Die Freie Wähler Vereinigung und die FDP würden gerne alte Bunkeranlagen wieder instand setzen. Die Stadtverwaltung hält davon wenig und will stattdessen für andere Krisenfälle vorsorgen.
Seit Russlands Überfall auf die Ukraine ist das Thema Bevölkerungsschutz wieder brandaktuell. Doch viele Bunker aus dem Kalten Krieg oder aus dem Zweiten Weltkrieg sind nach Jahrzehnten der Vernachlässigung nicht mehr nutzbar. Kein Wunder, schließlich gingen die wenigsten davon aus, dass die Anlagen noch mal gebraucht würden.
Doch angesichts des Kriegs in der Ukraine werden immer wieder Stimmen laut, die alten Bunkeranlagen wieder instand zu setzen. So auch im Freudenstädter Gemeinderat. Schon vor drei Wochen hatte die gemeinsame Fraktion der Freien Wähler und der FDP den Antrag gestellt, dass die Stadt prüfen solle, welche Schutzräume in der Stadt vorhanden sind und mit welchem Aufwand sie wieder funktionstüchtig gemacht werden könnten.
Kirchen sollen warme Räume zur Verfügung stellen
Dazu hat nun die Stadt in der Gemeinderatssitzung in dieser Woche Stellung bezogen. So berichtete Oberbürgermeister Julian Osswald, dass derzeit schon Projekte entwickelt würden, um der Bevölkerung im Falle eines Gasmangels oder eines Blackouts Zuflucht zu bieten. Zum Beispiel gäbe es schon Vereinbarungen mit Kirchen, die im Krisenfall Räume zur Verfügung stellen könnten, die auch ohne Strom und Gas beheizt werden könnten.
Doch Osswald machte ebenfalls deutlich: Schutzräume aus dem Zweiten Weltkrieg sollen nicht wieder nutzbar gemacht werden. Wolfgang Tzschupke (FWV) zeigte sich entsprechend enttäuscht: „Unsere Intention ging eigentlich weiter.“ Denn seine Fraktion habe durchaus beabsichtigt, die alten Schutzräume wieder instand zu setzen. „Wir hoffen, dass nie der Fall eintreten wird“, meinte Tzschupke mit Blick auf einen möglichen Krieg. Doch seit dem russischen Angriff sei Europa eben keine Insel des Friedens mehr.
In den Augen der Stadtverwaltung sind diese Forderungen aber unrealistisch. „Es gibt keine Schutzräume, die man mit vertretbarem Aufwand für diesen Fall aufrüsten könnte“, berichtete Osswald. Und im derzeitigen Zustand seien die noch vorhandenen Bunker nicht zum Schutz der Bevölkerung geeignet. „Da will keiner länger als eine Stunde drin verbringen“, so Osswald.
Viel wichtiger sei es, die Versorgung mit Strom, Wasser und Wärme so zu sichern, dass sie auch im Krisenfall noch vorhanden sei. „Wir müssen uns nach den Szenarien richten, die derzeit realistisch sind.“