Orhan Ipekcioglu hat ein eigenes Unternehmen und begleitet insbesondere deutsche Kunden auf der Suche nach dem passenden Wohnobjekt. Foto: Ipekcioglu

Orhan Ipekcioglu lebt seit einigen Jahren in Dubai und vermarktet dort Luxusimmobilien. Uns schildert der Sulzer die aktuelle Lage vor Ort nach dem Vergeltungsschlag des Iran.

Brennende Trümmerteile, die vom Himmel fallen, Raketenalarm und Tausende Touristen, die festsitzen: Für das einstmalige Sehnsuchtsziel und den Influencer-Hotspot Dubai gilt nach Luftangriffen aus dem Iran eine Reisewarnung. Für Orhan Ipekcioglu ist die Wüstenmetropole seit einigen Jahren sein Zuhause. Wie nimmt er die aktuelle Lage vor Ort wahr? Plant er, die Vereinigten Arabischen Emirate zu verlassen?

 

Vor eineinhalb Jahren, als wir zuletzt mit dem 36-Jährigen gesprochen haben, schwärmte dieser nicht nur von dem schillernden Leben in Dubai, der multikulturellen Gesellschaft und dem Fortschritt, sondern auch von der Sicherheit. „Hier kann man abends bedenkenlos raus. Die Gesetze sind viel strenger. Gewalt auf offener Straße sieht man hier nicht“, sagte er.

Haben die jüngsten Ereignisse diesen Eindruck ins Wanken gebracht? Schließlich wurde Dubai Ziel eines Vergeltungsschlags des Iran nach den Militärschlägen der USA und Israels. Drohnen und Trümmerteile beschädigten unter anderem den Flughafen und das bekannte Luxushotel Burj Al Arab.

Tage der Unsicherheit

„Die ersten zwei Tage waren wirklich merkwürdig“, erzählt er uns per Videotelefonat am Mittwoch. Dass der Iran bei einem Angriff reagieren würde, sei klar gewesen, meint Ipekcioglu. Die konkreten Auswirkungen habe er aber zunächst nur über die Medien mitbekommen.

Das sollte sich aber schnell ändern – als er an der Einkaufspromenade City Walk essen war und ein Trümmerteil ganz in der Nähe herabstürzte. Daraufhin sei er schnell nach Hause gegangen und erst einmal dort geblieben, schildert Ipekcioglu. Die Rauchwolken zu sehen und immer wieder Abwehrraketen zu hören, habe für ein mulmiges Gefühl gesorgt.

Gehen oder bleiben?

Was tun? Gehen oder bleiben? Das habe er sich in den ersten Tagen schon gefragt, gibt er zu. Am Abend habe er seine Mitarbeiter getroffen – manche seien verängstigt gewesen und hätten von Flucht gesprochen, andere wollten abwarten. Seine Familie in Sulz habe ihn gefragt, ob er nach Deutschland kommen werde. Er habe sich aber dazu entschieden, abzuwarten und die Lage zu beobachten.

Von Bekannten wisse er, dass sie zeitweise in den Oman gefahren, mittlerweile aber zurückgekehrt seien.

Sparflamme, aber kein Notzustand

Nach Tagen der Unsicherheit und Sorge scheint die Anspannung nun allmählich zu weichen – auch wenn am Mittwoch noch kein Normalzustand in Dubai herrscht, wie uns Ipekcioglu zeigt. Eine Straße, die zur Mittagszeit eigentlich stark verstopft wäre, ist problemlos befahrbar. Zurzeit sei es deutlich ruhiger draußen, sagt der Sulzer. Einige Läden hätten geschlossen, und man sehe auch hin und wieder Polizei – was sonst eher selten der Fall sei.

„Alles läuft ein bisschen auf Sparflamme. Es herrscht aber kein Notzustand“, meint Ipekcioglu. Vielmehr scheint es aus seiner Sicht in eine gute Richtung zu gehen. Kürzlich sei der Scheich in der „Dubai Mall“ essen gewesen – ein Zeichen, das den Emiratis vermitteln soll: „Wir sind hier sicher“, mutmaßt Ipekcioglu. Er hofft nun auf eine diplomatische Lösung, denn das hier sei nicht Dubais Krieg, man sei da einfach hineingerutscht und habe kein Interesse an einem Konflikt.

Sollte die kritische Lage anhalten, befürchtet er langfristig negative
Auswirkungen für den Wüstenstaat – touristisch, wirtschaftlich und natürlich auch für sein Immobiliengeschäft. Das sei jetzt aber erst einmal zweitrangig, betont er. Das Wichtigste sei jetzt, dass sich die Lage beruhige.

Zur Person

Orhan Ipekcioglu
wurde in Horb geboren, besuchte in Sulz die Realschule und spielte beim FC Holzhausen Fußball. Nach einer Lehre als Zerspanungsmechaniker und einem Maschinenbau-Studium verschlug es den heute 36-Jährigen zunächst in den medizintechnischen Vertrieb und schließlich ins Immobiliengeschäft – erst in Berlin, dann in Dubai. Zu seinen Kunden zählen Prominente ebenso wie Normalverdiener.