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Kreis Rottweil Umstrittene Tablette Cytotec an Helios-Klinik im Einsatz

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In der Helios Klinik Rottweil wird das Medikament schwerpunktmäßig bei Fehlgeburten eingesetzt sowie nach der Geburt, um kritische Blutungen zu stoppen. (Symbolfoto) Foto: Jasmin Merdan – stock.adobe.com

Kreis Rottweil - Das zur Geburteneinleitung verwendete Medikament Cytotec ist in die Schlagzeilen geraten. Von schweren Komplikationen und Todesfällen wird berichtet. Die Tablette, die nie für diesen Zweck zugelassen wurde, wird auch an der Helios-Klinik in Rottweil verwendet.

"Skandal um Wehenschutzmittel", "Kleine Tablette, großes Risiko" - zuletzt berichtete auch die Tagesschau über die Gefahren von Cytotec. Das Medikament ist lediglich als Magenschutzmittel zugelassen, hat aber den Weg in die Geburtshilfe gefunden. Es leitet Wehen ein - manchmal derart stark und unkontrolliert, dass es zu dramatischen Folgen für Mutter und Kind kommen kann. Inzwischen laufen deshalb mehrere Gerichtsverfahren. Fachleute sprechen davon, dass das Mittel unkontrollierbar sei, es werde oft viel zu stark dosiert, über Risiken werde nicht aufgeklärt.

Mütter werden über Risiken genau aufgeklärt 

Unsere Nachfrage an der Helios-Klinik ergibt, dass Cytotec auch dort zur Anwendung kommt. Pressesprecherin Andrea Schmider erklärt: "Wegen seiner Wirkung auf die Gebärmutter wird in den Geburtskliniken von Helios Misoprostol (Cytotec) derzeit sowohl zur Geburtseinleitung als auch zur Abortinduktion und zur Blutstillung nach der Geburt eingesetzt." Das Medikament werde meist verwendet, weil es "sehr effektiv die natürliche Geburt einleiten und so einen Kaiserschnitt verhindern kann", heißt es.

Mit der Anwendung von Cytotec habe sich die Helios-Fachgruppe Gynäkologie/Geburtshilfe, in der alle Chefärzte des Gebiets zusammengeschlossen sind, in der Vergangenheit regelmäßig beschäftigt. Entschieden worden sei in diesem Gremium auch, dass verpflichtende Voraussetzung für den Einsatz von Cytotec in den Geburtshilfen von Helios ist, dass Mütter zuvor über die Risiken genau aufgeklärt werden.

Auch in den jährlich stattfindenden "Reviews" der Gynäkologie, bei denen Behandlungsfälle mit auffälligen Komplikationen untersucht werden, spiele die Frage nach dem korrekten Einsatz von Medikamenten eine Rolle. Ziel sei es, Verbesserungspotenzial zu finden und Behandlungsfehler in Zukunft nicht zu wiederholen.

"Wir nehmen die aktuelle kritische Berichterstattung nun zum Anlass, in der Fachgruppe zeitnah zu entscheiden, wie wir bei Helios mit dem Einsatz von Cytotec künftig weiter umgehen werden", so Michael Friedrich, Leiter der Fachgruppe Gynäkologie/Geburtshilfe bei Helios.

Medikament schwerpunktmäßig bei Fehlgeburten eingesetzt

In der Helios Klinik Rottweil werde das Medikament schwerpunktmäßig bei Fehlgeburten eingesetzt sowie nach der Geburt, um kritische Blutungen zu stoppen, sagt Jan Oliver Kaufhold, seit 2017 Chefarzt der Frauenklinik am Rottweiler Krankenhaus und erfahrener Geburtshelfer. "Seit ich hier bin, kamen in unserem Kreißsaal mehr als 1600 Kinder zur Welt, und wir hatten keine Komplikation durch diesen Wirkstoff, so Kaufhold. "Für mich ist es oberstes Prinzip, die Gebärenden verständlich zu den Risiken der Medikamente aufzuklären, die uns zur Verfügung stehen, aber auch zu den Alternativen, die wir haben."

Zur Geburtseinleitung, so der Chefarzt, böten er und sein Team immer verschiedene Optionen an, je nach klinischer Situation der Mutter. "Dazu gehören auch natürliche Einleitungsmethoden wie Aromatherapie, Entspannungsbäder oder Massagen, denn wir haben hier erfahrene Hebammen, die mit diesen Methoden vertraut sind."

Cytotec wurde in den 80er-Jahren als Magenschutzmittel, entwickelt und als solches zugelassen. In der Praxis hat man festgestellt, dass es auch die Gebärmutter anregt. Es wird deshalb  im Rahmen der "Therapiefreiheit" der Ärzte in vielen Kliniken in Deutschland angewendet, um Geburten einzuleiten. In seltenen Fällen kann es zu Komplikationen und sogar Todesfällen kommen. Das Medikament ist im Vergleich zu anderen sehr billig. Eine Tablette kostet nicht einmal einen Euro.

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