Der leitende Impfarzt Martin Sander hat am Freitag die ersten Menschen im Kreisimpfzentrum gegen das Coronavirus geimpft. Hier zeigt er, wie eine Impfung abläuft. (Szene gestellt) Foto: Müller

Zentrum in Meßstetten hat am Freitag den Betrieb aufgenommen. 42 Dosen verabreicht.

Am Freitag um kurz nach 10 Uhr ist im Kreisimpfzentrum auf dem Gelände der ehemaligen Zollernalb-Kaserne in Meßstetten die erste Spritze gesetzt worden: Darin enthalten ist der langersehnte Impfstoff der Firma Biontech gegen das Coronavirus.

Meßstetten - 42 Personen, allesamt über 80 Jahre alt und somit priorisiert bei der Impfung gegen Covid-19, haben am Freitag die erste von zwei Impfungen im neu errichteten Kreisimpfzentrum (KIZ) in Meßstetten erhalten.Die ersten Besucher mit Termin waren überpünktlich.

Nur wenige Termine

"Man merkt, dass die Leute froh sind, dass endlich geimpft wird", sagt Kreisbrandmeister Stefan Hermann, der die Einrichtung leitet. Das machte sich auch dadurch bemerkbar, dass die verfügbaren Termine innerhalb weniger Minuten vergeben waren. Termine gab es ohnehin nur wenige – für die ersten drei Wochen stehen dem Zollernalbkreis nur 1170 Dosen des Impfstoffs zur Verfügung, wovon die Hälfte mittels mobiler Impfteams in den Pflegeeinrichtungen im Kreis verabreicht wird.

Am ersten Betriebstag des Impfzentrums wirkt Hermann recht entspannt. Am Vormittag gibt es weder Probleme noch Zwischenfälle, der Impfbetrieb läuft wie am Schnürchen. Lediglich vor dem Kasernengelände bietet ein Herr den vorbeifahrenden Autos einen Flyer mit seiner Meinung über den Impfstoff an.

"Dass es so wenig Impfstoff gibt, hat für uns den Vorteil, dass wir uns ohne Hektik einarbeiten können", meint Hermann. Zwar ist es auch der recht dürftigen ersten Liefermenge geschuldet, dass der erste Arbeitstag im Kreisimpfzentrum so ruhig abläuft. Doch einen großen Teil dazu mag auch der peniblen, zweimonatigen Planung geschuldet sein. Man sei für alle Eventualitäten gerüstet und bereit, bis zu 800 Personen am Tag zu impfen, so Hermann. Einen Testlauf für das Personal hat es bereits im Vorfeld gegeben, und da am ersten Tag weit weniger Menschen geimpft werden, als das es die Kapazitäten hergeben, werden auch gleich alle Schichtleitungen mit den Abläufen vertraut gemacht.

Die Bürokratie wie Terminabgleich und die Sache mit der Versicherung wird am Empfang geklärt. Dann werden die Besucher mit einem Film, der auch auf englischer und türkischer Sprache gezeigt wird, über die Wirkung und Risiken der Impfung aufgeklärt. Alle offenen Fragen können im Anschluss in einem persönlichen Arztgespräch geklärt werden.

Medizinisches Personal der Bundeswehr im Einsatz

Martin Sander ist während der Anfangszeit leitender Impfarzt im Kreisimpfzentrum. Er hilft in ganz Baden-Württemberg mit seiner Erfahrung beim Start der Impfzentren. Zuletzt war er im Zentralen Impfzentrum in Rot am See im Hohenlohischen im Einsatz, wo bisher mehr als 5000 Menschen geimpft worden sind – und das ohne Komplikationen, betont Sander, der eigentlich wissenschaftlicher Direktor in Mannheim ist.

Sander ist in Coronaschutzkleidung gehüllt, aber versteht es dennoch, die betagten Impfwilligen mit einem flotten Spruch aus der Reserve zu locken. In der Anfangszeit sind nur drei der sechs Impfkabinen besetzt. Bevor er die Impfung verabreicht, klärt der Arzt, ob Vorerkrankungen oder Allergien vorliegen und welche Medikamente die Patienten nehmen. Vor der Kabine bereitet medizinisches Personal der Bundeswehr währenddessen die Spritzen mit dem Impfstoff vor. Die Impfung selbst ist nach einem kurzen Piks schnell erledigt. In Meßstetten geht man auf Nummer sicher: Nach der Impfung wird eine 30-minütige Wartezeit im Ruheraum empfohlen. Wer sich fit fühlt, darf sich schon früher auf den Heimweg machen.

Die meisten der über 80-Jährigen sind in Begleitung zum Impftermin erschienen. Ein 81-jähriger Mann aus Lautlingen wirkt nach der Impfung im Ruheraum recht glücklich. "Mir geht es gut", sagt er. Für ihn war es klar, dass er sich sobald wie möglich gegen Covid-19 impfen lassen würde. Dass er als einer der ersten einen Termin ergattert hat, sieht er als großen Glücksfall an. Seine Enkelin habe sich sofort nach Freischaltung der Onlineanmeldung um einen Impftermin für ihn gekümmert. "Ich gehöre zu der gefährdeten Gruppe und möchte mich vor der Krankheit schützen", sagt er. Seine 76-jährige Frau muss sich noch gedulden – sie ist derzeit aufgrund ihres Alters nicht impfberechtigt.

Wie alle anderen, die am Freitag und in den Folgetagen geimpft werden, muss der Lautlinger in drei Wochen wiederkommen. Der Impfstoff entfaltet erst nach der zweiten Dosis seinen vollen Schutz vor der lebensbedrohlichen Krankheit. Auch wenn der Impfstoff knapp ist – die zweite Dosis ist den Menschen mit Termin sicher; sie wird dementsprechend bereitgehalten. Der passende Ultrakühlschrank, der den Impfstoff auf bis zu minus 70 Grad herunterkühlt, wird am Samstag geliefert.

Am Freitag verlässt gegen 15.30 der letzte Besucher das Impfzentrum auf dem ehemaligen Kasernengelände. Danach spricht das Personal den ersten Betriebstag durch, um mögliche Kinderkrankheiten auszubessern. Doch Ausruhen ist nicht drin: Am Samstag und Sonntag geht der Impfbetrieb weiter; die Wochenendtermine sollen vor allem die Begleitpersonen entlasten. Der Ruhetag der Einrichtung ist daher mittwochs. In der ersten Woche werden im KIZ 585 Impfdosen verabreicht.

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