Bald heißt es Abschied nehmen. Elf der 31 Filialen der Kreissparkasse werden demnächst geschlossen. Matthäus Reiser, Vorsitzender des Vorstandes, nennt für die Veränderung des Filialnetzes mehrere Gründe.
Matthäus Reiser, Vorsitzender des Vorstandes der Kreissparkasse Rottweil, ist im großen Sitzungssaal des Landratsamtes.„Wir sind wir mit der Geschäftsentwicklung zufrieden“, sagt er mit Verweis auf den vorgestellten Geschäftsbericht 2022 des Geldinstituts.
Ein Plus von 1,4 Millionen Euro
Zwar sei der Fachkräftemangel auch bei der Sparkasse bemerkbar, doch habe man offene Stellen dank Quereinsteiger schnell neu besetzen können. Ein besonderes Augenmerk legt Reiser auf das Kundengeschäft, bei dem man in allen Bereichen ein Wachstum zu verzeichnen habe. „Das Kundenkreditvolumen lag bei einem sehr guten Wert.“
Diesem überdurchschnittlichen Wachstum sei das gestiegene Geschäftsvolumen zu verdanken. Der Gewinn der Kreissparkasse liege bei 1,4 Millionen Euro.
Doch neben der schwarzen Zahlen und gut laufenden Geschäfte hat Reiser, der nach 47 Berufsjahren in den Ruhestand gehen wird, auch schlechte Nachrichten zu verkünden.
Kaum Kunden vor Ort
Die Hiobsbotschaft: „Von 31 Filialen werden elf geschlossen“, sagt Reiser zu den versammelten Kreisräten. Somit werden nur noch 20 da sein. An den restlichen Standorten zieht sich die Sparkasse aus dem Geschäft vor Ort zurück.
Der Grund: „In Kleinstfilialen haben wir pro Stunde 1,3 Kunden“, erklärt Reiser. Bei den Präsenzterminen sei ein massiver Einbruch erkennbar. „Wir sprechen hier von einem Rückgang von bis zu 30 Prozent“.
Einerseits führt dies dazu, dass man für die Besucher – falls denn jemand komme – viel Zeit hat. „Für einfache Serviceleistungen haben wir jetzt 45 Minuten Zeit“, sagt er. Doch andererseits gäbe es kaum junge Mitarbeiter, die solche Stellen besetzen wollten. Deshalb würde das vorhandene Personal auf die nächsthöhere Filialebene verteilt, um dort den Kunden zur Verfügung zu stehen.
Volksbank hilft aus
Ist das Geschäft mit den Geldausgabeautomaten schon seither eine defizitäre Sache gewesen, habe sich die Lage mit den zahlreichen Automatensprengungen noch verschärft. Denn die teuren Sicherheitsvorkehrungen, um die eigenen Geräte vor solchen kriminellen Aktionen zu schützen, vergrößern das Minus um ein Vielfaches.
Eine gangbare Lösung für Bürger, die von Filial- und Automatenschließungen betroffen sind, sieht Reiser bei der Volksbank. „Unsere Kunden können deren Automaten kostenlos nutzen“, erläutert er. Auch das Geldabheben in Supermärkten sei eine weitere Option.
Welche Orte von Sparkassenschließungen betroffen sind, werde den jeweiligen Kunden schriftlich mitgeteilt. „Die Briefe werden gerade verschickt“, so der Vorsitzende. Informationen zur Veränderung des Filialnetzes werde unsere Redaktion am Donnerstag erhalten, schreibt die Kreissparkasse auf Nachfrage.
Digitale Beratung ausbauen
Investitionen gibt es hingegen im Digitalen. So sei eine Million Euro an zwölf Geschäftsstellen verteilt worden, um die Video-Gespräche mit dem persönlichen Berater stärker auszubauen. „Das Online-Angebot wird gut angenommen“, lautet das erste Fazit.
Darüber sei es aber auch möglich, sollte die digitale Infrastruktur nicht vorhanden sein, auch Beratungen in den eigenen vier Wänden in Anspruch zu nehmen. „Unsere Kunden werden auf Wunsch hin auch zu Hause beraten“, erläutert Reiser.
Im landesweiten Vergleich verfüge man trotzt der anstehenden Schließungen über eine überdurchschnittlich hohe Filialdichte.