Die Jugendamtsleiterin Isabell Barth im Jugendhilfeausschuss des Kreistags: „Wir arbeiten mit dem Personal am Limit.“ Foto: Gert Ungureanu

Sozialdezernent Georg Link und Amtsleiterin Isabell Barth haben im Jugendhilfeausschuss geschildert, wo und warum es klemmt.

102,75 Stellen und 120 Mitarbeiter hat das Jugendamt des Zollernalbkreises derzeit. Laut einer Untersuchung werden zusätzliche Stellen benötigt, die meisten davon im Allgemeinen sozialen Dienst.

 

Laut Sozialdezernent Georg Link sind hier 81 neue Mitarbeiter beschäftigt, davon 37 im allgemeinen sozialen Dienst. „Viele von ihnen sind Berufsanfänger, es gibt immer wieder neue gesetzliche Aufgaben, die Fallzahlen steigen, die Fälle, die bearbeitet werden, sind komplexer, die Anpassung an die neue Rechtssprechung bringt Mehrarbeit mit sich“, sagte Link.

„Verlangen den Mitarbeitern sehr viel ab“

„Wir verlangen den Mitarbeitern sehr viel ab“, bestätigte Jugendamtsleiterin Isabell Barth. „Und nur mit Personal kann man arbeiten.“ Wichtig sei es nun, vom Kreistag mehr Personal genehmigt zu bekommen, um die „niederschwelligen Maßnahmen“ selbst leisten zu können und nicht an freie Träger abgeben zu müssen.

Oft dauere es zwei bis drei Monate, bis der freie Träger in einem bestimmten Fall das gleiche Vertrauensverhältnis aufgebaut habe wie die Mitarbeiter des Jugendamts. Fazit: Im Fall einer Inobhutnahme könnte das Kind schneller in die Familie zurückgeführt werden, wenn das Jugendamt entsprechende Kapazitäten hätte. Das Amt könne angesichts der personellen Situation nicht mehr als ein bis zwei Stunden pro Woche leisten – zu wenig, wenn ein sieben Monate altes Kind, dessen Mutter alkoholkrank sei, in Obhut genommen werde.

„Man kann nicht alles reparieren“

Landrat Günther-Martin Pauli verwies auf den vom Kreistag beschlossenen Stellendeckel: „Wenn wir noch eine Schippe drauf machen könnten, dann könnte man andere Kosten sparen, zum Beispiel für teure Unterbringungen.“ Es gehe hier darum, verantwortungsbewusste Entscheidungen zu treffen – „für morgen“. Allerdings wolle man „kein Fass öffnen und jeden Wunsch erfüllen“. Denn es sei klar, dass man nicht alles reparieren könne, „was in der Gesellschaft und in den Familien schiefläuft“.

Ausschussmitglied Heiko Lebherz (CDU) sagte, die Rahmenbedingungen hätten sich seit dem vergangenen Gutachten geändert und schlug vor, die Situation „von außen“ begutachten zu lassen, „um zu wissen, wie viele Mitarbeiter man tatsächlich braucht“.

Dezernent Karl Wolf erklärte, dass man selbst gucken wolle, „was sich strukturell verändert hat“. Den Gutachter wolle man sich sparen, da sei „schnell ein sechsstelliger Betrag weg“. Neuerdings würden nicht mehr Fälle gezählt, sondern Prozesse – und anhand der Prozesse könne man den Personalbedarf berechnen: „Wir wissen selbst, was wir benötigen.“

Der Jugendhilfeausschuss beschloss einstimmig, dem Kreistag zu empfehlen, das Jugendamt mit mehr Personal auszustatten.