Was passiert, wenn sich ein Kriminalhauptkommissar und ein Gerichtsreporter immer mal wieder im Gerichtssaal begegnen? Man spricht miteinander, lernt sich kennen.
Dabei stellt man fest, dass man neben den beruflichen Berührungspunkten auch noch viele andere Gemeinsamkeiten und Interessen hat.
Frank Schröder, Erster Kriminalhauptkommissar, inzwischen a.D. und der Journalist Veit Müller haben ihre Hobbys und beruflichen Erfahrungen auf einen Haufen geschmissen, ordentlich durchgemischt.
Wolfgang Schröder, der Bruder von Frank Schröder, hatte einen Abend zwischen Realität und Fiktion zu einer außergewöhnlichen Krimi-Lesung unter dem Oberbegriff: „Dichtung und Wahrheit“ organisiert. Sie lasen Passagen aus ihren aktuellen Büchern vor und erinnerten sich in gegenseitigen Interviews an Highlights aus ihrem Berufsleben.
Und das alles in gruseliger Umgebung, denn die Mitglieder des örtlichen Tennisclubs hatten das Bürgerhaus in einen Tatort verwandelt. In so einer Umgebung erzählt es sich eben besser von Mord und Totschlag.
Nach vertonter Lyrik sofort in den harten Krimi-Alltag
Als musikalischen Einstieg wählten die beiden, passend zur Jahreszeit, den Song „Summertime“. Nach vertonter Lyrik ging es dann aber sofort in den harten Krimi-Alltag über.
Veit Müller berichtete von aktuellen Fällen. Besonders betroffen machten ihn Fälle, in denen die Täter gegenüber Jugendlichen – hauptsächlich Mädchen – digitale Gewalt einsetzten. Mit falschen Versprechen werden die Jugendlichen (oder sogar Kinder) überredet, pornografische Bilder von sich zu schicken. Müller sprach auch die sogenannte Snap-Chat-Falle an, bei der den Mädels vorgegaukelt wird, dass sich das Bild schnell von selbst löschen würde und nur kurz für den Empfänger sichtbar sei. Dem ist natürlich nicht so.
Als Grund für diesen Täterkontakt im Kinderzimmer werteten die Experten, dass Kinder viel zu früh frei mit ihren Smartphones surfen können. „Die kommen an Hardcore-Pornografie ran“ eine Erkenntnis.
Frank Schröder machte in diesem Zusammenhang auf Infoabende für Eltern aufmerksam, die dieses Thema behandeln und aufzeigen, wie man hierzu mit Jugendlichen spricht.
Dass der Gärtner nicht immer der Mörder ist, erfuhren die Besucher ebenso, wie in der Live-Lyrik-Einlage zum Tom Jones Hit „Delilah“, den sie ganz im Stil von „Pop und Poesie“ zum Teil in der deutschen Übersetzung als auch im englischen Original präsentierten, dass es sich hier nicht um ein Schunkellied, sondern um die Story eines glasklaren Femizid handelt. Ein Thema, dass den beiden ebenso wichtig war, wie die anderen Geschichten aus dem wahren Leben eines echten Kriminalbeamten und den Storys, die ein Gerichtsreporter hört. Auch die Gegenüberstellung Realität und Fernsehkrimi, die überhaupt nicht miteinander zu tun haben, passte in das Schema „Dichtung und Wahrheit“.
Richtig surreal wurde es, als Veit Müller aus seinem neuesten Buch “Wintermord“ vorlas. Hier bedient er alle gängigen Klischees, wie man sich einen Privatdetektiv vorstellt. Kaum Geld in der Tasche, eine Knarre im Hosenbund, sein Freund heißt Johnny Walker und ein weibliches Wesen sucht bei ihm Hilfe. Und das nicht in LA, sondern in Tübingen. Weiter weg von der Wahrheit geht nicht.
Ein aufrüttelnder und lehrreicher Abend
Etwas näher an der Realität ist da Frank Schröder mit seiner Ermittlerin Verena Göbe, die in seinem neuesten Roman „Eiskalte Gnade“ einen Serienmörder jagt.
Alles in allem war es ein vergnüglicher, aber auch aufrüttelnder und lehrreicher Abend und eines wurde auf jeden Fall klar: „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“.
Info zu den Autoren
Frank Schröder
, geboren 1961 in Ebingen, Erster Kriminalhauptkommissar a.D. und „gelernter“ Kriminaltechniker. Fast 30 Jahre Ermittlungsarbeit, davon 15 Jahre im Bereich von Tötungs- und Gewaltdelikten, Waffenkriminalität und Brandstiftung. Zuletzt war Frank Schröder Fachlehrer für Kriminalistik und Strafrecht und kommissarischer Leiter des Ausbildungsinstituts der Hochschule für Polizei Baden-Württemberg in Biberach an der Riß.
Veit Müller
ist in der Pfalz geboren und zur Schule gegangen. Er studierte in Tübingen Englisch und Deutsch. Seit 1988 arbeitet er als freier Journalist und Autor in Tübingen. Bisher sind vier Kriminalromane mit dem Protagonisten Luka Blum, der, wie der Autor selbst, gerne pfälzischen Dornfelder trinkt und irische Folklore liebt, erschienen. Er ist auch Herausgeber der bei Oertel+Spörer erschienenen Krimianthologie „Leblos unterm Tresen“. Seine neueste Romanfigur ist der heruntergekommene Privatdetektiv Nick de Winter.