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Kreis Rottweil Kronzeuge packt im Drogenprozess aus

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Die Verteidiger der neun Angeklagten stellen die Glaubwürdigkeit des Kronzeugen in Frage. Foto: Ralf Graner Photodesign

Kreis Rottweil - Ein Informant, der von der bulgarischen "Mafia", gegen die er arbeitet, aufgespürt wird und sich mit einer neuen Identität ins Ausland absetzen muss. Was der geheimnisumwobene Kronzeuge im Betäubungsmittelprozess am Rottweiler Landgericht berichtete, klang wie aus einem Geheimagenten-Film. Von einem ähnlich geringen Wahrheitsgehalt der Aussage gehen auch die 17 Verteidiger aus, wie sich durch ihre Reaktionen bei der Befragung erahnen ließ.

Derzeit werden neun Angeklagte deutscher und nordmazedonischer Herkunft beschuldigt, als Mitglieder einer international agierenden Drogenschmuggelbande rund 120 Kilogramm Kokain, acht Kilogramm Heroin und weitere Betäubungsmittel von Rotterdam in den Niederlanden nach Deutschland geschafft und dort bundesweit verteilt zu haben.

Mit Spannung erwarteten am Dienstag Gericht und Zuhörer die Aussage des Kronzeugen, auf den sich die Anklage zu großen Teilen stützt. Umso irritierter war man ob der wirren und sich teilweise widersprechenden Ausführungen des Zeugen. Dass diverse Verteidiger nach jedem dritten Satz das Wort ergriffen, um Erklärungen oder Anregungen zum Verfahrensablauf abzugeben, trug ebenfalls nicht zum Verständnis bei.

Zeuge gibt falsche Muttersprache an

Da verwunderte es kaum, dass die Prozessbeteiligten erst nach etwa zweistündiger Verhandlung herausfand, dass Bulgarisch nicht die Muttersprache des Zeugen ist, sondern Arabisch, da er gebürtiger Libanese ist. Die Verteidiger hatten die "verkorkste Syntax" und den Gebrauch von "Worthülsen" angeprangert.

Dass der Zeuge – auch bei seiner Vernehmung bei der Polizei – auf einen bulgarischen Dolmetscher bestanden hatte, legte Verteidiger Ingo Lenßen als Möglichkeit aus, Ungereimtheiten in der eigenen Aussage zu verschleiern. Zudem erhoben einige Verteidiger zunächst Einspruch dagegen, dem Zeugen seine Vernehmung vorzuhalten, da diese auf Bulgarisch und Deutsch erfolgt und damit offenbar wenig aussagekräftig sei.

Nachdem recht schnell eine Arabisch-Dolmetscherin organisiert werden konnte, wurde die Befragung am Nachmittag fortgesetzt. 2012 sei er unter falschem Namen nach Deutschland eingereist, habe erst in Nürnberg, später in Freising gelebt, so der 52-Jährige, der sich im Zeugenschutzprogramm befindet. In Bulgarien sei er "die rechte Hand des Kommissars" bei der Kriminalpolizei gewesen und habe als Vertrauensperson Drogen-Dealer auffliegen lassen, bis sich herausstellte, dass die Polizei infiltriert und die Bande ihm auf der Spur war.

Es begann mit einem kleinen Drogendealer

In Deutschland habe er diese Arbeit wieder aufnehmen wollen. "Wenn du hier so spielen willst wie in Bulgarien, habe ich Kontakte", hatte ihm sein bulgarischer Kollege gesagt. Gemeinsam beschloss man – offenbar trotz der möglichen Gefahr, die Widersacher aus Bulgarien auf den Plan zu rufen – dem deutschen Teil des Schmuggler-Netzwerks auf die Spur zu gehen.

Über seinen Bekannten, einen Serben, der in Freising mit kleineren Mengen auf der Straße dealte, sei er an einen der Angeklagten herangekommen, erklärte der Kronzeuge. Nach einem Telefonat habe man sich in Freising getroffen.

Der 52-Jährige meinte, er habe dabei klar gemacht, dass er Kokain im Wert von 40 000 Euro aufwärts erwerben wolle, um dieses an eigene Händler weiterzugeben.

Wenige Monate später sei man gemeinsam nach Tuttlingen gefahren, wo der erste Deal stattfand. Warum so spät? "Das ist das Spiel. Wenn man ständig hinterhertelefoniert, wirkt man suspekt", erklärte der Zeuge.

Übergabe wie im Kino-Film

In Tuttlingen sei er von einem schwarzen Wagen abgeholt worden, der ihn zur Wohnung eines der angeklagten Tuttlinger gebracht haben soll. Die Ware in Form von einem halben Kilogramm Kokain sei in einer schwarzen Sporttasche übergeben worden, schilderte der Kronzeuge. In der Wohnung des Angeklagten habe er zudem weiteres Kokain, Heroin und zahlreiche rosafarbene und blaue Pillen entdeckt. Einige der Angeklagten seien ebenfalls anwesend gewesen, bestätigte der Libanese.

Mit Detailfragen wollte Richter Karlheinz Münzer die Glaubwürdigkeit des Zeugen auf den Prüfstand stellen. Unter anderem dem hohen Mitteilungsbedarf der Verteidiger war es aber letztlich geschuldet, dass für weitere Fragen keine Zeit mehr blieb. Die Befragung des Zeugen wird heute, Mittwoch, um 9 Uhr im Landgericht fortgesetzt.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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