Die Musiker (von links): Herbie Wachter (Schlagzeug), Harald Domes (Horn), Dorian Kraft (Tuba), Uli Gutscher (Piano), Alexander Kirn (Trompete und Piccolotrompete), Michael Peuser (Posaune), Thomas Krisch (Bass) und Hubertus von Stackelberg (Trompete und Flügelhorn) Foto: Ursula Schnidrig

Beim zweiten Kreuzgangkonzert in Alpirsbach traten das Ludwigsburger Blechbläserquintett und das Uli Gutscher Trio gemeinsam auf. Das Publikum im gut besetzten Kreuzgang war begeistert.

Einen langen Abend ohne jegliche Länge präsentierten das Ludwigsburger Blechbläserquintett (LBQ) und das Uli Gutscher Trio am Samstag beim zweiten Kreuzgangkonzert in Alpirsbach. Sie ließen die Füße der Zuschauer kaum zur Ruhe kommen.

 

18 verschiedene Stücke kamen zu Gehör, plus die Zugabe. Von Bach bis Berlin – Irving Berlin. Uli Gutscher, Piano, und Hubertus von Stackelberg, Trompete und Flügelhorn, führten durch das Programm, locker, verbindend und informativ.

Den Anfang machte ein lustiges „Tudelsack“-Stück mit Quintett und Trio, gefolgt vom Präludium XXII aus dem wohltemperierten Klavier, das die fünf Bläser durchsichtig und leicht darboten. Die folgende Fuge, nicht die zugehörige, sondern die Nr. 9 aus der Kunst der Fuge, wurde ebenso durchsichtig präsentiert.

Schwingend, frei klingend

Weiter ging es mit dem c-moll Pärchen: dem c-moll Prélude Op.28 von Chopin und dem c-moll Präludium aus dem ersten Band des wohltemperierten Klaviers. Chopins Prélude, oft auch von berühmten Pianisten etwas erschlagend gespielt mit seinen vielen Akkorden, kam von Uli Gutscher schon in der Originalfassung schwingend und frei klingend daher, dynamisch abgestuft und im Pianissimoteil kurz vor dem akustischen Verschwinden aufgefangen von Bass und Schlagzeug. Weich und sanft wurde es weitergeführt und ging nahtlos in seinen ebenso bekannten Vorgänger über, das c-moll Präludium von J. S. Bach.

War das nun eine weitere Improvisation über Chopin? Die harmonischen Abfolgen schienen sich sehr zu gleichen. Nicht vergebens wählte Gutscher dieses Paar; analysiert er doch genau die harmonischen Zusammenhänge und Entwicklungen und mehr: Er bleibt dem Original treu und improvisiert mit seinem virtuosen Kontrabassspieler und dem feinen Schlagzeuger über den Originalharmonien. Ein gelungener Vergleich der 100 Jahre auseinanderliegenden Kompositionen, hervorragend gespielt.

Gut besetzter Kreuzgang

Vom Original über die Improvisation zurück zum Original: So führten die Musiker weiter durch den Bach, den Johann Sebastian, an diesem kühlen und trockenen Sommerabend im überdurchschnittlich gut besetzten Kreuzgang.

Das geübte Ohr wünschte sich in diesem ersten Teil ab und zu etwas mehr Präzision und eine genauere Intonation des LBQs, konnte aber die Improvisationen über die Choräle, die kleine g-moll Fuge, das Allegro, die Air und den schmissigen türkischen Marsch von Mozart voll genießen. Herrlich, wie leichtfüßig eine Tuba daherkommen kann, erfrischend, wie die Bläser gleichberechtigt die Themen spielten.

Riesige Spielfreude überträgt sich

Die Posaune eröffnete, das Flügelhorn übernahm, die Trompete führte weiter, das Horn kam warm dazu; ja, diese kleinen Besetzungen sind perfekt für die Kreuzgangkonzerte.

Großartig im zweiten Teil, der nun dem Jazz gewidmet war, Duke Ellingtons „It don’t mean a Thing“ mit dem Uli Gutscher Trio. Uli Gutscher strahlte eine riesige Spielfreude aus, die sich auf alle übertrug. Seine kurzen Dirigate zeugten ebenso von seiner großen Gestaltungskraft wie auch sein eigenes, virtuoses Klavierspiel.

Herrlich im Gesamtklang mit allen das „Come Sunday“ aus dem „Sacred Concert“ von Ellington – und eine der schönsten Fassungen von Stings „Moon over Bourbon Street“ bei „Halbmond über Alpirsbach“. Das Publikum war begeistert.