Eine große Bandbreite an Kleindenkmalen ist dank des Einsatzes der ehrenamtlichen Helfer jetzt erfasst. Foto: Landratsamt

Landrat Wolf-Rüdiger Michel dankt den ehrenamtlichen Erfassern. Jetzt das Bewusstsein in der Öffentlichkeit wecken.

Kreis Rottweil - Im Landratsamt traf sich das "Denkmalparlament" zur Abschlussfeier. Innerhalb von nicht einmal zwei Jahren stöberten 145 Erfasser 5689 Kleindenkmäler auf. Die landesweite Erfassung von Kleindenkmälern geht, zumindest für den Kreis Rottweil ihrem Ende entgegen.

Noch im Dezember werden wohl die letzten 14 der insgesamt 74 Ortsteile erfasst sein, und die endgültige Zahl der entdeckten und dokumentierten Kleindenkmäler feststehen.

Die Stimmung im Großen Sitzungssaal war feierlich. Über zwei Stunden dauerten die Dankesreden, doch die Aufmerksamkeit flachte nicht ab. Es geht um die 145 ehrenamtlichen Erfasser, die dem Kreis, die dem Land ehrenamtlich einen großen Dienst erwiesen haben. Die Bandbreite der erfassten Kleindenkmale reicht von Grenzsteinen, Gedenksteinen und Kriegerdenkmälern, Feldkreuzen, Bildstöcken und Wegkapellen über Bogenbrücken, Backhäuschen, Bunker, Quellstollen, Brunnen, Steinbrüche sowie Mühl- und Bewässerungskanäle bis hin zu so seltenen Objekten wie den Sprengkammern an der Landstraße bei Mühlheim am Bach und den Aufbau einer Grundwasser-Saugstelle des ehemaligen Zwangsarbeiterlagers in Altoberndorf mit Flakgeschützbasis, berichtete Kreisarchivar Bernhard Rüth. Auch konnten Kleindenkmäler mit besonderem Seltenheitswert gefunden werden wie die das Grabmal des Freiherrn von Frank von 1789 bei Leinstetten, die alte Erzbreche beim Bruderhaus in Fluorn aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und die Verankerungen von Drahtsteilen zur Flugabwehr aus dem zweiten Weltkrieg in Oberndorf am Neckar.

"Sie sind eine wahre Denkmallobby", lobte Landrat Wolf-Rüdiger Michel die Erfasser, "sie bewältigten in ihrer Freizeit eine Heidenarbeit und haben sich in der Denkmallandschaft verdient gemacht".

Die landesweite Initiative wurde schon vor 20 Jahren vom Schwäbischen Heimatbund (SHB) angeregt, berichtete Gerhard Wolf vom SHB. Nun hoffe er, dass die gefundenen Stücke nicht nur archiviert werden, sondern weiter Beachtung finden und die Ergebnisse schriftlich festgehalten werden. Aber dies scheint bereits in Planung. Im kommenden Jahr will das Kreisarchiv eine Buchpublikation in Angriff nehmen, berichtete Rüth.

Auch Martina Blaschka vom Landesamt für Denkmalpflege, das die Ergebnisse nun bearbeitet, gab vielerlei Anregungen für die weitere Öffentlichkeitsarbeit. Zu den Kleindenkmälern, "die als Zeitzeugen ihr Umfeld prägen", könnten Wanderungen und Vorträge stattfinden. Wichtig sei, die Menschen für die Objekte zu sensibilisieren und deren historischen Wert zu verdeutlichen.

Für Hans Harter könnte damit wohl beim Wasserwirtschaftsamt begonnen werden. Der Erfasser, der gleichzeitig den Bereich Schramberg koordinierte, ärgerte sich, dass das eine Amt (Kreisarchiv) sich um die Kleindenkmäler bemüht, während das andere (Wasserwirtschaftsamt) die historische Wertigkeit eher als "erhebliche Störung ihrer Tätigkeit" empfindet. Kaum das er eine Eisenbahnbrücke von 1886 dokumentiert hatte, wurde die "alte Rostlaube" durch eine neue ersetzt. Und dem nicht genug, sollen für den ungestörten Wanderweg mancher Fischarten auch die alten Flusswehre verschwinden. So sei es in Rottweil bei der Dreherschen Mühle mit dem Wehr bereits geschehen, erinnerte Winfried Hecht, der für den Bereich Rottweil die Erfassung koordinierte. Harter jedenfalls hofft, dass mit der Arbeit der Erfasser die Kleindenkmäler im Bewusstsein bleiben und ihre historische Dimension erkannt wird.

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