Gerald Hellstern, Chefarzt der Kinderklinik. Foto: KLF

Ein Kompetenzzentrum für zarte Fälle: Das Klinikum Freudenstadt baut sein Angebot für frühgeborene Babys aus.

Kreis Freudenstadt - Für das Kreiskrankenhaus als regionaler Generalversorger bildet die Perinatologie – die Versorgung von Schwangeren und Babys kurz vor und nach der Geburt – einen Schwerpunkt im medizinischen Leistungsangebot. Jedes zehnte Kind in Deutschland komme statistisch zu früh auf die Welt, teilen die Krankenhäuser Landkreis Freudenstadt (KLF) mit.

 

Rolle des Körperkontakts

Neben der medizinischen Ausstattung gibt es bei der Versorgung von Frühchen eine weitere wichtige Komponente: die Nähe zu den Eltern. "Seit Neuem erhalten alle Mitarbeiter der Kinder-Intensivstation eine Basisschulung, die unter anderem die Themen und Bonding und Stillen in den Fokus nimmt", so Kinderkrankenpfleger Martin Stanger. Vor allem die sogenannte "Kangaroo-Care" habe sehr viele positive Effekte und werde nun umgesetzt, sobald es der Gesundheitszustand des Kinds erlaube. Als Bonding wird in der Fachsprache der Prozess der emotionalen Verbindung zwischen Eltern und Baby bezeichnet, der unmittelbar nach der Geburt einsetzt. In diesem spielt Körperkontakt eine wichtige Rolle. Hinter der "Kangaroo-Care" verberge sich etwas, das für Frühchen und ihre Eltern jedoch mitnichten selbstverständlich sei: Das gemeinsame Kuscheln oder auch nur das Halten des Babys. "Mit der ›Kangaroo-Care‹ können wir das ›Bonding‹ von Eltern und Babys unterstützen, indem die Babys trotz medizinischer Technik über Stunden auf dem Bauch der Eltern liegen", erklärt Martin Stanger.

Entspannung für Eltern

Nicht nur aus emotionaler Sicht sei dieses Angebot essenziell, so Gerald Hellstern, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Klinikum Freudenstadt: "Eltern verlieren dabei einen Großteil der Anspannungen und Ängste in Bezug auf ihr frühgeborenes Kind."

Im Klinikum Freudenstadt können Frauen ab der vollendeten 32. Schwangerschaftswoche und Frühchen ab einem Geburtsgewicht von 1500 Gramm versorgt werden. "Damit können wir 90 Prozent aller Frühgeborenen versorgen", erklärt Hellstern. Im Mutter-Kind-Zentrum am Klinikum arbeiten Geburtshilfe, Kinderärzte und spezialisierte Neonatologen Hand in Hand. Moderne Inkubatoren ermöglichen die Versorgung der Kinder – vom Wickeln und Flasche geben bis zum Wiegen – im Bettchen, ohne Stress zu verursachen.

Versorgung direkt vor Ort

Frühgeborene unter 1500 Gramm, die zunächst in Spezialkliniken versorgt wurden, können später in Freudenstadt weiterversorgt werden. "Für Eltern ist es eine große Erleichterung, wenn sie die intensivmedizinische Versorgung ihres Babys in der Nähe erhalten und keine weiten Distanzen zu ihrem Kind haben", sagt Hellstern. Pro Jahr werden am Klinikum Freudenstadt etwa 100 Frühchen versorgt. Das entspreche etwa der Gesamtzahl der im Landkreis geborenen Frühchen.