Eigentlich ist eine Sitzung des Kreiswahlausschusses vor der Bundestagswahl nicht allzu spektakulär. Einige Spezialitäten gab’s am Freitagmittag in Rottweil aber doch.
Allein der Gang zur Sitzung, in der es galt, die Kreiswahlvorschläge des Wahlkreises 285 Rottweil-Tuttlingen für die Bundestagswahl abzusegnen, war für manchen Teilnehmer doch recht speziell.
Die einen fanden den Weg zum Ausweichquartier im Gebäude Marienstraße 2 nicht rechtzeitig, die anderen kannten den Weg sehr wohl und schritten dabei einigermaßen staunend – der ein oder andere mit etwas Wehmut – am alten Sitzungssaal vorbei. Der wurde nämlich just an diesem Tag abgerissen.
Platz wird angebaggert
„Mancher könnte jetzt sagen, da ist gerade mein Platz abgebaggert worden“, schmunzelte der Erste Landesbeamte und Kreiswahlleiter Hermann Kopp, währen die Versammlung auf die Nachzügler wartete. Der Abriss des alten Landratsamts, so war bei der Gelegenheit zu erfahren, liege top im Plan – man sei dem Zeitplan sogar etwas voraus, wie Kopp verriet.
Mit leichter Zeitverzögerung schritten die Beisitzer – Daniel Karrais, Rainer Hezel, Carmen Sänze-Pärsch, Dudu Ulucanli, Bengt Krezer und Wolfgang Wesner – dann zur Tat: Hermann Kopp verlas, flankiert von Harald Klatt vom Kommunalamt, die Wahlvorschläge zur Bundestagswahl am 23. Februar. Diese gingen in folgender Reihenfolge ein: Grüne, SPD, FDP, Volt, CDU, Freie Wähler sowie am letzten Tag der Frist, am 20. Januar, AfD und Linke.
Die Vorprüfung habe ergeben, dass alle Unterlagen rechtzeitig und ohne größere Mängel eingegangen seien. Kleinere Mängel, etwa bei der Formulierung der Berufsbezeichnung, seien schnell zu beheben gewesen.
Die Kandidaten
Die Wahlvorschläge sind: Andreas Ragoschke-Summ, Bündnis 90/Die Grünen, Arzt, geboren 1971 in Karlsruhe, wohnhaft in Tuttlingen
Mirko Witkowski, SPD, Redakteur, geboren 1968 in Offenburg, wohnhaft in Schramberg.
Andreas Anton, FDP, wissenschaftlicher Mitarbeiter, geboren 1983 in Villingen-Schwenningen, wohnhaft in Trossingen.
Marius Dettki, Volt, Student der Elektro- und Informationstechnik, geboren 2001 in Schramberg, wohnhaft in Epfendorf.
Maria-Lena Weiss, CDU, MdB, geboren 1981 in Tuttlingen, wohnhaft in Mühlheim an der Donau. Hermann Regele, Freie Wähler, Agrarbetriebswirt, geboren 1968 in Wassertrüdingen, wohnhaft in Abtsgmünd.
Joachim Bloch, AfD, Rechtsanwalt, geboren 1963 in Möhringen, wohnhaft in Tuttlingen.
Anastacia Lausen, Linke, Werkstudentin der Wirtschaftswissenschaften, geboren 2002 in Soltau, wohnhaft in Oberndorf.
Diese Kandidaten stehen nun also auf dem Wahlzettel – unter der Bedingung, dass auch die Landesliste zugelassen wird, wie Hermann Kopp infomierte. Die Abkürzungen auf dem Wahlzettel sind übrigens strikt vorgegeben, wie Margit Oberreiter vom Kommunalamt auf Nachfrage von Ausschussmitglied Daniel Karrais informierte. Bei Kandidat Andreas Anton werde „wiss. Mitarbeiter“ statt wissenschaftlicher Mitarbeiter stehen. Da gebe es keinen Handlungsspielraum.
Zum Abschluss gab es dann noch eine Überraschung: Die Beisitzer erhielten den Obulus für ihre Tätigkeit an diesem Tag gleich bar auf die Hand: 25 Euro. Dass Bargeld in einer Sitzung fließt, gibt es auch nicht alle Tage – hat aber in diesem Fall wie alles andere seine Ordnung, wie versichert wurde.