. Unbekannte hatten gegen 2.45 Uhr einen Bankomaten in einer UBS-Filiale gesprengt. Es entstand großer Sachschaden. Die Täter konnten flüchten. Ob sie Geld rauben konnten, sei Gegenstand laufender Ermittlungen, hieß es damals.

 

Diesseits der Grenze ist es zuletzt im Juni 2024 zu einer Automatensprengung gekommen. Ort des Geschehens war eine Tankstelle in Weil-Friedlingen. Durch die Explosion entstand zudem an der Tankstelle sowie an einem geparkten Fahrzeug Sachschaden. Auch hier gelang den Tätern die Flucht. Menschen wurden keine verletzt.

In der Schweiz bewegte sich die Zahl der Bankomat-Sprengungen in den vergangenen Jahren zwischen 32 im Jahr 2023 und 57 im Jahr 2022, wie Statistiken des Bundesamts für Polizei (Fedpol) zeigen. Im Jahr 2024 wurden 48 Bankomat-Anschläge registriert. Von Januar bis Anfang Dezember 2025 waren es noch 23 solcher Fälle – ein Minusrekord seit Beginn des Jahrzehnts. Gleichzeitig werden die verursachten Schäden zunehmend größer, wie das Fedpol auf Anfrage schreibt. An den Tatorten zeige sich regelmäßig ein Bild massiver Zerstörung. Das weise auf eine hohe kriminelle Energie der Täterschaft hin.

Großes Schadenspotenzial

Das Schadenspotenzial durch die Wucht der Explosionen sei sehr groß, sowohl für die Täter als auch für Unbeteiligte. Die Statistiken zeigen: Bei den diesjährigen Anschlägen wurde in der Mehrheit der Fälle Sprengstoff eingesetzt. Viele Täter gingen skrupellos vor und setzten große Mengen an Sprengstoff ein, so das Fedpol. Laut der Behörde ist Sprengstoff das effizienteste und zugleich gefährlichste Mittel. Früher seien Geldautomaten eher noch mit Gas gesprengt oder mittels Werkzeugen geknackt worden. Je nach Tätergruppen würden sich die Art des Angriffs, das Fluchtverhalten und die Auswahl der Geldautomaten unterscheiden.

Während serbische und rumänische Tätergruppen vor allem Gas-Sprengungen verüben würden, verwendeten albanische Tätergruppen bei ihren Angriffen eher Werkzeuge, so der aktuelle Ermittlungsstand des Fedpol. Angriffe mit Sprengstoff hingegen würden mehrheitlich rumänische und holländische Tätergruppen durchführen. Letztere hätten Bezüge zur Mocro-Mafia.

Weniger Sprengstoffanschläge

Bei Sprengstoffanschlägen liegt die Zuständigkeit grundsätzlich bei der Bundesanwaltschaft (BA). Die vermeldete, dass die abnehmende Zahl der Sprengstoffanschläge auf Geldautomaten im Vergleich zum Vorjahr gute Gründe habe: „Immer öfter erzielen wir konkrete Ermittlungsergebnisse, können die Täter anklagen und erwirken Verurteilungen.“ Die engagierte Verfolgung, Identifizierung und Verhaftung der Verursacher durch die Strafverfolgungsbehörden entfaltet ihre Wirkung – rund 100 Strafverfahren sind im vergangenen Jahr laut der BA geführt worden. Diese Zahl habe in den vergangenen Jahren zugenommen.

Im Zusammenhang mit Bankomat-Sprengungen habe die Bundesanwaltschaft im vergangenen Jahr Jahr erfolgreich zwei Verfahren abschließen können. Im April wurden fünf Personen verurteilt, die Sprengstoff und andere giftige Gase hergestellt, verborgen und weiterverarbeitet hatten. Die BA warf ihnen vor, sie hätten den Sprengstoff für einen Angriff auf einen Bankomaten verwenden wollen.

Drei Personen verurteilt

Außerdem wurden im Juli drei Personen verurteilt, die an der Sprengung eines Geldautomaten im Kanton Zürich beteiligt waren, wobei es zu einem erheblichen Sachschaden kam. In beiden Fällen sind die Urteile noch nicht rechtskräftig.

Nicht nur die Schweiz ist von Bankomat-Sprengungen betroffen. Laut dem Fedpol sind Sprengstoffüberfälle auf Geldautomaten seit einigen Jahren auch in Deutschland, Holland, Frankreich und Italien ein Thema. Aufgrund der geringen Größe und des dichten Bankomat-Netzes scheint die Schweiz aber ein besonders lohnenswertes Ziel für Angriffe zu sein.

Als zentrales Element für den Ermittlungserfolg führt die Bundesanwaltschaft auch die enge Zusammenarbeit mit ausländischen Partnerbehörden ins Feld. Das zeige sich exemplarisch an einer internationalen Aktion im September 2024, bei der in Frankreich mehrere mutmaßliche Mitglieder einer kriminellen Gruppierung festgenommen wurden. Laut aktuellem Ermittlungsstand könnte die Gruppierung mit rund zehn Taten in der Schweiz in Verbindung stehen.