Geht da alles auf dem Lohnzettel mit rechen Dingen zu? Mancher Leiharbeiter zweifelt daran, wenn er die Abrechnungen genauer anschaut. Foto: Gambarini

Leiharbeiter wehrt sich gegen Verrechnungsmodelle. Stundenlohn einfach eingefroren. IG-Metall: gängige Praxis.

Kreis Rottweil/Villingen-Schwenningen - Sein Problem? Er hinterfragt Lohnabrechnungen. Noch schlimmer, er hakt nach. Und stößt auf "Tricksereien" seiner Leiharbeitsfirma. Mit solchen Recherchen "machen Sie sich keinen Gefallen", soweit der O-Ton aus der Branche.

Das Problem im Allgemeinen, schildert Nicolas Bauer von der IG-Metall Villingen-Schwenningen im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten: Die Abrechnungen bleiben undurchsichtig, für die betroffenen Leiharbeiter sind sie oft schwer zu verstehen. Unstrittig, fährt er fort, seien zwar Stundenlöhne und Tarifgruppen. Mangelnde Transparenz wirft er einigen Firmen dagegen vor, wenn es um Branchenzuschläge, Überstunden und vor allem diverse Verrechnungsmodelle geht, in denen solche Zuschläge einfließen. "Jede Firma verfährt da anders."

Das Problem in diesem Fall: Ihnen werden, sagen wir mal, 13 Euro Stundenlohn von Beginn der Leiharbeitszeit an angeboten und damit zwei Euro mehr als normal. Garniert mit dem Versprechen, dass auch die branchenüblichen Zuschläge ausbezahlt werden, die nach sechs Wochen greifen müssen und nach und nach angehoben werden. Da staunen manche Betroffene nicht schlecht, wenn sich Branchenzuschläge nach geraumer Zeit auf 30 Prozent belaufen und sich dies deutlich im ausbezahlten Lohn darstellen müsste. Die Zuschläge aber bei einem Wert von 20 Prozent unterm Strich höher ausfielen? Alles eine Frage der Verrechnung, oder eher ein Rechenfehler? Oder sind da Rechenkünstler am Werk, die hauptsächlich den eigenen Reibach im Blick haben, wie Bauer vermutet. "Da wird so viel verrechnet, dass unterm Strich stets die anfänglichen 13 Euro herauskommen. Nach fünf Monaten ist das bereits ein Verlustgeschäft." Nach neun Monaten müsste der Zugewinn 50 Prozent betragen, der Arbeitnehmer hätte theoretisch einen Stundenlohn von bald 17 Euro, statt der ausbezahlten 13 Euro. In Kürze wird er das Gespräch mit der Firma suchen. »Nicht selten wird der Lohn zur Manövriermasse«, weiß Bauer aus Gesprächen mit den Leiharbeitern, die das Gespräch mit der Gewerkschaft suchen.

Die Transparenz fehle bei einigen Leiharbeitsfirmen, kritisieren vereinzelte Geschäftsführer die eigene Branche. Und auch in einem anderen Punkt sind sich Beobachter und der Gewerkschafter einig. Bei der Rolle der Unternehmen in diesem für viele Betroffene so unwürdigem Spiel: "Den einen ist es egal, was bei den Leiharbeitern hängen bleibt", erläutern die beiden. "Für die liegt die Verantwortung allein bei den Leihfirmen." Den anderen wiederum ist es wichtig, "dass bei diesen Arbeitnehmern auch gutes Geld ankommt."

Die Betroffenen schweigen nur zu oft. Wenige sind gewerkschaftlich organisiert. Viele fürchten Repressalien der Leiharbeitsfirmen. Und sie befürchten nicht zu Unrecht, vor die Tür gesetzt zu werden, um wieder bei Null anzufangen. Dann fallen nicht nur die Zuschläge weg, die sie sich verdient hatten. Sie müssen auch wieder zwei Jahre warten, bis man ihnen eine feste Stelle anbietet, was ihr gutes Recht ist.

Die Rolle der Betriebsräte in diesem Spiel mit den Abrechnungen? Nicht immer werden Betriebsräte so aktiv wie im Falle jener Leiharbeiterin, die an ein Unternehmen im Stuttgarter Raum und in den Schichtdienst vermittelt werden sollte. Als die Frau geltend machte, dass sie mit Bahn und Bus nicht bereits um 4 Uhr Richtung Stuttgart fahren konnte, wurde ihr gekündigt. Nicolas Bauer würde es so formulieren: "Es gibt Betriebsräte, die engagieren sich für Leiharbeiter, andere eben nicht so."