Das Kreistierheim Freudenstadt kämpft gegen eine Welle ausgesetzter Tiere, hohe Kosten und politische Versprechen, die nicht eingehalten werden. So ist die Lage vor Ort.
Verdreckt, extrem hungrig, durstig und total durch den Wind – so wurden am Samstag, 15. November, gegen 13 Uhr drei Katzenbabys in Freudenstadt aufgefunden. Zwischen dem Landratsamt und der Halfpipe wurden die Kitten in einem Karton ausgesetzt – von der Mutterkatze keine Spur.
Sie hätten Glück gehabt, dass sie zu dritt waren, so konnten sie ich gegenseitig wärmen, erklärt Melissa Maier, die Leiterin des Kreistierheims Freudenstadt. Dort schlagen sich die etwa fünf Wochen alten Kätzchen derzeit auf der Isolationsstation die Bäuche voll. Diese Woche stehe noch der Check-up beim Tierarzt an, danach dürften sie dann ins Katzenhaus zu den anderen und ab zwölf Wochen in die Vermittlung.
Bis es jedoch soweit ist, leisten ihnen zwei Leidensgenossen Gesellschaft in der Isolation. Diese Kitten kamen Mitte September zu viert – mit einem Gesicht voller Eiter, Katzenschnupfen und Herpes – ins Tierheim. Zwei von ihnen überlebten die Nacht nicht, eine ist heute auf einem Auge blind.
Ausgesetzte Kitten und „Schrottplatzkätzchen“
Es ist nicht der erste Fall ausgesetzter Kitten in diesem Jahr. Mitte August wurden drei Katzenbabys, bereits etwas unterkühlt bei gerade einmal zehn Grad, in einem Karton vor dem Tierheim ausgesetzt.
Mittlerweile sind sie wieder wohl auf und tollen im Katzenhaus des Tierheims mit den „Schrottplatzkätzchen“ herum. Diese wurden, wie der Name schon sagt, auf dem Schrottplatz aufgegriffen, wären sogar beinah in die Presse geraten.
Petition für Katzenschutzverordnung
Es sind nur ein paar der herzzerreißenden Geschichten, die sich hinter den Tierheimpforten verbergen. Insgesamt 30 wildlebende Katzen, 25 Katzen, 13 Kitten und sieben Hunde beheimatet das Tierheim. Sonst würden im Frühling und Herbst vermehrt Katzen ausgesetzt. In diesem Jahr geschehe das jedoch ohne Pause, erklärt die zweite Leiterin des Tierheims, Tamara Beck.
Um das eindämmen zu können, hat das Tierheim nun eine Petition für eine Katzenschutzverordnung gestartet. Diese soll eine verpflichtende Kastration, Kennzeichnung und Registrierung freilaufender Hauskatzen beinhalten, um die unkontrollierte Vermehrung zu verhindern. Daher auch Becks Aufruf an alle Haustierhalter: „Kastriert, chippt und registriert eure Katzen.“ Maier ergänzt: „Und Hunde.“
Viel Arbeit bei wenig Zeit, Geld und Mitarbeitern
Insgesamt sechs Mitarbeiter, 15 Ehrenamtliche und diverse Praktikanten halten den Laden derzeit am Laufen – ein Fulltime-Job. „Du bist immer hier, auch im Kopf bist du immer hier“, erklärt Beck. Für die Tiere gebe es schließlich kein Weihnachten, Wochenende oder Feierabend.
Wenig hilfreich ist da das oft fehlende Verständnis und die fehlende Unterstützung, gerade in finanzieller Hinsicht. „Wir bekommen nichts umsonst“, erklärt Maier in Bezug auf die Tierarztkosten. „Auch wenn das einige oft glauben mögen.“ Zwar bekomme das Tierheim einen Zuschuss, dieser sei jedoch auch schnell wieder weg.
Keine Fördermittel vom Bund
Gerade die Tierarztkosten für Kastration, Impfung, Entwurmung und Chip seien immens. Dabei sind das nur die Standardbehandlungen, die gemacht werden müssen. Hinzu kommen die Futterkosten, die Instandhaltung des Gebäudes und die Mitarbeiterlöhne.
„Wir machen zwar immer wieder Spendenaufrufe, aber da kommt man sich auch vor wie ein Bittsteller“, erklärt Beck. Wenig hilfreich ist dabei die Tatsache, dass im Bundeshaushalt 2026 keine zusätzlichen Fördermittel für Tierheime vorgesehen wurden, obwohl diese im Koalitionsvertrag zugesagt wurden. „Einfach traurig“, meint Beck.