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Kreis Rottweil Kein Brandschutz fürs neue Gerätehaus?

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Kreis Rottweil - Es ist ein Alptraum für jeden Feuerwehrmann: hilflos zusehen, wie das eigene Gerätehaus abfackelt. Da mag es erstaunen, dass für das neue Rottweiler Gerätehaus bislang kein Brandschutz vorgesehen war. Im Landkreis gilt die Marschroute: nicht zwingend erforderlich.

Firmen, Altenheime, Schulen – aufgeschaltete Brandmeldeanlagen (BMA) sind vielerorts Standard. Sie stellen sowohl über eine Telefon-, als auch über eine Mobilfunknetzleitung die Alarmierung bei der Leitstelle sicher. In den Feuerwehrgerätehäusern im Kreis Rottweil gibt es keine einzige Brandmeldeanlage. Im Kreis Tuttlingen dagegen wird kein neues Gerätehaus ohne BMA gebaut. Grund für die Diskrepanz: Die DIN-Vorschrift zum Bau von Feuerwehrgerätehäusern sieht eine BMA rechtlich nicht zwingend vor. Die Kreisbrandmeister müssen im Zweifelsfall nach den "örtlichen Gegebenheiten" entscheiden. Im Fall des Rottweiler Neubaus ist für Kreisbrandmeister Mario Rumpf klar: "Baurechtlich ist das eine Garage mit angeschlossenem Verwaltungsbau." Sicherheitsrelevante Bereiche wie Gefahrgutlager oder Lager für Treibstoff gebe es nicht.

Die Brandmeldeanlage war zwar in der ursprünglichen Planung vorgesehen, fiel dann aber im Gemeinderat dem Sparzwang zum Opfer – mit dem Okay des Kreisbrandmeisters. Der betont zwar, dass eine BMA wünschenswert wäre – die Folgekosten seien durch die DIN-Vorschriften jedoch enorm. "Und ob im Brandfall dann tatsächlich noch auf die Ausrüstung zugegriffen werden kann, ist fraglich", meint er. Grundsätzlich stehe bei BMAs der Personenschutz im Vordergrund.

Und so kommt es, dass das im Bau befindliche Rottweiler Gerätehaus, das sieben Millionen Euro kostet und in dem sich Fahrzeuge und Geräte im Wert von weiteren fünf bis sieben Millionen Euro befinden werden, bis auf einen Rauchmelder in einem Mannschaftsraum über keinen Brandschutz verfügt – bislang.

Gerätehaus in Feckenhausen ist im Jahr 2010 abgebrannt

Am Mittwochabend im Rottweiler Bauausschuss kochte das Thema wieder hoch: Die CDU beantragte nach einer Besichtigung des Baus und Gesprächen mit der Feuerwehr, die Brandmeldeanlage wieder in die Planung aufzunehmen. Fraktionsvorsitzender Günter Posselt rief die Geschehnisse in Kressbronn am Bodensee im Juli in Erinnerung: Das dortige Feuerwehrgerätehaus brannte nach einem technischen Defekt nieder, die Fahrzeuge wurden zerstört, die Wehrmänner mussten fassungslos zusehen – und: Der Brandschutz in der Gemeinde war erst mal nicht mehr gewährleistet. Auch das Gerätehaus der Rottweiler Feuerwehrabteilung Feckenhausen brannte 2010 aus.

Für den Rottweiler Neubau müsse solch ein Szenario vermieden werden, forderte die CDU. Zum einen müssten die enormen Werte im Gerätehaus geschützt werden, zum anderen müsse gewährleistet sein, dass die Stadt Rottweil nicht plötzlich ohne ausreichenden Brandschutz dasteht. Drehleiter, Hubarbeitsbühne – die technische Ausrüstung der Wehr ist laut Stadtbrandmeister Frank Müller auch mit Baugenehmigungen verknüpft, beispielsweise wenn es um den zweiten Fluchtweg in Häusern in der Innenstadt geht. "Die Wiederbeschaffung dieser Fahrzeuge geht nicht so schnell", sagt Müller.

Kreisbrandmeister Mario Rumpf sieht allerdings auch für diesen Fall kein Problem: "Ich habe 276 Feuerwehrfahrzeuge im Kreis, da würden wir eine Lösung hinbekommen. Und Feuerwehrfahrzeuge kann man auch mieten."

Auch der Großteil des Rottweiler Gemeinderats sprach sich letztlich gegen eine Brandmeldeanlage aus. Deren Kosten beziffert die Verwaltung auf 60 000 Euro (in Tuttlingen war es deutlich billiger möglich), hinzu kommen rund 6000 Euro Wartungskosten im Jahr. Die Wahrscheinlichkeit eines Brands sei bei dem Betonbau gering, außerdem sei "immer jemand vor Ort" (Hermann Breucha, Freie Wähler) und man habe die "Planung schließlich schon x-mal durchgekaut" (Reiner Hils, FFR).

Doch ganz ohne Brandschutz soll der Bau dann doch nicht bleiben: Man einigte sich auf eine günstigere Variante, die die Verwaltung in Absprache mit Kreisbrandmeister Rumpf vorbrachte: Eine Rauchmeldeanlage (Kosten: rund 8000 bis 10 000 Euro) wird verbunden mit dem Alarmumsetzer der Feuerwehr, der dann die Wehrmänner per Piepser direkt alarmiert. Der Alarmumsetzer wiederum befindet sich in der brandschutzmäßig abgetrennten Funkzentrale.

"Mit dieser Lösung können wir leben", betont der Stadtbrandmeister. Dass es durch die geballte Technik im Gerätehaus durchaus zu Bränden kommen kann, zeigen übrigens gleich drei Beispiele, die Müller nennt – alle aus diesem Jahr: Ein Akku in einem Fahrzeug ist mit einem lauten Knall explodiert, ein Hochdruckreiniger ist durchgebrannt und ein Tanklöschfahrzeug hatte einen brenzligen Defekt. Der Gerätewart hat die Vorfälle rechtzeitig entdeckt – "aber auch der ist nicht immer da", sagt Müller.

Unter dem Video zum Brand in Kressbronn auf "Youtube" schreibt ein Feuerwehrmann: "Ich verstehe nicht warum der Gesetzgeber keine Pflicht für den Einbau von Brandmeldeanlagen in Feuerwehrhäusern vorgibt. Das ist ja nicht das erste Gerätehaus, das ein Raub der Flammen wird. Die Geräte in den Fahrzeugen oder in der Halle, die ständig geladen werden müssen, sind eine offensichtliche Gefahrenquelle."

Ihre Redaktion vor Ort Rottweil

Armin Schulz

Fax: 0741 5318-50

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