Der Schulsanitätsdienst „Sevo“ am Neuenburger Kreisgymnasium wird 20 Jahre alt. Die Arbeitsgemeinschaft ist eine Kooperation der Schule mit der DLRG.
Mehr als 300 Ersthelfer und Schulsanitäter wurden in den vergangenen 20 Jahren am Neuenburger Kreisgymnasium ausgebildet. Etwa zwei Mal pro Woche leisten die Schulsanitäter Erste Hilfe, meist sind es nur kleinere Verletzungen.
Die Idee zum Aufbau hatte die aus Neuenburg stammende Biologie- und Chemielehrerin Andrea Wolf, die im Schuljahr 2004/2005 ans Kreisgymnasium kam. Kennengelernt hatte sie das Thema Schulsanitätsdienst damals an einem Stand der Malteser bei den Science Days im Europa-Park.
Die DLRG wurde mit ins Boot geholt
Auf Anregung der damaligen Rektorin Ingrid Schneider-Winter, die das Projekt von Anfang an unterstützte, hatte sie Kontakt zur Ortsgruppe Müllheim-Neuenburg der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) hergestellt.
Der damalige Vorsitzende und Autor dieser Zeilen, der unter anderem Rettungsschwimm-Ausbilder (DLRG Lehrschein) und Erste-Hilfe-Ausbilder war, war von der Idee begeistert. „Viele Mitglieder unserer Jugendgruppe gingen damals auf das Kreisgymnasium“, erinnert er sich und ergänzt: „Für eine Rettungsschwimm-Arbeitsgemeinschaft waren keine Zeiten mehr im Neuenburger Hallenbad zu bekommen. Warum also keinen Schulsanitätsdienst aufbauen?“
Im Herbst 2004 fand der erste Erste-Hilfe-Kurs statt und im Januar 2005 nahm der Schulsanitätsdienst „Sevo“ seine Arbeit auf. „Sevo“ steht übrigens für Schüler Ersthelfer vor Ort. Die Leitung und den Aufbau des Schulsanitätsdienstes seitens der DLRG übernahm damals die Erste-Hilfe-Ausbilderin, Rettungssanitäterin und Sozialpädagogik-Studentin Sonja Frey.
Nach der Schule hatte Frey beim Roten Kreuz ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert und anschließend ein Studium der Sozialpädagogik begonnen, in dessen Rahmen sie das Konzept für den Schulsanitätsdienst entwickelt hat. Unterstützung erhielt sie dabei von zwei Mitgliedern der damaligen Jugendgruppe und Schülern am Kreisgymnasium, Laura Scholz und Martin Baldenhofer.
Schülersanitäter geben ihr Wissen weiter
Aktuell betreuen die Erste-Hilfe-Ausbilder Barbara Olliges und Hannah Matheis seitens der DLRG federführend das Projekt, wobei die Unterstützung der DLRG – mit Ausnahme der Erste-Hilfe-Kurse – nicht mehr so gefordert wird wie am Anfang. Mittlerweile ist an der Schule genügend Know how für die Übungstreffen vorhanden.
So geben die Schulsanis im Rahmen des Projekts „Löwen retten Leben“ auch ihr Wissen weiter und führen einmal im Jahr ein Reanimationstraining mit den Schülern von der siebten bis zwölften Klasse durch. Hinzu kommt, dass viele ehemalige Sevo-Mitglieder heute im medizinischen Bereich tätig sind, sei es im Rettungsdienst, in der Pflege oder sogar als Arzt oder Ärztin. Hannah Matheis war selbst Sevo-Mitglied und arbeitet heute in der Pflege.
Ein anderes Beispiel ist Tim Wachenheim, er absolvierte in der siebten Klasse den Erste-Hilfe-Kurs und stieß zum Schulsanitätsdienst hinzu. „Der Schulsanitätsdienst ist der erste Berührungspunkt mit dem Thema Rettungsdienst gewesen“, berichtet er. Mit 16 Jahren engagierte er sich dann beim Ortsverein Neuenburg des DRK und machte dort eine Ausbildung als Sanitäter. Nach dem Abitur im Jahr 2021 folgte ein Freiwilliges Soziales Jahr beim DRK-Kreisverband Müllheim wo er sich zum Rettungssanitäter ausbilden ließ. Aktuell ist er im zweiten Ausbildungsjahr zum Notfallsanitäter. Auch wenn das Abi schon vier Jahre her ist, ist er fast immer bei den regelmäßigen Übungstreffen mit dabei.
Lob von den Notärzten für die Schüler
Die Übungstreffen finden ein- bis zwei Mal im Monat am Freitagnachmittag statt, erzählt Andrea Wolf. Hinzu komme eine wöchentliche Dienstbesprechung in der großen Pause. Aktuell zählt „Sevo“ 35 Aktive, berichtet die Lehrerin. Pro Doppelstunde seien immer drei bis vier Schulsanitäter zum Dienst eingeteilt. Dies sei, sagt Wolf, eine immense Entlastung auch für die Schulsekretärin. Vergangenes Jahr wurden zwischen 70 und 80 Einsätze protokolliert. Bei vier oder fünf Einsätzen wurde auch der Rettungsdienst alarmiert. Wenn der Rettungsdienst komme, „bekommen die Schulsanitäter immer auch Lob von den Notärzten“, ergänzt sie.
Außer den Erste-Hilfe-Maßnahmen lernten die Schüler eine ganze Menge dazu, unterstreicht Wolf. Die Schulsanis lernten selbstbewusst aufzutreten, Verantwortung zu übernehmen und Empathie zu zeigen. Häufig spiele das Thema Betreuung eine große Rolle, ergänzt sie.