Region ist fast tropischem Klima ausgesetzt. Kein Wassermangel. Freibäder profitieren vom Wetter.

Kreis Rottweil - Die Hitze ist kaum auszuhalten: Sonst wird oft über das schlechte Wetter in Deutschland gemeckert – Regen, Kälte, Wind. Doch nun ist das angekündigte Tief eine sehr willkommene Abkühlung.

"36 Grad, und es wird noch heißer", heißt es in einem Lied. In diesen Tagen scheint dies gar nicht so unwahrscheinlich. Bei Werten bis zu 33 Grad, die sich wie 36 Grad anfühlen, kann der Kreis Rottweil fast mit Ländern wie der Türkei oder Spanien mithalten. Aber so schön das Wetter auch ist und wir es gerne genießen, stellen sich auch ein paar Fragen, zum Beispiel bezüglich der Wasserversorgung.

Markus Bantle, Gesundheitsaufseher im Landratsamt Rottweil, weiß noch von keinem Wassermangel. Das Wasserwirtschaftsamt habe noch keine öffentliche Meldung bekannt gegeben. Dennoch dürfe das heiße Wetter nicht mehr lange dauern, sonst müsse man die Wasserversorgung umstellen.

Das heißt, die Wasserversorger müssten mehr liefern, gegebenenfalls müsste zum Beispiel der Anteil des Bodenseewassers erhöht werden. Das reiche meistens schon als Maßnahme aus, wie im Jahr 2003.

Auch Klaus Gaiselmann, Leiter des Umweltschutzamts, meint, es gebe noch genug Wasser. Zwar gehe der Grundwasserspiegel zurück, doch das Grundwasser sei nicht empfindlich und reichlich vorhanden.

Ganz anders geht es da kleineren Gewässern wie den Bächen. Manche von ihnen sind in der Umgebung schon ausgetrocknet. Auch allgemein ist der Wasserstand zurückgegangen, der Neckar-Pegel in Oberndorf etwa misst zur Zeit 95 Zentimeter. Der Wasserabfluss beträgt drei Kubikmeter pro Sekunde. "Diese Werte sind aber noch im Rahmen", erklärt Gaiselmann. "Extremwerte sind bei einem Wasserstand von 25 bis 30 Zentimetern erreicht."

Trockenheit auf Feldern und Wiesen

In benachbarten Landkreisen, zum Beispiel im Ortenaukreis, ist die Lage deutlich kritischer. Dort wurde die Wasserentnahme aus Gewässern verboten. So weit ist es im Landkreis Rottweil noch nicht. "Das liegt an der besonderen Situation, dass es hier keine großen Wasserentnahmen durch die Landwirtschaft gibt", erläutert der Leiter des Umweltschutzamts. "Die Situation wird beobachtet." Denn langsam werde sie schon kritisch und komme an die Lage von 2003 hin. Sollte die Hitze noch zwei bis drei Wochen andauern, werde gehandelt. Aber die Chancen stehen gut, dass sich die Situation durch das kommende Tief entspannt.

Außergewöhnlich ist auch, dass es so eine lange Periode ohne Regen gab. Mit einer solchen Hitzewelle gehen meistens Unwetter einher, diese blieben in letzter Zeit jedoch weitgehend aus. Abgesehen von besagtem Tief, das ab heute Abend den lang ersehnten Regen bringen soll, sind weiterhin keine Unwetterwarnungen bekannt.

Insgesamt führt das eben zu einer enormen Trockenheit auf Feldern und bei Pflanzen. Besonders in den Wäldern ist das zu erkennen und führt zu erhöhter Waldbrandgefahr. Deswegen ist das Grillen auf öffentlichen Grillplätzen im Wald verboten.

Eine weitere Folge der Hitze ist, dass sich einzelne Bäume vorzeitig gelb verfärben. Auch vermehren sich bestimmte Insekten, die von der Hitze profitieren. Das ist schlecht, da diese Insekten für die Bäume schädlich sind. In einzelnen Fällen ist die Bewässerung von trockenen Stellen sinnvoll, aber als direkte Maßnahme wird dies nicht angewendet. "Auf das Bewässern wird nur als absolute Ausnahme zurückgegriffen", erzählt Simon Stahl, Gebietsleiter Schwarzwald im Forstamt des Landkreises. "Der Wald muss beziehungsweise sollte mit diesen Bedingungen klarkommen."

Das Freibad Rottweil hingegen profitiert natürlich von dem sonnigen Wetter. Circa 2000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene haben in den vergangenen Wochen täglich das Freibad besucht. Wer sich dort nicht der prallen Hitze aussetzen will, kann sich einen Schattenplatz unter den vielen Bäumen suchen. Auch wurden Sonnenschutznetze gebaut, um vor der Sonne zu schützen. In den nächsten Tagen erwartet Betriebsleiter Edgar Bantle nicht so viele Besucher, da es nicht so heiß werden soll. Trotzdem ist er zuversichtlich, die 100 000er- Marke an Besuchern dieses Jahr zu knacken und nahe an das Rekordjahr 2003, mit 130 000 Besuchern, zu kommen.

Auch den Eisdielen kommt das sonnige Wetter zu Gute. Das Eiscafé Pinocchio in Rottweil etwa ist sehr zufrieden mit den vergangenen Wochen. Seit Ferienbeginn ist die Besucherzahl gestiegen. Bei so einem Wetter muss das Eis schnell genossen werden, sonst schmilzt es einem in den Händen zusammen. Gekühlt wird es im Pinocchio von der Eistheke, die eine Temperatur von minus 16 Grad hat. Die sorgt dafür, dass das Eis kalt bleibt und für die Besucher eine willkommene Abkühlung bietet.

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