Alles andere als eine reiche Ernte gab es für die Landwirte in diesem Sommer in Sachen Heu. Foto: Stratenschulte

Folgen der Sommerdürre sind nun deutlich zu spüren. Schlachtung gilt als letzter Ausweg.

Kreis Rottweil - 30 Grad, Schwimmbadwetter – was im Sommer für viele glückliche Gesichter sorgte, stürzt die Landwirte in eine Krise. Nun geht ihnen das wenige Futter langsam aus. Ohne Zukauf geht gar nichts mehr.

"Die Lager sind leer. Ich werde retten, was zu retten ist", sagt der Schenkenzeller Landwirt Eugen Haberer. Erst machten rissige Flächen einen zweiten Grasschnitt unmöglich, dann trieben Wildsauen ihr Unwesen auf seinem Land.

Zehn Tonnen Heu musste der Landwirt bis Anfang September bereits verfüttern, weil die Weiden schon jetzt nicht mehr ausgereicht hätten. "Eigentlich schafft man im Sommer die Vorräte für den Winter. Das konnte man diesmal vergessen", sagt er. Mit dem ersten langersehnten Regen im August kamen auch die Wildschweine – ausgerechnet auf der Wiese, in die er all seine Hoffnung gesetzt hatte.

"Mindestens ein Drittel der nötigen Futtermenge fehlt mir dieses Jahr", sagt der Schenkenzeller missmutig. Gleichzeitig hofft er auf einen milden Übergang in den Winter. "Jeden Tag, den meine Kühe im Oktober auf der Weide stehen können, spart Wintervorräte", meint er. "Wenn der Schnee kommt, ist es vorbei."

Auch Landwirt Lorenz Maier aus Bösingen hat Probleme mit der Futterknappheit. Die Kosten für den Zukauf lägen bei gut 15 000 Euro. "Im schlimmsten Fall haben wir bis zu 30 Prozent weniger Futter dieses Jahr", sagt er.

Entscheidend für den Jahresverlauf sei vor allem der erste Schnitt im Frühjahr. "Man versucht, früh zu mähen, und dann ein Intervall von sechs Wochen einzuhalten", erklärt er. Der feuchte Frühling habe ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht. Lange habe man die Fläche dadurch nicht befahren können. Bis Anfang Juli habe es keine zusammenhängende Woche gutes Wetter gegeben.

So habe er fast alles erst am 1. Juli mähen können. "Dadurch hat sich alles nach hinten verschoben", sagt Maier. "Lange konnte man gar nichts machen, und dann kam dieser extrem trockene Juli." Letztlich gab es nur eine geringe Menge mit niedrigem Nährwert.

Zum Heumachen brauche man vier bis fünf gute Tage im Sommer, und je sechs bis sieben in Frühjahr und Herbst. Nicht ohne Grund heiße es unter Landwirten, dass ein Tag im Juli für das Graswachstum genauso viel wert sei wie eine Woche im August und der ganze September. "Was bis Ende Juli nicht gewachsen ist, hat einfach schlechte Startbedingungen." Jedes Jahr werde es zudem trockener und wärmer.

Das Jahr über habe er eigentlich nur einen "gescheiten Schnitt" gehabt, meint Maier. "Der Rest war, überspitzt gesagt, Schönheitspflege des Rasens." Wenn er verbrannt war, mähte man ihn ab, um ihm die Chance zu geben, neu zu wachsen. Und wenn dann mal Regen kam, dann war es gleich eine so gewaltige Menge, dass der trockene, rissige Boden sie nicht aufnehmen konnte, meint der Landwirt. "Ich hätte mir einen schönen langsamen Nieselregen gewünscht, aber der kam nicht", sagt der 23-Jährige.

Normalerweise reiche seine Fläche von 20 Hektar Weide immer bis in den Herbst. "Diesmal war im Sommer alles kahl." 60 Kühe stünden ständig auf der Weide, weitere 60 im Intervall. Nun kämen sie nur noch zur Bewegung auf die Weide – "zum Fressen finden sie ja nichts mehr", sagt Maier freudlos. Da sehe es mau aus. Schon jetzt gebe man ihnen das für den Winter geplante Futter. "Dabei sind wir noch anderthalb Monate von der Winterfütterung entfernt", sagt der Bösinger.

Problematisch sei nun auch die nächtliche Kälte. "Die hemmt das Pflanzenwachstum extrem. Die Kühe schon jetzt alle in den Stall zu tun, können wir uns schlichtweg nicht leisten", erklärt Maier. Deshalb lasse man sie eben immer auf den Teil der Weide, bei dem ein bisschen Gras nachgewachsen ist – auch wenn das auf lange Sicht schlecht für den nachkommenden Wuchs sei. Mittlerweile würden die Kühe sogar über den Zaun steigen und den Stromschlag in Kauf nehmen, um auf den 50 Zentimeter breiten Zwischenstücken der Äcker zu grasen.

Die Futternot treibt natürlich auch die Preise nach oben. Maier hat einen Biobetrieb. "Biologisches Heu kostet gerade pro 100 Kilogramm um die 30 bis 32 Euro vom Händler, konventionelles Heu rund 24 Euro. Das ist extrem teuer", sagt Maier. Und der Preis steige beim Bio-Heu weiter rapide an. "Zum Vergleich: Vergangenes Jahr haben wir 100 Kilogramm Bio-Heu für 13 Euro gekauft", erklärt Maier.

Als Alternativen gebe es nur zwei Optionen. "Entweder ich füttere als Ersatz für Heu Stroh und Kraftfutter, was im Endeffekt aber noch teurer ist, oder ich reduziere den Bestand über den Winter, weil die Kühe dir sonst sozusagen das Heu vom Kopf fressen", erklärt Maier. Zu Letzterem werde es ganz sicher kommen, prognostiziert er. Über den Winter werden es dann nur noch 50 Tiere sein, im Frühjahr wird aus dem eigenen Nachwuchs aufgestockt. Ärgerlich für den 23-Jährigen, der Kapazität für 120 Kühe hätte. "Aber die Entwicklung lässt mir einfach keine Wahl."