Das Foto zeigt Frank Jahraus an seinem Schreibtisch in seinem Büro. Foto: Monika Schwarz

Den Abend seines 64. Geburtstages am kommenden Samstag verbringt Kreisbrandmeister Frank Jahraus auf seiner allerletzten Feuerwehrversammlung in Seewald. Ab März ist er im Ruhestand.

Angekündigt hatte Kreisbrandmeister Frank Jahraus seinen vorzeitigen Rückzug schon vor elf Monaten. Am Samstag ist es soweit: Just an seinem 64. Geburtstag wird er seine letzte Feuerwehrversammlung als Kreisbrandmeister bestreiten und noch in derselben Nacht sein Dienstfahrzeug und den Büroschlüssel zurückgeben. „Um 23 Uhr ist mein Dienst an diesem Tag zu Ende“, sagt er.

 

Früher aufzuhören, auch wegen des Geburtstages, hätte nicht zu Jahraus gepasst. Aktuell verbringe er seine letzten Abende ausnahmslos, oft bis halb elf, im Büro. Der Gedanke an den letzten Abend und das Ende seiner Tätigkeit, die er freiwillig vorzeitig beendet, fallen ihm schwer. „Ich bin doch eh so nah am Wasser gebaut“, gibt er offen zu. Auch erwarte ihn ein Lebensabschnitt, den er einfach noch nicht kenne.

Spende für das Feuerwehrmuseum

Tränen hatte es am vergangenen Wochenende bereits in Polen gegeben. Jahraus war extra noch einmal in den Partnerlandkreis gefahren, um Adieu zu sagen. „Alle polnischen Feuerwehrkommandanten sind zum Abschied gekommen, das war mega“, erzählt er gerührt. Als Zeichen seiner großen Verbundenheit und Freundschaft hat Jahraus all seine Ehrenzeichen und seine Uniform dem dortigen Feuerwehrmuseum gespendet.

Nur die Urkunden behält er als Erinnerung für sich. Mit der zweithöchsten polnischen Feuerwehrehrung ist er von dieser Abschiedsreise zurückgekommen.

Originelle Geschenke zum Abschied

Hierzulande waren die vergangenen Monate und Tage von seinem bevorstehenden Abschied geprägt. „Ich habe viele schöne E-Mails von Leuten bekommen, von denen ich das überhaupt nicht gedacht hätte, dass sie je so schreiben würden“, sagt Jahraus.

Auch die Feuerwehren hätten sich anlässlich seines Abschiedes bei den jeweiligen Hauptversammlungen einiges einfallen lassen und originelle Geschenke gemacht. Im Dießener Tal hatte man ihm beispielsweise ein klappbares Rentnerbänkle zum Mitnehmen für die geplanten Reisen in seinen Unimogs geschenkt. Davon plant er übrigens einige, unter anderem zu all den Ausbildungsstätten während seiner Feuerwehrzeit in Bochum, Kiel oder Kassel.

Vergleich mit Schauspieler George Clooney

Er freut sich auch darauf, endlich einmal den Schwarzwald richtig kennenzulernen („Jeder Urlauber, der hier eine oder zwei Wochen verbracht hat, kennt ihn besser als ich“) und mehr Zeit als bisher mit seiner 90-jährigen Mutter zu verbringen. Die freue sich übrigens am Allermeisten auf seinen Ruhestand.

Dass es der letzte Lebensabschnitt sein wird, der ihm bevorsteht – „der, nach dem kein anderer mehr kommt“ – stimmt ihn nachdenklich. Gegen die drohende Langeweile hat Jahraus, den Feuerwehrkameraden einmal scherzend aufgrund der Optik als „George Clooney aus dem Nordschwarzwald“ bezeichnet hatten („Da kann ich mir nix für kaufen“, kommentiert er trocken), in mehrfacher Hinsicht vorgesorgt.

Bereits am 2. März beginnt er einen Minijob als Fahrer im Hol- und Bringservice in einem Freudenstädter Autohaus.

Ein Buch über sein Leben und seine Feuerwehrzeit

Darüber hinaus wird Jahraus, dessen badischer Dialekt ihn auch nach Jahren im Schwarzwald sofort als „reingeschmeckt“ outet, ein Buch schreiben. „Reingschmeckt im Schwarzwald“ wird es auch heißen und an seine Feuerwehrzeit, sein Leben an sich und insbesondere die Zeit im Schwarzwald erinnern. In erster Linie schreibe er dieses Buch für sich, sagt Jahraus. „Die schwäbische Mentalität, die muss nämlich schon verarbeitet werden.“