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Kreis Rottweil Prozess gegen Drogenbande: Ist Hauptzeuge ein "Phantom"?

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Nur langsam kommt im Prozess Licht ins Dunkel. Foto: Ralf Graner Photodesign

Kreis Rottweil - Neun mutmaßliche Mitglieder einer Drogenbande stehen seit Anfang November im Rahmen eines Mammut-Prozesses in Rottweil vor Gericht. Der vierte Verhandlungstag am Dienstag bringt zwar etwas Licht ins Dunkel, verlangt allen Beteiligten aber enorm viel ab.

"Ich bin konzentrationsmäßig ziemlich durch", sagt der Kriminalhauptkommissar aus Bayern, der an diesem Tag als Zeuge zum Gang der Ermittlungen aussagt. Es ist 15.30 Uhr. Seit Stunden schildert er, wie die Ermittlungen in Bayern verlaufen sind, bevor sie an die Staatsanwaltschaft Rottweil übergeben wurden. Er beantwortet Fragen, schaut immer wieder in der Akte nach. Mittlerweile sind mehrere Mikrofone für Dolmetscher und Kopfhörer für die Angeklagten ausgetauscht worden. In den letzten beiden Stunden geht die Befragung nur sehr mühsam voran. Alle wirken erschöpft, ringen um Konzentration.

Der Kriminalkommissar schildert, wie 2017 ein Beschuldigter, der selbst mit Kokain gehandelt haben und in den Blick der Ermittlungen geraten sein soll, im Laufe der Vernehmungen zu einem Informanten für die Polizei wird und das mutmaßlich international agierende Drogendealer-Netz auffliegen lässt. Der Kommissar berichtet auch, wie sich die Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft Rottweil nach der Übergabe des Ermittlungskomplexes Ende 2017 gestaltet.

Syrer oder Bulgare?

Im Mittelpunkt der Verhandlung steht am Dienstag aber erneut die Personalie des Kronzeugen, der mit seinen umfassenden Angaben die neun Tatverdächtigen belastet hat. Der Punkt, an dem sich die Verteidiger stören: Über den Zeugen selbst ist wenig bekannt. Dieser soll 2012 ohne Papiere illegal nach Deutschland eingereist sein und einen Asylantrag als Syrer gestellt haben. Neben seinem Reiseausweis als Flüchtling ist er noch im Besitz von mehreren anderen Dokumenten – bei der Durchsuchung in seiner Wohnung in Bayern wurden eine bulgarische ID-Karte, eine bulgarische Au­fenthaltsgenehmigung, ein libanesischer Reisepass und ein libanesischer Führerschein gefunden.

Wie lautet sein richtiger Name? Welche Staatsangehörigkeit hat er? Hat er tatsächlich, wie er selbst behauptet, mehrere Jahre als Vertrauensperson (VP) der Polizei in Bulgarien gearbeitet? Mehrere Verteidiger zeigen Unverständnis, dass die Identität des Hauptzeugen im Laufe der Ermittlungen nicht endgültig abgeklärt wurde. Einige werden ziemlich laut: "Mit wem haben wir es überhaupt zu tun?" Die Rede ist von Legenden und gar von einem Phantom.

Mehrere Verfahren

Bekannt wird an diesem Verhandlungstag, dass gegen den Hauptzeugen mehrere Ermittlungsverfahren laufen, unter anderem wegen Einschleusens von illegalen Migranten, Vergehens gegen das Au­fenthaltsgesetz, Fahrens ohne Fahrerlaubnis und zweier Ladendiebstähle.

Neues offenbart sich auch zu seiner Motivation, gegen die Tatverdächtigen auszusagen: Der Zeuge soll mit einem der mutmaßlichen Bandenmitglieder persönlich im Clinch gewesen sein. Dieser Angeklagte soll eine Affäre mit der Lebensgefährtin des Zeugen gehabt und ihn "betrogen und bestohlen" haben.

Die etwa 30 Jahre jüngere Lebensgefährtin des Zeugen soll kokainabhängig gewesen sein. Drogen soll sie gemeinsam mit einem der neun Angeklagten konsumiert haben – und sie hatten wohl ein Verhältnis miteinander. Hat der Zeuge womöglich aus Rache ausgesagt? Wollte er diesen Angeklagten und seine Freunde gleich mitbestrafen? Das genaue Motiv wird noch zu klären sein. Der Hauptzeuge selbst sagt am kommenden Dienstag aus.

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