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Stadt plant die Installation der vorbereitetenzweiten Kremationslinie

Das im Jahr 2018 in Betrieb genommene Krematorium am Schwenninger Waldfriedhof ist am Limit seiner Feuerbestattungskapazität. Deshalb sollen der Technische Ausschuss und der Gemeinderat in den nächsten Sitzungen über den Einbau einer zweiten Kremationslinie entscheiden.

VS-Schwenningen. Wie der Sitzungsvorlage zu entnehmen ist, haben Feuerbestattungen in den Jahren zwischen 2010 und 2020 um 60 Prozent zugenommen. Im vergangenen Jahr waren es 3579 Einäscherungen, was laut Stadtverwaltung das maximal Mögliche ist, was sowohl mit der einen Kremationslinie als auch mit dem vorhandenen Personal gestemmt werden könne. Aus diesem Grund schlägt die Verwaltung vor, bis Sommer 2022 die bereits beim Bau des Krematoriums eingeplante und in Teilen vorbereitete zweite Kremationslinie einzubauen und in Betrieb zu nehmen.

Hintergrund zu diesem Zeitplan ist neben der weiterhin steigenden Nachfrage auch eine Generalüberholung der ersten Kremationslinie, die in etwas Mitte kommenden Jahres ansteht. "Je nach tatsächlichem Schadensbild und dem daraus resultierenden erforderlichen Reparaturaufwand beinhaltet die Wartungs- und Reparaturmaßnahme, einschließlich der Trocknungszeit, einen Stillstand von bis zu vier Monaten", heißt es im Sitzungspapier.

Rund 1,34 Millionen Euro

Das würde ohne die zweite Linie bedeuten, dass das Krematorium in dieser Zeit stillgelegt wäre. Nach Inbetriebnahme der zweiten Linie hingegen gäbe es keinen Ausfall. Außerdem könnte nach der Generalsanierung dann mit beiden Kremationslinien der steigende Bedarf an Einäscherungen "ohne zusätzlichen Personalbedarf" abgedeckt werden.

Den finanziellen Aufwand beschreibt die Stadtverwaltung so: "Die Kosten für den Bau der zweiten Kremationslinie sind insgesamt mit 1 344 600 Euro im Wirtschaftsplan für die Jahre 2022 und 2023 eingestellt." Bereits im laufenden Wirtschaftsplan 2021 seien weiter 50 000 Euro hinterlegt. "Im Rahmen einer Wirtschaftlichkeitsberechnung wurde eine Amortisationsdauer von acht Jahren errechnet." Dabei sei eine Kostensteigerungsrate von ein Prozent je Jahr angesetzt worden sowie bei den Einnahmen unverändert vom derzeitigen Feuerbestattungspreis in Höhe von 399,16 Euro netto je Einäscherung ausgegangen. "Nach dieser Berechnung haben sich die Kosten für die Investition im Jahr 2030 amortisiert."

Doch was sind die Gründe für diese Entwicklung im Schwenninger Krematorium? Die Stadt nennt einige Parameter, welche die Zahlen erklären: So sei die demografische Entwicklung der Gesellschaft ebenso ein Grund wie die gesellschaftlichen Veränderungen, insbesondere ein stark geändertes Generationenverhalten und eine steigende Akzeptanz für Feuerbestattungen in der Gesellschaft. Demnach spiele aber auch der Kostenvorteil gegenüber der Erdbestattung, bedingt durch eine kürzere Ruhezeit der Urnen und weniger Pflegeaufwand der späteren Grabfläche eine Rolle. Hier berichtet die Stadt von einem "gesteigerten Kostenbewusstsein der Angehörigen durch Wegfall des Sterbegeldes".

Zahlen werden steigen

Hinzu kämen aber auch andere Faktoren, wie beispielsweise die "hohe Akzeptanz des Krematoriums Villingen-Schwenningen bei den Bestattern und den Bürgern". Das führe auch dazu, dass es zu steigenden Anfragen von Bestattern aus der Region kommen. Aufgrund der schon vorhandenen Kapazität des Krematoriums würden zudem Feuerbestattungen für andere Krematorien übernommen, "wenn dort Kapazitätsengpässe vorliegen". Schon heute steht fest: "Die tatsächlichen Einäscherungszahlen haben die für den Neubau des Krematoriums als Entscheidungsgrundlage prognostizierten Fallzahlen übertroffen."

Der Blick in die Vergangenheit zeigt, dass Feuerbestattungen zunehmen. "Zwischenzeitlich lassen sich 76 Prozent (Stand 2020) aller Verstorbenen der Doppelstadt feuerbestatten. Im Jahr 2013 waren es noch 70 Prozent. Dennoch verweist die Stadtverwaltung darauf, dass aufgrund von 2020 wohl keine lineare Steigerungsrate zu erwarten ist, denn: "Die hohe Einäscherungszahl im Jahre 2020 ergibt sich aufgrund einer überproportionalen Steigerung gegenüber dem Vorjahr mit einem Mehr von 307 Einäscherungen." Ein Zusammenhang mit Corona sei möglich, könne allerdings nicht eindeutig belegt werden, heißt es. "Erkennbar ist, dass viele Verstorbene mit dem Hinweis ›an oder mit Corona verstorben‹ feuerbestattet wurden.

Für die Jahre 2021 und 2022 werde daher gegenüber dem Jahr 2020 mit keiner weiteren Steigerung der Fallzahlen gerechnet. "Ab dem Jahr 2023 wird eine moderate Steigerung von 100 Einäscherungen pro Jahr prognostiziert."

Der Technische Ausschuss berät am kommenden Dienstag, 11. Mai, darüber, der Gemeinderat am 19. Mai.

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