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Kreis Rottweil Das Ende von Gemüse in Plastik naht

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Immer weniger Obst und Gemüse soll zukünftig in Plastik verpackt werden. Foto: Fuchs

Kreis Rottweil - Plastiktüten-Rollen in der Obstabteilung, an der Theke wird der Käse in Plastikfolie verpackt und an der Kasse gibt's noch eine große Plastiktüte obendrauf, damit man die plastikverpackte Ware auch tragen kann - dieses Szenario ist hierzulande längst Vergangenheit. Stattdessen wachsen Unverpackt-Läden aus dem Boden und Plastiktüten wurden größtenteils abgeschafft.

Das Bewusstsein für Nachhaltigkeit ist in Zeiten von Friday-for-Future-Demonstrationen und Dieselverboten so ausgeprägt wie nie. Diese Entwicklung macht auch vor dem Einzelhandel nicht halt. "Wir trennen natürlich Müll, haben Solaranlagen und Ökostrom, und das schon seit mehr als 20 Jahren", erklärt Alexandra Frankenbach, Inhaberin von Rewe in Oberndorf. Auch werden Bioeier inzwischen aus Brütereien bezogen, die männliche Küken nicht töten.

Der Blick ins Gemüseregal dagegen verrät erst einmal nicht viel von Umweltschutz. Wer Brokkoli oder Pilze mag, hat keine Wahl als auf das Gemüse in Plastikverpackungen zurückzugreifen oder sich einen anderen Laden zu suchen. "Einiges ist schon noch in Plastik verpackt", gesteht Frankenbach. "Dafür bieten wir für Unverpacktes aber wiederverwendbare Beutel an, die sehr gut angenommen werden", sagt sie. Vor deren Einführung im vergangenen Jahr seien 20 Plastiktüten-Rollen am Tag vebraucht worden. Jetzt brauche der Laden nur noch etwa vier pro Woche. Und das mache einen großen Unterschied. Das Bio-Gemüse sei zum Teil in Netze verpackt, die aus Gras hergestellt werden. "Sie sehen aus wie aus Plastik", meint die Geschäftsführerin, "sind aber umweltfreundlich."

An der Fleisch- und Käsetheke vieler Geschäfte hat sich ein weiterer Trend zu Gunsten der Nachhaltigkeit längst etabliert. "Einige Kunden bringen ihre eigenen Behälter mit. Die können sie auf einem Tablett über den Thresen reichen." Die Hygiene-Vorschriften besagen, dass der Verkäufer den Behälter nicht berühren darf. "Wir können ja nicht wissen, wie sauber die Tupperboxen sind", erklärt Frankenbach. Deswegen werde auch das Besteck, mit dem das Produkt in den Behälter gelegt wird, immer gleich wieder gewaschen. "Das bedeutet natürlich erst einmal mehr Aufwand. Wir haben das Mitbringen der eigenen Behälter nicht aktiv beworben, aber nun machen es doch viele Kunden." Ein Plus für die Umwelt sei das allemal. Aber auch wenn die Ware an der Theke verpackt werde, handle es sich bei der Verpackung um Papier mit einer lediglich dünnen Plastikschicht, wie die Geschäftsinhaberin erzählt.

Gesetz verhindert Sparen von Papier

Rewe arbeite verstärkt mit Unternehmen zusammen, die etwas für die Umwelt tun. So biete das Geschäft Mehlsorten an, deren Korn aus besonderen Feldern stamme, erklärt Frankenbach. Rings um die Felder wachsen Wiesenblumen für Insekten.

Über einen unverschuldeten Schritt in die falsche Richtung ärgert sich die Chefin jedoch. "Seit Anfang diesen Jahres besteht eine Belegausgabepflicht", erklärt sie. Das bedeute, dass alle Kassenbons ausgedruckt werden müssen, unabhängig davon, ob der Kunde diese mitnehmen will oder nicht.

Dieses Gesetz ist Teil der Kassensicherungsverordnung, die am 1. Januar in Kraft trat. Diese Verordnung wurde erlassen, um der Kassenmanipulation den Kampf anzusagen. Prinzipiell will der Gesetzgeber so Steuerhinterziehungen vorbeugen. Mit der Belegausgabepflicht wird der Manipulation von Rechnungsfolgen entgegengewirkt. Jede Rechnung hat eine eindeutige Identifikationsnummer. Wird diese Nummernkette unterbrochen, kann hier vom Fiskus Betrug vermutet werden.

"Wir waren bisher nachhaltig und sind nun gezwungen, Unmengen von Papier zu verschwenden", kritisiert Frankenbach. "Sogar der Bäcker muss alle Zettel ausdrucken. Wer nimmt den beim Bäcker einen Kassenzettel mit?" Im vergangenen Jahr habe das Geschäft etwa einen Eimer voll Kassenzettel-Papier pro Tag verbraucht, jetzt seien es geschlagene 20 Eimer am Tag.

Laut einer repräsentativen Befragung des Marktforschers YouGov lehnen 56 Prozent der befragten Bundesbürger die Bonpflicht ab. Unternehmer, die ihre Kasse jetzt noch nachhaltig betreiben wollen, haben lediglich die Möglichkeit, die Bons per Mail zu verschicken. Fraglich bleibt nur, wie gewillt der Kunde wäre, an der Rewe-Kasse oder beim Bäcker seine E-Mail- Adresse zu hinterlassen.

Wer Verpackung reduziert, pflanzt Bäume

Eine Zwischenlösung für dieses Problem versucht Culinaria Neukauf Maier in Rottweil zu finden. "Auf der Mitgliederversammlung von Edeka am kommenden Dienstag werden viele Neuerungen beschlossen", erklärt Anita Hanke, Marktleitung des Geschäfts. "Wir bekommen neue Kassenbons, deren Papier recyclebar ist."

Doch nicht nur das. "Es sind noch einige Sachen in Plastik verpackt. Da wollen wir stark reduzieren." Und zwar bei Gemüse, Obst und Blumen. "Die Sträuße sind zukünftig nicht mehr in Plastikhüllen, sondern in Papier verpackt und die Eimer, in denen sie geliefert werden, sind dann auch aus Papier."

All das werde noch innerhalb diesen Jahres umgesetzt. Auch wolle das Geschäft "dieses Jahr groß mit Bio unterwegs" sein. Die großen Einkaufstaschen, die es an der Kasse zu kaufen gebe, werden ebenfalls auf recyclebares Material umgestellt. "Die Kunden können auf der Tasche nachlesen, wie das funktioniert."

Was auch bei Culinaria schon lange gang und gäbe sei, seien zum Beispiel Tupperdosen an der Wurst- und Käsetheke, Einkaufskartons und Einkaufsnetze. Besonders stolz ist Hanke auf die Baumpflanzkarten. "Pro Artikel aus der Obst- und Gemüseabteilung, der nicht in Plastiktüten, sondern in Einkaufsnetzen verpackt ist, bekommt der Kunde ein gelbes Herz auf seine Sammelkarte geklebt. Wenn die Karte voll ist, wird ein Baum gepflanzt", erklärt sie. Auf diese Weise habe Culinaria den Planeten schon um 500 Bäume reicher gemacht.

Es wird deutlich, in welche Richtung der Trend im Supermarkt geht. Kaum ein Unternehmen kann es sich noch leisten, nicht mitzuziehen. So wird man in Zukunft wohl keine Folien, Plastikrollen und -tüten mehr finden, dafür umso mehr Grasnetze, Kartons und Baumpflanzkarten an der Kasse.

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