„Aus der Luxuszeit sind wir alle definitiv raus“: Landrat Junt malt auch für 2026 ein düsteres Bild von den Kreisfinanzen. Das Krankenhaus ist nicht der einzige „Klotz am Bein“.
Der Entwurf für den Haushalt 2026 liegt noch nicht einmal vor – aber die in der Kreistagssitzung am Montag vorgestellten Eckdaten reichten schon aus, um bei den Kreisräten Sorgenfalten hervorzurufen.
Kostenschock bei Sozialem Das Krankenhaus wird auch in 2026 etliche Millionen fressen – und dabei für den Kreis nicht der einzige „Klotz am Bein“ sein, wie es Landrat Andreas Junt formulierte. Denn auch eine andere Entwicklung verschärft die Finanznot: die Steigerung der Sozialaufwendungen. Diese erhöhen sich von rund 83 Millionen (Plan 2025) auf 95 Millionen Euro im Planentwurf 2026. Hier wurden in den vergangenen Jahren auf Bundes- und Landesebene Standards und Leistungen ausgeweitet – was dem Kreis nun teuer zu stehen kommt.
Wo kann gespart werden? Bedeutet für die Verwaltung: Jeder Stein muss umgedreht werden, um irgendwo Einsparmöglichkeiten zu finden. Junt dämpfte allerdings die Erwartungen: Wenn die Ausgaben um zwölf Millionen Euro ansteigen, könnten diese nur sehr schwer durch interne Prozesse eingespart werden. „Vielmehr kämpfen wir, dass die Steigerungen, die es gibt, nicht aus dem Ruder laufen.“
Junt appellierte dabei auch an den Bund, den Blick auf die Kommunen zu richten. „Ich verstehe, dass der Bund versucht, mit der Krankenhausreform Lösungen zu finden. Aber damit kann er beim besten Willen nicht unser Krankenhaus meinen, das weit und breit das einzige Krankenhaus hier ist.“ Auch die Infrastruktur verursache immense Kosten im ländlichen Raum. „Wir haben hier ein Gesamtpaket, das wir schultern müssen“, betonte Junt.
Nichtsdestotrotz plant der Kreis mit einem globalen Minderaufwand von 1,5 Millionen Euro – diese Summe soll bei den Haushaltsberatungen eingespart werden.
Wird der Plan genehmigungsfähig? Aber reicht das? „Wir können heute noch nicht sagen, ob wir den Haushalt so genehmigungsfähig haben“, erklärte Junt. Voraussetzung dafür ist auch, dass das Regierungspräsidium (RP) eine Kreditaufnahme in Höhe von 7,4 Millionen Euro für Investitionen genehmigt. Die Kreditermächtigung in Höhe von 10,6 Millionen Euro für 2025 hat das RP indes noch nicht genehmigt, wie Kreiskämmerer Ulrich Bischoff erläuterte.
Mehr Geld aus der Kreisumlage Die Kreisumlage soll bei 41,7 Prozent bleiben – laut Landrat Junt soll eine Steigerung um jeden Preis verhindert werden. „Wir wissen, dass eine höhere Kreisumlage von den Gemeinden nicht zu schultern ist.“ Bei gleichem Hebesatz nimmt der Kreis aber voraussichtlich zehn Millionen Euro mehr als 2025 ein.
Beim Krankenhaus gilt das Prinzip Hoffnung Der Verlustausgleich für die Krankenhäuser Landkreis Freudenstadt gGmbH (KLF) verringert sich 2026 voraussichtlich auf 16 Millionen Euro. „Der Trend zeigt zumindest in die richtige Richtung“, sagte Kämmerer Bischoff. Mit einberechnet ist aber auch ein Inflationsausgleich des Bundes in Höhe von zwei Millionen Euro – den es nur einmal geben wird. Für 2027 gelte dann wieder das Prinzip Hoffnung, so Bischoff.
Unterm Strich heißt das: „Stand jetzt gehen wir von einem ordentlichen Ergebnis von minus drei Millionen Euro aus“, gab Junt bekannt.
Ruf: Jetzt wird auch noch nachgetreten Der Ausblick löste bei den Kreisräten keine Begeisterung aus: „Diese Zahlen lassen einen mit Sorge in die Zukunft blicken“, meinte Michael Ruf (CDU). Die „exorbitante Erhöhung“ bei den Sozialausgaben fresse die Mehreinnahmen aus der Kreisumlage auf. „Nach diesem Jahresabschluss sind wir eigentlich schon am Boden. Und jetzt wird noch mal nachgetreten.“
Die Rücklagen seien nach 2024 aufgebraucht, der Erfolgsplan für 2026 müsse also mindestens annähernd ausgeglichen sein, um einen genehmigungsfähigen Haushalt zustandezubringen. Der bereits überschuldete Kreis solle Neuverschuldungen vermeiden, wolle nun aber 7,4 Millionen Euro an neuen Krediten aufnehmen. Das passe nicht zusammen.
Hellstern: Zahlenwerk mit viel Hoffnung gestaltet Uwe Hellstern (AfD) meinte: „Das Frustrierende ist, dass dieses Zahlenwerk, so wie es hier vorgelegt ist, mit viel Hoffnung gestaltet wurde, und wir wissen, dass hier Sondereffekte drin sind, die sich nicht wiederholen werden.“ Dass bei der Infrastruktur gespart werden solle, befriede ihn auch nicht. Wenn Dinge aufgeschoben würden, seien das auch Schulden. „Ich kann Ihnen auch nicht sagen, wo wir sparen müssen, aber wir müssen deutlich in die Struktur reingehen.“
Brett: fünf Prozent globaler Mindestaufwand Eberhard Brett (AfD) schlug einen globalen Mindestaufwand in Höhe von fünf Prozent vor. Wo gespart wird, sollen dann die Abteilungsleiter entscheiden. Landrat Junt machte aber bereits deutlich, dass fünf Prozent aus seiner Sicht nicht realistisch seien.
Zimmermann: neue Form der Finanzierung nötig Ralph Zimmermann (FDP) forderte für die Landkreise „ein ganz anderes Fundament für die Finanzierung“. Er sprach sich für eine direkte Finanzierung mit einem eigenen Steueraufkommen aus. Damit solle künftig deutlicher werden, wo tatsächlich Missmanagement stattfinde – und verhindert werden, dass der Kreis bei den Sozialausgaben „durchgereicht“ werde.