Mit einer mobilen Heizanlage versorgt die Gemeinde das Gebäude mit Wärme. Foto: Bewohnerin

Damit die Bewohner der Problemimmobilie in Klosterreichenbach nicht frieren müssen, greift nun die Gemeinde Baiersbronn ein. Doch das sorgt für neuen Ärger.

Weil im schlagzeilenträchtigen Mehrfamilienhaus im Baiersbronner Teilort Klosterreichenbach die Heizung nicht funktioniert und in den vergangenen Tagen mehrfach der Strom ausgefallen ist, hat die Gemeinde vor dem Gebäude eine mobile Heizanlage aufgestellt.

 

Das Gerät erzeugt aber nicht nur Wärme, sondern auch Lärm und Abgase – sehr zum Ärger der Anwohner in der unmittelbaren Nachbarschaft. Die Lärmbelastung sei nicht hinnehmbar, berichtet eine Anwohnerin gegenüber unserer Redaktion. „Die ganze Nacht über brummt es immer, wenn die Heizung sich einschaltet, und somit war an Schlaf nicht zu denken.“

Und nicht nur das: „Die Abgase ziehen direkt in die obere Wohnung, da der Abgaskamin viel zu kurz ist.“ Die Anwohnerin schimpft: „Es kann ja nicht sein, dass das zu Lasten unserer Gesundheit geht.“

Morgens nur noch 13 Grad

Die Gemeinde reagierte am Mittwochabend und schaltete die mobile Heizanlage wieder ab – mit dramatischen Folgen für die Bewohner des Problemhauses. Denn nun sanken die Temperaturen im Gebäude wieder ab. Ein Bewohner berichtet, am Abend seien noch 16 Grad in der Wohnung gewesen, am nächsten Morgen nur noch 13 Grad.

Und es kam noch schlimmer: Denn am nächsten Morgen sei dann auch der Strom wieder komplett ausgefallen, berichten die Bewohner. Sie vermuten, dass viele ihrer Nachbarn wegen der Kälte wieder ihre elektrischen Heizlüfter eingeschaltet haben und die Sicherungen daher erneut durchgebrannt sind.

Ölheizung im Problemhaus soll repariert werden

Die Gemeinde stand somit vor einem Dilemma: Entweder sie riskiert Beschwerden der Nachbarn, oder sie lässt die rund 70 Bewohner des Problemhauses frieren. Was tun?

Wie die Bewohner berichten, hat die Gemeinde am Donnerstag dafür gesorgt, dass die Ölheizung im Keller des Hauses betankt wird. In Kürze soll sie dann repariert werden. Zur Überbrückung wurde am Nachmittag die mobile Heizanlage erneut eingeschaltet.

Am Freitagnachmittag meldeten die Bewohner dann: Die Heizung läuft, die mobile Heizanlage wurde abgeholt. Der Strom funktioniere aber (Stand 14 Uhr) noch immer nicht. Reparaturarbeiten seien aber für den Nachmittag angekündigt.

Auf Anfrage unserer Redaktion bestätigt die Gemeinde Baiersbronn einen Großteil dieser Schilderungen– zumindest indirekt. „Ziel ist es, den Betrieb des Hotmobils durch einen regulären Betrieb der Heizanlage zu beenden“, schreibt ein Sprecher der Gemeinde am Freitagmorgen.

Doch wenn die Heizung offenbar so schnell repariert werden konnte: Warum hat die Gemeinde das Heizmobil am Mittwochabend nicht einfach weiterlaufen lassen? Schließlich wäre ein Ende der Belastung für die Nachbarn ja abzusehen gewesen.

Diese konkrete Frage ließ die Gemeinde zunächst unbeantwortet. Dabei ist das Unverständnis der Bewohner über die vorübergehende Abschaltung offenbar groß.

„Das geht nicht“

„Ein Tag ohne Heizung ist eine vollkommene Katastrophe“, klagt der Bewohner. „Das geht nicht.“ Er sei mittlerweile im Kontakt mit Mietern der anderen Wohnungen – viele davon Flüchtlinge aus der Ukraine.

„Die Leute sind geflohen vor dem Krieg und haben hier Kriegszustände“, schimpft der Bewohner. „Das sind Menschen, die hier aufgenommen worden sind. Und wie werden sie jetzt behandelt?“