Hans Dieter Wölk (links), Leiter der Autobahnmeisterei, und Projektleiter Michael Waidele vom Baureferat Ost des Regierungspräsidiums verdeutlichen der Schwarzwälder-Bote-Redakteurin das Ausmaß der Setzungen auf der Autobahn. Foto: Schmid

Projektleiter erklärt vor Ort, warum noch nichts geht. Riesige Betonplatte soll es richten.

Kreis Rottweil - Endlich: Nach monatelangem Ärger um die Baustelle an der A 81 bei Oberndorf, auf der sich nichts, aber auch gar nichts tut, erklärt Projektleiter Michael Waidele uns vor Ort, wo das Problem liegt. Und er sagt: "So was wie hier hatten wir noch nie. Wir hatten zeitweise richtig Schiss."

 

Die Fahrbahn-Problematik: Der Bereich bei der Autobahnausfahrt Oberndorf ist wegen der Gipsschichten im Untergrund ja eigentlich als Problemzone bekannt. Aber eben nicht durchgehend: Zwei Autobahnabschnitte vor und hinter dem nun betroffenen Bereich werden wegen regelmäßig auftretender Hebungen alle zwei Jahre erneuert. Dazwischen aber, auf einem 130 Meter langen Stück im Bereich »Tälchen«, war noch nie etwas. Und dann, im März, gab hier plötzlich der Untergrund nach. "Schlagartig auftretende Setzungen der Fahrbahn, die gottseidank zuerst auf dem Standstreifen aufgetaucht sind", erklärt Waidele. An anderer Stelle auf der Fahrbahn könne so etwas tödlich sein.

Vor Ort zeigt Waidele gemeinsam mit Hans Dieter Wölk, Leiter der Autobahnmeisterei in Zimmern, das Ausmaß der Setzungen: Vom Standstreifen aus hat sich eine tiefe Kuhle mittlerweile bis in die Fahrbahn ausgedehnt. "In keinem Lehrbuch steht, wie man damit umgeht", sagt Wölk. Weil Gefahr in Verzug war, hatte er im März sofort die Verlegung der Fahrbahnen auf die östliche Seite der Autobahn veranlasst. Weil keiner wusste, ob die Setzungen auch dort auftreten, wurde zudem ein "Sicherheitsdeckel" aus Stahlgeflecht, Schotter und Asphalt aufgebracht.

»Wir müssen den Verkehr ja irgendwie durchkriegen. Langfristig umleiten können wir zwischen Oberndorf und Sulz nicht – das gibt eine Katastrophe«, weiß Waidele. Nach dem Lkw-Unfall am Dienstag, habe sich das gezeigt, ergänzt Wölk.

Die Analyse: Um herauszufinden, woher die Setzungen kommen und wie weit sie reichen, hat das Geologische Landesamt Bohrungen vorgenommen. An 20 Stellen wurde zwölf Meter tief gebohrt. Mehrere Proben gaben Anlass zur Sorge, drei davon waren »richtig schlecht«, sagt Waidele, und zeigt einen Querschnitt des Erdreichs. In 7,10 Meter Tiefe unter der Autobahn kommt plötzlich – nichts.

Zwei Monate Bauzeit sind geplant

Erst auf 7,80 Metern stößt der Bohrer wieder auf Widerstand. »Vermutlich Ausspülungen durch Wasser«, meint der Projektleiter. Ganz genau lässt sich die Ursache der "Löcher" aber noch nicht sagen. Das Gutachten habe schon einige Zeit in Anspruch genommen, erklärt Waidele. "Und dann musste ein schlauer Mensch das Gutachten auswerten und ein weiterer alles deuten. Und dann musste ein Entschluss gefasst werden, wie man dem Problem beikommen will." Die Lösung: Auf Bauplänen zeigt der Projektleiter das Konzept: Auf der gesamten Länge von 130 Metern und auf einer Breite von 14 Metern über alle Fahrspuren des westlichen Autobahnbereichs (Richtung Singen) wird eine 40 Zentimeter starke Betonplatte eingebaut.

Darunter kommt zusätzlich Bewehrstahl mit 20 Millimetern Durchmesser, im Abstand von 15 Zentimetern. "Das ist ordentlich Material", betont Waidele. Auf die Betonplatte kommen weitere 34 Zentimeter Fahrbahnaufbau. Um die Situation im Untergrund beobachten zu können, werden alle 15 Meter Kontrollschächte in die Tiefe installiert. Ausgeschrieben werden soll die Maßnahme noch vor den Ferien. Ende September soll es losgehen. Zwei Monate Bauzeit sind geplant – wenn das Wetter mitspielt.

Ob das Ganze auch auf der Autobahnseite Richtung Stuttgart erfolgen muss, wird im Frühjahr entschieden. »Vermutlich schon.« Die Kosten: Der Projektleiter schätzt die Kosten allein für die Betonplatte auf 600.000 bis 700.000 Euro, für alles drumherum nochmal den gleichen Betrag. Für eine Fahrtrichtung wohlgemerkt. Die Unfallsituation: Nachdem bei zwei Unfällen in dieser Woche Fahrzeuge über den Anfang der transportablen Schutzplanke »geschanzt« sind, wurde diese jetzt an die bestehende Schutzplanke angeschlossen, um einen besseren Übergang zu schaffen.

Wegen der erhöhten Fahrbahn gilt Tempo 60, betont Hans Dieter Wölk. Die Fahrbahnbreiten im Baustellenbereich entsprächen der Norm. Und überholen dürfen – wie ausgeschildert – nur Fahrzeuge, die nicht breiter als zwei Meter sind. Damit scheiden laut Wölk 70 Prozent aller Fahrzeuge schon mal aus.