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Kreis Rottweil Einbrecher erbeutet über 300.000 Euro

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Der Angeklagte hat den Großteil der ihm vorgeworfenen Einbrüche zugegeben. (Symbolbild) Foto: Maurer

Kreis Rottweil - Er habe die Familie über Wasser halten wollen und sei gierig geworden – das sagte der Angeklagte, der im Winter 2017 bei elf Wohnungseinbrüchen Ware im Wert von mehr als 300.000 Euro erbeutet haben soll, vor dem Rottweiler Landgericht aus.

"Sonst haben wir immer naive Leute hier, die sich herlocken lassen. Sie haben ein gutes Studium und eine Familie", stellte Richter Bernd Koch fest. Was also habe ihn dazu veranlasst, diese schweren Straftaten zu begehen? Das galt es, am zweiten Verhandlungstag zu klären.

Der Angeklagte hatte sich dazu entschieden, Angaben zu machen – auch, weil sich die Kammer im Vorfeld des zweiten Verhandlungstages auf eine Verständigung eingelassen hatte. Bei einer in ihrer Ausführlichkeit zufriedenstellenden Aussage des 28-Jährigen soll die Strafe zwischen viereinhalb und sechs Jahren Haft liegen.

Der Angeklagte gab daraufhin einen Abriss über sein bisheriges Leben. Er erhielt ein Stipendium fürs Studium und durfte ein Praktikum in Bayern machen. Trotzdem seien es schwere Jahre gewesen, so der 28-Jährige. "In der Zeit nach dem Kommunismus war in Albanien alles durcheinander". Parallel erkrankte der Vater. Als ältestes Kind trug nun der Angeklagte die Verantwortung, die Familie zu ernähren. "Es war eine Last", erklärte der Angeklagte. Trotz des Stipendiums habe er arbeiten müssen, um die Familie ernähren zu können.

Einen herben Rückschlag erlebte der 28-Jährige 2013, als er keine Arbeit mehr fand und für ein paar Jahre nach Frankreich ging, um dort Geld zu verdienen. "Um in Albanien einen Job zu finden, hätte ich Schmiergeld zahlen müssen", sagte er. Als es dem Vater schlechter ging, kehrte er nach Albanien zurück. Doch mit dem Geld, das er dort bei Gelegenheitsjobs verdiente, kam er nicht weit.

Im Oktober 2017 reiste der 28-Jährige nach Deutschland ein – offenbar mit dem Plan, bei einer Baufirma zu arbeiten. Dieses Vorhaben zerschlug sich jedoch schnell. Wieso er überhaupt ohne Arbeitserlaubnis herkam? "Ich hatte Vertrauen zu Leuten, die mir etwas versprochen haben", sagt der Angeklagte, der bei einem Freund in Oberndorf untergekommen war, achselzuckend. Ganz rund erschien Richter Koch die Geschichte jedoch nicht, schließlich habe der Angeklagte den ersten Einbruch ja bereits im selben Monat seiner Einreise nach Deutschland begangen. "Ich kann nicht sagen, was mich dazu gebracht hat", so der 28-Jährige. "Ich hatte hohe Kosten und keine Unterstützung. Meine Familie konnte kaum überleben." Über die Idee, in ein Haus einzubrechen, sprach er mit dem Freund. "Er hatte auch Angst, das zu machen, aber irgendwie waren wir dazu gezwungen. Er war auch in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage."

Beim Thema Mittäter macht er dicht

Man habe es vor allem auf Schmuck und Uhren abgesehen gehabt, auch wenn er sich damit nicht sonderlich gut auskenne. Richter Koch wies darauf hin, dass der Angeklagte trotzdem zielsicher die wertvollen Stücke genommen und den Modeschmuck zurückgelassen hatte "Jeder Mensch kann erkennen, was Wert hat, selbst, wenn es um einen Kugelschreiber geht", erwiderte der 28-Jährige.

Die Einbruchsobjekte habe er zufällig ausgesucht. "Ich bin einfach durch die Gegend gefahren." Am 20. Oktober 2017, als sich die ersten Taten ereigneten, habe er mit dem Freund Fußball geschaut und sich während des Spiels entfernt, um in ein Haus in Deißlingen einzubrechen. Weil dort jemand zu Hause war, blieb es allerdings beim Versuch. Auf dem Rückweg vom Spiel fiel die Wahl auf ein Haus in Villingendorf, zu dem er sich mittels eines Schraubenziehers Zugang verschaffte.

Der Angeklagte gab auch je einen Einbruch in Schramberg-Sulgen, Lahr, Böblingen, Wiesbaden, Horb, Tübingen, Reutlingen und Loßburg sowie zwei in Freudenstadt zu. "Wenn man einmal Geld bekommen hat, wird man gierig. Ich bin nicht mit Einbrüchen groß geworden, ich hatte so etwas nicht vor", erklärte er. Einen Teil der Beute habe er in Antwerpen (Belgien) abgesetzt.

Einen weiteren Einbruch in Schramberg-Sulgen stritt der Albaner ebenso ab wie weitere Taten in Wiesbaden, Tübingen und Reutlingen. "Dass Ihr Mobiltelefon in allen Fällen dort in der Nähe festgestellt wurde, war jedes Mal Zufall?", fragte Richter Koch ungläubig nach. Sei es nicht vielmehr so gewesen, dass man zu zweit unterwegs war und parallel bei zwei Objekten eingebrochen habe? "Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich allein war", antwortete der Angeklagte recht vage.

Ein Polizist erklärte, wie man den 28-Jährigen gefasst hatte. Bei den ersten Einbrüchen habe man nahe beider Tatorte die gleiche albanische Mobilfunknummer festgestellt. Nicht nur dank der Verfolgung des Signals bis nach Oberndorf kamen die Beamten schnell auf den 28-Jährigen. Eine Observation wurde eingeleitet, die Mobiltelefone des Angeklagten und seines Freundes überwacht.

Bei der Verfolgung der Albaner habe man auch Verbindungen nach Pleidelsheim und Seligenstadt (Hessen) festgestellt. So sollen vier weitere Personen in das Geschehen involviert gewesen sein. Auch nach der Ausreise des Angeklagten im Januar seien die Einbrüche deshalb weitergegangen.

Mit einer Wohnungsdurchsuchung in Oberndorf kam dann alles ins Rollen. Die Polizei fand dort einen Teil des Diebesgutes und nahm, auch andernorts, diverse Beteiligte fest. Damit war der Einbruchsserie ein Ende gesetzt. Man habe noch festgestellt, dass der 28-jährige Angeklagte schon früher Einbrüche begangen haben muss. So hatte die Polizei seine DNA 2014 und 2016 an entsprechenden Tatorten in der Schweiz gefunden.

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