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Kreis Rottweil Kommentar: Die Lage droht zu entgleiten

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Von Armin Schulz - Das Coronavirus ist sehr gemein. Es handelt auch so. Der Krankheitserreger hat die Verantwortlichen im Kreis Rottweil auf eine falsche Fährte gelockt. Und sie sind ihm gefolgt. Zunächst, als andernorts die Fallzahlen bereits nach oben gingen, blieb man im Kreisgebiet recht gelassen. Man fühlte sich sicher. Als befände man sich in einer Trutzburg. Oder auf einem anderen Stern.

Die äußeren Umstände gaben den Behörden recht: Erst gab es gar keine Erkrankten, dann nahm die Anzahl nur langsam zu. Landratsamt und Gesundheitsbehörde vermittelten den Eindruck, alles im Griff zu haben. Sie waren davon bestimmt auch überzeugt. Die Kontaktketten der Infizierten konnten nachvollzogen werden. Das ist wichtig, um die betroffenen Menschen isolieren und so die Ausbreitung eindämmen zu können. Betont wurde dabei immer auch, dass sich die Patienten außerhalb des Kreises angesteckt hätten. Und nicht in den Städten und Dörfern des Kreises. Innen hui, außen pfui. Unser Laden ist sauber, so die Botschaft.

Schon damals, vor gut zwei, drei Wochen, wurden Nachfragen zur Testhäufigkeit abgeklärt pariert. Die Strategie war geprägt von der Taktik, nichts überstürzen zu wollen. Eine ruhige Hand wurde der Pandemie entgegengestreckt. Vielleicht wäre schon damals ein agileres Handeln sinnvoll gewesen. Denn jetzt, das ist gewiss, hat die Viruswelle auch den Kreis Rottweil mit Wucht erreicht.

So eine Krise konnte niemand voraussehen. Und mit so einer Krise hat noch kein Landrat, kein Oberbürgermeister, kein Bürgermeister zu tun gehabt. Durchgespielt wurden die Szenarien dennoch. Vor acht Jahren wurde der Katastrophenfall geübt. Man wusste damals, was an Ausrüstung nötig sein würde, um in einer solchen außerordentlichen Lage operieren zu können.

Dass es nun an wichtiger Schutzausrüstung - ­Atemschutzmasken und Schutzbekleidung - landauf landab fehlt, ist ein Skandal. Skandalös ist auch die nicht ausreichende Kapazität an Testmaterialien und medizinischen Laboren. Unfassbar ist zudem, dass jeder Landkreis sein eigenes Ding dreht, als würde es sich jedes Mal um einen anderen Ernstfall handeln. So schauen wir von Rottweil aus verblüfft nach Freudenstadt und Balingen, wo die Frage der Testhäufigkeit anders beantwortet wird als in Rottweil. In diesen Landkreisen werden um ein Vielfaches mehr Proben entnommen und ausgewertet. Warum? Um auf der Grundlage einer gesicherten Datenbasis gezielt zu agieren. Während man so im Kreis Rottweil nur 50 Abstriche täglich allein schon aus Kapazitätsgründen an das Labor Gärtner in Ravensburg schicken darf, gibt es in Balingen ein Start-up, das die vierfache Menge bewältigen kann. Und während man sich in Balingen dem Ansturm von Coronavirus-Patienten wappnet und eine Kreissporthalle entsprechend ausrüstet, ist hier von solchen Bemühungen nichts bekannt. Nicht einmal der Vorsitzende der Kreisärzteschaft weiß etwas davon, will dieses Thema in der kommenden Woche forcieren.

Nein, die Bürger und wir haben nicht das Gefühl, dass die Verantwortlichen die Lage im Griff haben. Eher ist der Eindruck der, dass ihnen die Lage zu entgleiten droht. Dabei ist es nie zu spät, vom Stand-by- in den Betriebsmodus zu schalten. Aber das muss jetzt passieren.

Ihre Redaktion vor Ort Rottweil

Armin Schulz

Fax: 0741 5318-50

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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