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Kreis Rottweil Coronavirus: Leben im Ausnahmezustand

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Der Bürobetrieb läuft wieder, die Sicherheitsmaßnahmen sind hoch. Täglich und überall wird Fieber gemessen. Foto: Kohler

Rottweil/Schramberg/Seoul/Schanghai - Das Tragen der Schutzmaske gehört für ihn längst zum Standard. Fiebermessen am Eingang zum Büro ebenfalls: Während die Menschen in seiner Heimat im Kreis Rottweil aufgrund des Coronavirus in Aufregung sind, ist Frank Kohler seit Wochen mittendrin. Der 51-Jährige aus Zimmern-Flözlingen lebt und arbeitet seit fünf Jahren für einen deutschen Automobilzulieferer in Schanghai als Personalleiter für alle chinesischen Werke.

Mehr zur Ausbreitung des Virus in der Region gibt es in unserem Blog.

In der chinesischen Metropole mit 24 Millionen Einwohnern kehre nach dem Ausbruch des Coronavirus mittlerweile wieder etwas Normalität ein, berichtet Kohler unserer Zeitung. "Die regelmäßigen Berichte unserer Arbeitssicherheit zeigen, dass sich die Anzahl der neuen Infektionen und der Todesfälle stabilisiert und sogar abnimmt. Das gibt uns Hoffnung, dass der Gipfel überschritten ist und die Maßnahmen wirksam sind." Die Menschen in China gingen sehr gefasst und optimistisch mit dem Ausnahmezustand um.

Für eine 47-Jährige aus Schramberg ist der Blick auf die "Coronamap" im Smartphone zur Gewohnheit geworden: Die grünen und gelben Kreise auf der Kartenansicht vermehren sich täglich, rücken immer näher an den roten Punkt heran. Der rote Punkt – das ist ihr Standort in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul, wo sie derzeit lebt und für ein Schramberger Unternehmen arbeitet. Die farbigen Kreise zeigen, wo sich mit dem Virus infizierte Menschen zuvor in welchem Zeitraum aufgehalten haben.

Der Zähler in der oberen Ecke zeigt an: 12 Tote, 1225 Infizierte

Mit der App der Regierung kann sie die Ausbreitung des Virus "live" mitverfolgen und die betroffenen Orte meiden. Bei größeren Ausbrüchen verschickt die Gesundheitsbehörde Notfallmeldungen. "Es sind 26 neue Fälle seit heute morgen – ganz bei mir in der Nähe", berichtet die Schrambergerin am Mittwoch. Der Zähler in der oberen Ecke der App zeigt an: 12 Tote, 1225 Infizierte. Eigentlich wollte sie gelassen bleiben, mittlerweile wird es ihr allerdings doch ein bisschen mulmig. Immerhin sagt sie: "Die Leute hier befolgen alle Regelungen sofort, überall wurden blitzartig Desinfektionsmittel aufgestellt." Gut findet sie auch, dass die Datenbanken transparent und für alle einsichtig seien.

Frank Kohler in Schanghai sagt: "Aus meiner Sicht hat China relativ schnell reagiert. Andere Länder – wie Deutschland und die USA – haben selbst Wochen nach den ersten Fällen noch keine Temperaturmessungen für Reisende eingerichtet."

Seine Frau und sein Sohn befinden sich derzeit in Rottweil. Nach einem Familienurlaub in den USA hatten sie am 9. Februar entschieden, dass Frank Kohler aufgrund der unklaren Lage allein nach Schanghai zurückkehrt, und Frau und Sohn nach Deutschland fliegen. Antje Kohler wundert sich über die unkomplizierte Einreise: "Obwohl in meinem Pass stand, dass ich vor den USA in Schanghai war, wurde ich nicht kontrolliert."

Ihr Mann saß derweil im Flieger nach China mit zum Teil völlig in Schutzanzügen eingepackten Mitreisenden. "Nach der Landung wurden einige an Bord mit Fiebermessung und Abfrage der Aufenthalte überprüft, bevor wir aussteigen konnten." Die Unsicherheit sei zunächst groß gewesen. "Mein Fahrer hat mich zum Einkaufen abgeholt. Die Straßen waren fast menschenleer. Im Einkaufszentrum gab es die Temperaturkontrolle, beim Lebensmittelladen nochmals. Ich war erleichtert zu sehen, dass es noch fast alle Lebensmittel gab. Gemüse, Obst, Fleisch, Eier – alles da."

Das Gebäude riecht nach Chlor, alles wird regelmäßig desinfiziert

Die ersten zwei Wochen verbrachte Frank Kohler im Homeoffice, weitgehend ohne persönlichen Kontakt zu anderen. "Das drückt schon aufs Gemüt."

Inzwischen wurde der Bürobetrieb wieder aufgenommen. Das ganze Gebäude rieche nach Chlor, alles werde regelmäßig desinfiziert. Die Kontrollen seien streng. Einmal sei er in seiner Wohnanlage ohne Maske mit dem Hund vor die Tür gegangen, erzählt Kohler. "Umgehend kam jemand herbeigeeilt und schickte mich wieder rein."

Es habe auch während der heißen Phase keine Panik geherrscht. "Welche Maßnahmen auch immer angekündigt sind – Selbstisolation, Wohnung nicht verlassen, Schließung der öffentlichen Anlagen – alles wird von den Leuten geduldig aufgenommen und als notwendig unterstützt", berichtet er. In WeChat – der größten Social Media Plattform – sehe er viele aufmunternde Berichte und Zuspruch. Inzwischen scheine sich die Lage zu entspannen. "Ab nächster Woche sollen weitere Beschränkungen gelockert werden. In der Firma fahren die Werke die Produktion langsam hoch." Wie sich der Autoabsatz in den nächsten Monaten entwickelt, wisse natürlich niemand.

Keine Diskussion: In China wird beschlossen und umgesetzt

Der 51-Jährige hofft, dass man sich in Deutschland "nicht mit langem Diskutieren und Ausarbeiten der vermeintlich optimalen Lösung" aufhält. In China werde beschlossen und umgesetzt – das sei zumindest in Krisenzeiten wohl die bessere Herangehensweise.

Wie die Schrambergerin aus Seoul berichtet, sei die Lage mittlerweile ernst. "Aber die Koreaner machen das Beste daraus." Sie notgedrungen auch. Sie glaubt aufgrund ihrer guten gesundheitlichen Konstitution nicht, dass sie selbst durch das Virus schwerwiegend erkranken würde.

Dass auch die Familie von Frank Kohler unerschrocken ist, zeigen die Pläne des 17-jährigen­ Sohnes. Dieser will unbedingt zurück nach Schanghai. "Er kennt hier niemanden", sagt seine Mutter. Außderdem stehen in der internationalen Schule in Schanghai wichtige Prüfungen an. Momentan läuft der Schulunterricht noch online. "Das wurde sofort umgestellt und lief super", berichtet Antje Kohler. Auch die Betreuung durch die Botschaft sei hervorragend.

Antje Kohler bleibt noch in Deutschland, weil ohnehin bald Familienfeiern anstehen, doch der Flug für den Sohn nach Schanghai ist nun für Montag gebucht. Die Familie hofft, dass alles klappt und sich die Situation nicht bald umkehrt. "Jetzt, wo die Chinesen die Lage einigermaßen im Griff haben, lassen sie womöglich uns Europäer bald nicht mehr rein."

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