Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Kreis Rottweil Verwahrlosungs-Fall sorgt für Entsetzen

Von
Der Mann hat aufgrund des Alkohols die Kontrolle über sein Leben verloren. (Symbolfoto) Foto: pixabay/Manfred Richter

Kreis Rottweil - Es ist ein Fall, der für Entsetzen und Unverständnis sorgt: Ein 67-Jähriger haust zwischen toten Mäusen, Müll und Kot. Lediglich die Tatsache, dass er straffällig wurde, machte Polizei und Behörden auf ihn aufmerksam.

Es ist ein Fall von Verwahrlosung, wie er dem Oberndorfer Amtsgerichtsdirektor Wolfgang Heuer wohl noch nie untergekommen ist. Eigentlich stand der 67-jährige Angeklagte aus dem Raum Sulz wegen Trunkenheit im Verkehr vor Gericht. Daraus entwickelte sich nun ein Betreuungsverfahren, denn der Zustand seiner Wohnung ist laut Heuer "menschenunwürdig".

"Es verschlägt einem die Sprache. Dass ein Mensch in so etwas leben kann", hatte Heuer angesichts der Lichtbilder von der Polizei gesagt. Diese war bei einer Wohnungsdurchsuchung wegen dem Führerschein des Mannes auf die Verwahrlosung aufmerksam geworden: tote Mäuse, die in Kochtöpfen gesammelt werden, Speisereste, abgelaufene Lebensmittel sowie Kot und Urin überall. "Ich habe 50 Jahre geschafft. Jetzt will ich nur noch meine Ruhe und mein Bier", hatte der Mann Richter Heuer entgegengedonnert. Der 67-Jährige war bis vor wenigen Jahren selbständig berufstätig, bis es finanzielle Schwierigkeitengab. Das Alkoholproblem tat ein Übriges. Nun lebt er allein in dem Haus, dessen Besitzer als Pflegefall in einem Heim untergebracht ist.

Die Polizei hat nach eigener Aussage einen Bericht an das Landratsamt sowie die betreffende Gemeinde gefertigt. Darin wird über den Zustand der Wohnung und über den "Verdacht einer akuten Seuchengefahr" aufgeklärt.

Als der Mann einige Monate später zu einem weiteren Verhandlungstermin erscheint, ist klar: An seinem Zustand hat sich nichts geändert. Vom Landratsamt hatte es indes die Antwort gegeben: Solange die Mäuse nur innerhalb der Wohnung hausten, bestehe keine Seuchengefahr. Richter Heuer will aber nicht verstehen, wieso vom Amt nicht entschiedener reagiert wurde, zumal bei dem 67-Jährigen von einem Gerichtsgutachter eine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert wurde. Da fragen sich Beobachter: "Was muss passieren, damit eingegriffen wird?"

Auf Nachfrage des Schwarzwälder Boten beim Landratsamt Rottweil heißt es: "Wir können aus Datenschutzgründen nicht zu Einzelfällen öffentlich Stellung nehmen".

Zum allgemeinen Prozedere gibt Pressesprecherin Brigitte Stein aber Auskunft. Wenn Verwahrlosungen bekannt werden, so beraten sich Gesundheits- und Sozialamt über die rechtlich-medizinischen Aspekte, also gesundheitliches Risiko, Infektionsgefahr und mehr. Zu Fragen der Betreuung werde der Allgemeine Soziale Dienst hinzugezogen.

Keine konkrete Gefahr?

"Bei einer Verwahrlosung oder Vermüllung von Wohnungen hat die örtliche Ordnungsbehörde grundsätzlich keine Möglichkeit, einzuschreiten, solange keine konkrete Infektions- und Seuchengefahr und damit keine Beeinträchtigung des Wohls der Allgemeinheit gegeben ist", schreibt Stein. Und: "Bisherige Erfahrungen des Gesundheitsamts zeigen, dass von vermüllten oder verwahrlosten Wohnungen selten eine konkrete Gefahr für Infektionen oder Seuchen ausgeht. Umstände wie die Vermüllung von Räumen, Geruchsbelästigungen, verdorbene Lebensmittel und Ungezieferbefall stellen für sich noch keine konkreten Gründe für ein infektionsrechtlich begründbares Einschreiten der Behörde dar."

Behördliche Maßnahmen gegen den Willen einer Person seien nur in besonderen Ausnahmefällen möglich. Für freiheitsentziehende Maßnahmen gebe es hohe Hürden. "Für uns als Behörde gibt es wenig Handhabe, solche Situationen ›amtlich‹ dauerhaft zu ändern. Hier kann nur durch niederschwellige Angebote unterstützt werden", meint die Pressesprecherin.

Nachdem aber dem Sozialdezernat immer wieder Menschen begegnet seien, die sich in "drastischen Lebenssituationen" befinden, sei dort freiwillig eine Stelle ("Hilfe für Menschen in besonderen Lebenslagen") eingerichtet worden. Dort suche man mit Gemeinde, sozialen Diensten und den Angehörigen individuelle Lösungen.

Für Amtsgerichtsdirektor Wolfgang Heuer war die Einleitung eines Betreuungsverfahrens unerlässlich. Dieses ist üblich, wenn der Betreffende nicht in der Lage ist, seine Angelegenheiten selbstständig zu regeln.

Ein Verfahrenspfleger wird hinzugezogen, um den Betreffenden zu betreuen. Ein Sachverständiger gibt Aufschluss über die Persönlichkeit des zu Betreuenden. Im Sachverständigengutachten wird die Notwendigkeit der Betreuung definiert.

Das hat der Gutachter vor dem Oberndorfer Amtsgericht schon getan. Seine Erkenntnis: "Eine gesetzliche Betreuung ist unbedingt erforderlich".

Artikel bewerten
13
loading
 
 

Ihre Redaktion vor Ort Rottweil

Armin Schulz

Fax: 0741 5318-50

Ihre Redaktion vor Ort Sulz

Marzell Steinmetz

Fax: 07454 95806-19

Flirts & Singles

 
 
0

Kommentare

Artikel kommentieren

Kommentarregeln

Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich. Sie müssen dabei Ihren Namen sowie eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben. Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt. Alternativ können Sie sich mit Ihrem Facebook-Account anmelden.

  1. Passwort vergessen?
Sie haben noch keinen Benutzer-Zugang? Jetzt registrieren!
  1. null

loading