Die Maske im Bus ist laut Verordnung Pflicht. Die Kontrolle ist allerdings schwierig. Foto: Daniel Jdzura - stock.adobe

Pflicht zum Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung kaum zu kontrollieren. Schüler wundern sich.

Kreis Rottweil - Ohne Bedeckung von Mund und Nase im Supermarkt einkaufen? Fast unmöglich. Ohne Maske Bus fahren? Ja, das geht. Mancher wundert sich, warum Nutzer des ÖPNV ganz lässig ohne Maske mitfahren. Es zeigt sich: Die Einhaltung der Pflicht lässt sich kaum durchsetzen.

Morgens in einem Schulbus im Kreis Rottweil: Die meisten Schüler sitzen – wenn auch nicht begeistert – mit Maske da, einige aber regelmäßig ohne. Dabei ist die Einhaltung der Abstandsregelung im recht vollen Bus nicht mal ansatzweise möglich. Bei manchem Schüler gibt’s da Gemurre: Warum müssen die einen, aber die anderen nicht? Dürfen die das einfach so? Und warum sagt der Busfahrer nichts?

Brigitte Stein, Sprecherin des Landratsamts Rottweil, sagt klar: "Paragraf drei der Corona-Verordnung schreibt das Tragen einer Maske vor – sowohl beim Einsteigen als auch am Platz." Diese klare Regelung sei "bindend".

Ahndung schwierig

Bei näherer Betrachtung stellt sich heraus: Die Maskenpflicht im ÖPNV ist gar nicht so einfach zu kontrollieren. Während ein Ladeninhaber von seinem Hausrecht Gebrauch machen und den Zutritt ohne Maske verwehren kann, gelten im ÖPNV andere Regeln. Wir haben nachgefragt und erfahren: Eine konsequente Ahndung von Verstößen ist in der Praxis schlicht nicht möglich. Zwar hat auch das jeweilige Busunternehmen ein gewisses Hausrecht, aber: "Die Überprüfung und Sanktionierung in Sachen Masken ist rein hoheitliche Aufgabe des Staates und durch seine entsprechenden Stellen durchzuführen – die Verkehrsunternehmen können dies nicht. Der Fahrer könnte also zum Beispiel durchaus die Polizei rufen – aber dann steht der Bus", erklärt Stefanie Weber-Cleveland, Sprecherin des Verkehrsverbunds Rottweil (VVR). Maskenkontrollen durch die Fahrer gebe es nicht.

"Das ist auch nicht ihre Aufgabe, sondern die verkehrssichere und pünktliche Fahrtdurchführung für die Fahrgäste. Viele Unternehmen würden die Fahrer aber bitten, eventuell durch Durchsagen oder Ansprachen Hinweise zu geben, wenn etwas auffällt.

Und den Fahrgast ohne Maske einfach an der Haltestelle stehen lassen? Auch das ist nicht möglich, erklärt der VVR, denn nach den Tarifbestimmungen und Beförderungsbedingungen gilt eigentlich "Beförderungspflicht für Personen mit gültigem Fahrausweis".

Fahrgast darf trotzdem mit

Den Ausschluss von einer Fahrt könne der Busfahrer nicht anordnen, das kann nur auf behördlichem Weg geschehen, bestätigt auch ein Sprecher der Deutschen Bahn, zuständig für die Südbadenbus GmbH. Würden die Busfahrer jeden Verstoß melden, "würde das wohl den gesamten ÖPNV lahmlegen".

Zu Beginn der Corona-Pandemie waren bekanntlich auch die Fahrkartenkontrolle und der -verkauf ausgesetzt, und die Gäste mussten zum Schutz der Fahrer hinten einsteigen. Dies hat sich jedoch mittlerweile geändert. Die Ausrüstung der Fahrzeuge mit Schutzeinrichtungen für den Fahrer schreite voran, erklärt die VVR-Sprecherin, deshalb gehe man seit einigen Wochen wieder schrittweise zum Ticketverkauf und zum Einstieg vorne über. Im Zug würden schon seit einiger Zeit wieder "vollumfänglich" die Fahrkarten geprüft.

Kartenkontrolle ja, Maskenkontrolle nein. Man könne bezüglich der Maskenpflicht nur wiederholt "eindringlich appellieren, dass alle die Regeln einhalten", so der DB-Sprecher. Schließlich hätten diese zur derzeit guten Situation in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern geführt.

Die meisten kooperativ

Insgesamt verhalte sich die überwiegende Mehrheit der Fahrgäste kooperativ, betont Stefanie Weber-Cleveland vom VVR. "Verstöße halten sich unseres Wissens in Grenzen, aber tendenziell – wie auch im Straßenbild – geschehen diese eher durch die jüngere Generation."

Hoffnung auf Lockerung

Mit Blick auf die Zukunft hoffe man, dass es zu gegebener Zeit zu Lockerungen oder zur Abschaffung der Maskenpflicht kommt, da dies durchaus eine gewisse Unannehmlichkeit für die Fahrgäste mit sich bringe. "Nach unseren Informationen konnten sogar deutschlandweit bislang keinerlei Fälle von Corona-Infektionen in öffentlichen Verkehrsmitteln oder beim Einkaufen festgestellt werden", erklärt die Sprecherin.

Bis zu weiteren Lockerungen gilt im Bus also: Die meisten tragen Masken, einige aber nicht. Gerade bei jüngeren Schülern dürfte es da teilweise auch entscheidend auf die Einstellung des Elternhauses ankommen.

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