Reisebüros im Kreis Lörrach haben derzeit alle Hände voll damit zu tun, festsitzende Kunden aus dem Nahen Osten zurückzuholen.
Die Tourismusbranche wird vom Iran-Krieg derzeit stark beeinflusst. Denn der Nahe Osten ist nicht nur ein beliebtes Reiseziel, sondern auch Drehkreuz für internationale Fernreisen. Die Mitarbeiter in den Reisebüros der Region sind im Dauereinsatz, um ihren Kunden beizustehen, die Dubai, Abu Dhabi, Katar oder Jerusalem als Reiseziel gewählt haben und nun festsitzen.
Andere waren eigentlich nach Australien oder Neuseeland unterwegs und warten nun wegen ihres Zwischenstopps in Nahost darauf, umgebucht zu werden. Besonders die Emirate wie Dubai und Abu Dhabi spielen in dieser Doppelfunktion eine große Rolle, wie Aron Stiefvater, Geschäftsführer des gleichnamigen Reisebüros mit Hauptsitz in Weil am Rhein sowie Büros in Lörrach und Freiburg, mitteilt.
Familie bleibt daheim
Unser Mitarbeiter Heinz Vollmar ist selbst betroffen. Er hatte Anfang April einen Urlaubsaufenthalt in Dubai mit Ehefrau, Sohn, Schwiegertochter und Enkelkindern geplant. Glück im Unglück wohl, dass die Familie noch nicht im Hotel Jumeirah Dar Al Masyas weilte: vor wenigen Tagen ist es im knapp 20 Fußminuten entfernten Hotel Burj Al Arab nach einem mutmaßlich iranischen Drohnenangriff zu einem Brand gekommen.
Damit ist für die Familie Vollmar der Urlaub in Nahost erst einmal passé: „Wir haben Vier- und Neunjährige dabei, da ist nicht dran zu denken“, sagt der Großvater im Gespräch mit unserer Zeitung. Gebucht hatte die Reise einer seiner Söhne, der geschäftsführender Vorstand eines Schweizer Unternehmens ist.
Nun versucht die Familie, Hotel und Flug umzubuchen oder zu stornieren. Wegen guter Kontakte zum Hotel, wie Vollmar erklärte, gab es am Donnerstagabend dann die Rückmeldung, dass die Hotelkosten erstattet würden.
Verunsicherung und Besorgnis spürbar
Auch in Reisebüros in Lörrach, Weil am Rhein, Schopfheim und Rheinfelden sei die Verunsicherung und Besorgnis derer, die ihren Aufenthalt in touristischen Regionen des Nahen Ostens noch vor sich haben, deutlich spürbar, wie es auf Anfrage unserer Zeitung heißt. Viele Büros müssen sich zudem um Kunden kümmern, die dringend zurück nach Hause wollen, aber festsitzen – etwa, weil Kreuzfahrtschiffe aus Sicherheitsgründen im Hafen bleiben müssten.
„Die Unsicherheit ist spürbar und viele sind dankbar, einen persönlichen Ansprechpartner zu haben“, erklärt Michael Seilnacht, Geschäftsführer des gleichnamigen Reisebüros in Lörrach mit Büros in Rheinfelden und Weil am Rhein, auf Anfrage.
Das Reisebüro Stiefvater betreut derzeit auch Reisende, die in Nahost festsitzen: „Wir haben einige Kunden in Dubai, Abu Dhabi und generell auf der arabischen Halbinsel, mit denen wir im engen Austausch stehen“, erklärt Stiefvater.
Andere befänden sich aktuell auf der Rückreise, die meisten würden am Wochenende oder Anfang nächster Woche wieder zurück sein: „Unsere Kunden sind gut betreut, wir stehen kontinuierlich mit ihnen in Kontakt.“
Arbeiten mit Hochdruck
Dank der eigenen Flugabteilung, eines internationalen Netzwerks und engagierten Teams könne das Reisebüro schnell reagieren und die Kunden in solchen Situationen unterstützen.
Ebenso steht Inhaberin Anne-Claire Volz vom Reisebüro Check-In in Schopfheim mit ihren festsitzenden Kunden in ständigem Kontakt und fühlt mit: „Es ist schon schlimm, viele wollen eigentlich nur noch nach Hause, können aber nicht.“ Denn aus Sicherheitsgründen solle teils nicht einmal das Kreuzfahrtschiff verlassen werden.
Angst vor Angriffen
Und: Viele hätten Angst, dass dieses womöglich Ziel eines Angriffs werden könnte. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, sie nach Hause zu holen.“ Seit Samstag arbeite sie gefühlt durch, doch sie lasse ihre Kunden nicht im Stich.
Dietmar Baum vom Flugbörse Fortex Reisebüro in Rheinfelden hat derzeit keine Kunden, die im Nahen Osten festsitzen, dennoch beschäftigten ihn und sein Team die sich ständig verändernde Lage stark: „Alles ist sehr volatil und ändert sich im Minutentakt“. Dies bestätigt auch Seilnacht. „Viele Urlauber wissen nicht, ob ihre Reise stattfinden kann, ob sie sicher ist oder ob sie Anspruch auf eine kostenfreie Stornierung oder Umbuchung haben“, erklärt er. Gleichzeitig erreichten das Reisebüro täglich Anfragen von Menschen, die sich Sorgen um bereits gebuchte Reisen nach Nahost machten.
Mehr Arbeit und Flexibilität gefordert
Insgesamt erfordere die aktuelle Situation mehr Arbeit und Flexibilität von den Reisebüros, die in engem Austausch mir Reiseveranstaltern, Reedereien und Airlines seien, wie Seilnacht mitteilt. Denn auch Flugrouten müssten entsprechend des Kriegsgeschehens immer wieder angepasst und Flüge umgebucht werden.
Große Stornierungswellen gebe es bislang nicht, wie Stiefvater erklärt. Auch Baumert und Volz teilen diese Beobachtung. Und weil die Möglichkeit zur kostenlosen Stornierung bei Pauschalreisen von Reisewarnungen oder -verboten des Auswärtigen Amts abhängen, haben die Reisebüros auch diese im Blick.