Auf einer Schiene fährt der Sarg in den Ofen ein, wo er kremiert wird. Foto: Eyrich

Ein "kontrolliertes Krematorium" betreibt die Stadt Albstadt gleich hinter der Aussegnungshalle auf dem Ebinger Friedhof. Was dort passiert und warum Kontrolle so wichtig ist, erfahren Interessierte beim Rundgang am 22. Oktober.

Albstadt-Ebingen - Seit 1981 betreibt die Stadt Albstadt das einzige Krematorium im Zollernalbkreis, wo 1800 Menschen im Jahr 2021 kremiert wurden. Die nächsten sind in Reutlingen, Tuttlingen, Villingen-Schwenningen, Singen und – ein privat betriebenes – in Meßkirch. Andreas Bodmer, Leiter des Betriebsamts Albstadt, und Silke Meboldt haben dem Schwarzwälder Boten Einblick gewährt, legen sie doch Wert darauf, dass in Albstadt alles streng kontrolliert wird – das Zertifikat dafür wird alle drei Jahre nach unangekündigter Prüfung erneuert.

 

Ist es tatsächlich die Asche meines Angehörigen?

Gerade auf diesem Feld sei das wichtig, so Meboldt und Bodmer, denn Angehörige sollen schließlich sicher sein können, dass es tatsächlich die Asche ihres Verstorbenen ist, die in der Urne ruht – vollständig: "Gesetzlich gilt das Prinzip der Unteilbarkeit der Asche." Während manche Städte Zahngold, Hüft-Platin und andere Fremdkörper trennten und die Wertstoffe selbst verkauften, müssen in Albstadt Angehörige ihr Einverständnis erklären, was zwei Drittel von ihnen tun. Der Erlös fließt dann drei städtischen Stiftungen zu – und somit als Zuschuss an soziale Einrichtungen.

Die meisten wählen einfacher Holz – das tut auch der Umwelt gut

Wie verläuft der letzte Weg Verstorbener? Bestatter – jeder hat seinen eigenen Schlüssel – können rund um die Uhr an 365 Tagen Särge anliefern und in eine der beiden Kühlkammern bringen, die sieben respektive fünf Grad Celsius kalt sind. Die Papiere landen im Briefkasten. Die Särge seien meist aus naturbelassenem, einfachen Holz, was dem Betriebsamtsteam aus Umweltgründen am liebsten ist. Bis zu 1200 Euro koste ein solcher, und nur wenige wählten noch teurere Särge, zumal sie eh mit verbrannt werden.

Der Schamottstein macht Asche und Urne unverwechselbar

Dem Sarg wird ein Schamottstein mit eingravierter Nummer beigelegt, der nicht verbrennt und mit in der Urne landet, so dass Verwechslungen ausgeschlossen seien. Auf einer Schiene wird der Sarg in den 1200 Grad heißen Ofen gefahren und brennt dort – je nach Statur und Größe des Verstorbenen – rund 50 Minuten, wobei Angehörige durch eine Glasscheibe zuschauen dürfen. Zwei bis drei Mal im Monat komme das vor, so Meboldt.

Andere Städte speisen ins Fernwärmenetz ein – Albstadt nicht

Die Wärme, die dabei entsteht, wird in einem Pufferspeicher gespeichert und zum Beheizen des Hauses verwendet, während andere sie ins Fernwärmenetz einspeisten – für Bodmer und Meboldt selbst in Zeiten der Klimakrise fragwürdig.

Am Ende der Kremierung ist freilich nicht alles Asche: Knochensplitter und Holzstückchen landen in einem Auffangbehälter und werden zu feiner Asche zermahlen, die in eine Urnenkapsel gefüllt wird. Die ist ebenso biologisch abbaubar wie die "Überurne", die Angehörige freilich auch selbst gestalten und mitbringen dürfen – unter dieser Voraussetzung. Denn selbst die Urnen, die in Urnenwänden und -Stelen beigesetzt werden, werden nach Ablauf der Ruhezeit – in Albstadt 20 Jahre – im "Garten der Ruhe" beigesetzt, auf einer grünen Parzelle auf dem Friedhofsgelände. In Tailfingen gibt es einen weiteren Garten.

Nur der Bestatter darf die Urne abholen

Übergeben darf das Betriebsamt die Urne, versehen mit Name, Geburts-, Sterbe- und Kremierungsdatum, nur dem Bestatter, was meist via Schließfach – jeder Bestatter hat sein eigenes – geschieht. Im selben Raum ist außerdem ein Tisch und eine Küchenzeile mit Kaffeemaschine untergebracht, damit die Bestatter ihre Wartezeiten für eine Kaffeepause nutzen können.

Kurze Wege – transparente Abläufe

Wer nicht auf dem Friedhof beigesetzt werden will, müsse dafür sorgen, in einem Land kremiert zu werden, wo kein Friedhofszwang besteht – etwa in der Schweiz oder in Frankreich. "Doch die meisten schätzen die kurzen Wege und die transparenten Abläufe bei uns", sagt Bodmer. Diese seien wohl auch der Grund dafür gewesen, dass der Verein für Feuerbestattung den Bau eines Krematoriums in Albstadt zum Vereinsziel hatte, was von der Gründung 1912 bis zum Bau 1981 freilich lange dauerte. 170 000 D-Mark hatte der Verein zum 5,9 Millionen D-Mark teuren Gebäude beigetragen und zudem einen Albstädter Arzt gefunden, der die bei Feuerbestattungen notwendige zweite Untersuchung des Toten vornahm. 2009 hat sich der Verein aufgelöst.

Gewinn zu erzielen ist nicht der Antrieb

Gewinn erzielen will die Stadt Albstadt mit dem Krematorium übrigens nicht, wie der Erste Bürgermeister Udo Hollauer – als Baubürgermeister für Betriebsamt und Krematorium zuständig – betont. Im Gegenteil: 2020 hat sie 600 000 in einen neuen gasbefeuerten Etagenofen investiert, was die Einäscherungszeit gegenüber dem Elektroofen um 30 bis 60 Minuten verkürzte, Personal sparen hilft und den Verschleiß senkt. Zudem können jetzt Särge bis 350 Kilogramm kremiert werden.

Die Anlage ist auf dem neuesten Stand der Technik

Erst in diesem Frühjahr wurden der Kühlkreislauf modernisiert und der Wärmetauscher ausgetauscht, womit die Anlage auf dem neuesten Stan der Technik ist. Eine Abluftfilteranlage reinigt die abgekühlten Rauchgase, so dass auch die Umwelt keinen Schaden nimmt.  Wer an der kostenlosen Führung im Krematorium am Samstag, 22. Oktober, von 10 bis 11.30 Uhr teilnehmen will, meldet sich unter Telefon 07431/160-37 02 oder E-Mail betriebsamt@albstadt.de an. Treffpunkt um 10 Uhr ist die Aussegnungshalle auf dem Friedhof Ebingen. Die Teilnehmerzahl ist auf 30 Personen begrenzt.