Der geplante Verlauf der K 5344 stellt eine zu große Umweltbelastung da, finden Naturschutzverbände. Foto: BUND Ortenau

An der Planung zur neuen Kreisstraße zwischen Lahr und Ringsheim äußern die Umweltschützer Kritik. Der Verlauf stelle einen zu großen Eingriff in die Natur dar.

Die Planungen für die neue Kreisstraße Lahr-Ringsheim, genannt K 5344, schreiten voran. Aktuell läuft das sogenannte Scoping-Verfahren. Bei dieser Untersuchung wird festgestellt, wie der Rahmen für die folgende Umweltverträglichkeitsprüfung auszusehen hat. Im Rahmen dieses Verfahrens haben sich am Mittwoch die Umweltverbände Nabu und BUND zu Wort gemeldet – und zwar mit Kritik.

 

Trotz des absehbar hohen Konfliktpotenzials für dieses Vorhaben habe sich der Kreistag sich auf eine Variante festgelegt, bevor die Untersuchungen zum Artenschutz sowie zu Natura 2000 vollständig vorlagen. Somit konnten weder die Auswirkungen auf Flora und Fauna noch die erforderlichen Brückenbauwerke und die dadurch entstehenden Kosten in die Entscheidung mit einfließen, bemängeln die Verbände. Möglicherweise sei deshalb im Kreistagsbeschluss ergänzt worden: „Hilfsweise wird die Variante 5 als Rückfallposition mitgeführt, falls die Variante 2 nicht realisierbar sein sollte“, mutmaßen BUND und Nabu.

Rückblick: Der Kreistag hatte sich im Mai 2021 für die Variante 2 entschieden. Diese sieht eine Trassenführung entlang der Bahnlinie an Kippenheimweiler und Langenwinkel vorbei bis zum Anschluss an die B 415 in Lahr vor und soll auch die Verkehrssituation in den beiden Lahrer Ortsteilen entlasten. Variante 5 hingegen knickt vor Kippenheimweiler in Richtung Gewerbegebiet ab und mündet im bestehenden Kreisverkehr im Norden Kippenheims auf die B 3.

„Gravierende negative Auswirkungen“

Die geplante Trassenführung steht nun im Zentrum der Kritik: „Dass das Vorhaben zu gravierenden negativen Auswirkungen für Natur, Wasserhaushalt und Landwirtschaft führen wird, wird durch die vorliegenden Untersuchungen bestätigt. Betroffen sind unter anderem ein Wildtierkorridor von internationaler Bedeutung, wichtige Bereiche für die Grundwasserneubildung, Überschwemmungsgebiete, landwirtschaftliche Vorrangfluren, ein regionaler Grünzug, ein Vorranggebiet für Naturschutz- und Landschaftspflege, FFH-Gebiete, geschützte Biotope und Streuobstwiesen“, so die Naturschutzverbände. Sie weisen in der Mitteilung darauf hin, „dass das Projekt deshalb voraussichtlich einer Ausnahmegenehmigung bedarf“. Diese könne nur erteilt werden, wenn keine zumutbare Alternativen vorhanden sind.

Variante 5 als „zumutbare Alternative“

Für das Vorhaben liegen jedoch zumutbare Alternativen vor, eine davon sei die Variante 5, mit der das zentrale Planungsziel, die Entlastung der massiv verkehrsbelasteten Bevölkerung von Kippenheim, in ähnlichem Maße erreicht werden könne. Weitere Gründe, die für diese Variante sprechen würden: wesentlich geringe Kosten (aktuell sind 79 Millionen Euro veranschlagt), ein geringerer Landschaftsverbrauch, weniger Umweltschäden und weniger Konflikte hinsichtlich des speziellen Artenschutzes und geschützter Biotope. Ebenfalls nur unzureichend würden in den Scoping-Unterlagen die großräumigen Klimawirkungen des Straßenbauvorhabens und die umfassende Bilanzierung der Treibhausgasemissionen aus Bau und Betrieb der Straße untersucht, kritisieren die Umweltschutzverbände in der Mitteilung.

Zudem werde das Vorhaben zwar als besonders flächenschonend dargestellt, weil bestehende Wirtschaftswege zur Kreisstraße ausgebaut und die bestehende B 3 zurückgebaut werden soll. „Allerdings ist zu erwarten, dass ein neuer Wirtschaftsweg erforderlich wird, was den Flächenverbrauch und den negativen Eingriff in die Natur vergrößert.“

Nach Meinung von BUND und Nabu ist eine erneute Prüfung der verschiedenen Varianten aus den oben genannten Gründen unumgänglich. „Alle planungsrelevanten Umweltschäden und die entstehenden Kosten sollten neben der prognostizierten Entlastungswirkung vom Durchgangsverkehr eine maßgebliche Rolle bei der Entscheidung für eine Variante spielen“.

Landratsamt bleibt gelassen

Das Landratsamt ließ die Kritik am Mittwoch kalt. „Die Pressemeldung nehmen wir zur Kenntnis. Das Planfeststellungsverfahren läuft aktuell noch. Wir werden die Kreispolitik im Herbst zum aktuellen Stand informieren“, heißt es aus Offenburg. Es bleibe weiterhin das Ziel, die Trasse 2028 fertigzustellen. Zumindest „wenn keine Verzögerungen im Verfahren auftreten.“