Der Anti-Kriegstag des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) am 1. September, dem Beginn des Zweiten Weltkrieges vor 83 Jahren, hatte vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine eine andere Dimension als bisher.
VS-Schwenningen - Rund 100 Personen nahmen an der Veranstaltung auf dem Geschwister-Scholl-Platz in Schwenningen teil, darunter auch Bürgermeister Detlev Bührer, die Landtagsabgeordnete Martina Braun, Alt-Bundestagsabgeordnete Christa Lörcher sowie Vertreter der Omas gegen Rechts, der Seebrücke VS und des Jugendgemeinderats VS.
Die musikalische Gestaltung übernahmen Vivienne Milse und Stephan Weisser von der Musikakademie VS mit Weiße Tannen (Silbermond), Imagine (John Lennon) und 21 Guns (Greenday), Liedern, die Frieden in den Vordergrund rücken.
"Wir haben eine Demokratie"
"Wir stehen hier, weil wir eine Demokratie haben und den Überfall der Russen auf die Ukraine einen solchen nennen dürfen", erklärte der DGB-Vorsitzende Andreas Merz. Und: Es hätten 1989 noch so viele Menschen in der DDR auf die Straße gehen können, ohne Gorbatschow hätte es die Wiedervereinigung nicht gegeben. Vom heutigen Präsidenten Russlands (Putin) hätte man es wohl nicht erwarten können.
Ein "Vernichtungskrieg"
Klare Worte fand auch Bürgermeister Detlev Bührer. Es sei ein "Vernichtungskrieg" gegen und Ukraine und gleichzeitig ein Wirtschaftskrieg gegen den Westen. Bührer fordert aktive Konfliktlösung, wie immer sie aussieht, über deren Richtigkeit die Meinungen immer auseinandergehen. Angesichts explodierender Preise gibt es seines Erachtens "Fliehkräfte in der Gesellschaft". Bringe man das nicht in Solidarität in den Griff, bekomme man die Instabilität, die sich Putin erhofft.
Sozialer Friede wahren
Auch die Landtagsabgeordnete Martina Braun wies diesbezüglich darauf hin, dass jeder, um den sozialen Frieden zu wahren, etwas für Verteilungsgerechtigkeit sorgen könne. "Ich bete darum, dass wir es gemeinsam schaffen." Noch vor einem Jahr hätte sie nicht damit gerechnet, "dass vor der Haustür Krieg herrscht wie in anderen Weltregionen, auch mit Auswirkungen auf das eigene Sein".
Viele Kinder haben keinen Zugang zu Bildung
Bildungspolitische Aspekte wurden vom Jugendgemeinderat angesprochen. Man selbst habe es gut, aber 26 Millionen Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 14 Jahren haben durch Kriege und gewalttätige Auseinandersetzungen keinen Zugang zu Bildung, und in den Konflikten werden Bildungszugänge systematisch zerstört und manipuliert. Erinnert wurde auch an die rund eine Viertel Million Kindersoldaten.
Flüchtlinge unterschiedlich behandelt
Von der Seebrücke VS wies Patrick Rösgen auf einen signifikanten Unterschied in der Behandlung von Flüchtlingen aus der Ukraine und anderen Weltregionen hin. Die Ukraine genieße zu Recht unsere Solidarität, es werden Restriktionen abgebaut, die gegenüber den Flüchtlingen aus den Jahren 2015/16 systematisch aufgebaut wurden, und jetzt Laisset-faire. Wo bleibe die Empathie für andere Weltgegenden, werde in Europa mit Zweierlei Maß gemessen, fragt er sich, weil jetzt vor der Haustür und sonst weit fort. Rassismus komme nicht nur in Bomberjacken und Springerstiefeln daher. Es sei ein tiefsitzendes zum Teil unbewusstes, auch automatisiertes und anerzogenes Gefühl, hier und dort.