Rekordhitze und kaum Niederschläge lassen die Pegel der Gewässer sinken. Für die Flussbewohner wird es kritisch.
Der Sommer 2025 ist noch jung, trumpft aber schon mit Hitzerekorden auf. Viele Wetterstationen melden bereits Ende Juni Temperaturen von bis zu 40 Grad, was für diese Zeit außergewöhnlich hoch ist. Diese frühen Hitzerekorde lassen befürchten, dass 2025 ein besonders heißer Sommer werden könnte, wie Experten erklären. Zur Hitze gesellt sich Trockenheit. Die spärlichen Niederschläge machen sich negativ bemerkbar. Sollten die für kommende Woche angekündigten Regenfälle keine ausreichende Entspannung bringen, wird das Landratsamt voraussichtlich ab der kommenden Woche eine Allgemeinverfügung mit einem Entnahmeverbot für die Oberflächengewässer des Landkreises mit Ausnahme des Rheins erlassen, wie die Behörde auf Anfrage mitteilt. Denn: Die Situation sei bereits kritisch. Für den Pegel der Kleinen Wiese in Tegernau hat die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) eine Vorstufe zum Niedrigwasser festgestellt, Einschätzung des Landratsamts zufolge liegen die anderen Pegel ebenfalls im Bereich der Vorstufe zum Niedrigwasser oder auch schon im Bereich des Niedrigwassers. Die Situation bei den Zuläufen ist vergleichbar angespannt.
Im vergangenen Jahr wurden die Niedrigwasserstände erst im August erreicht. Am 30. Juni betrug der Tagesmittelwert der Wiese in Zell 16 Zentimeter. Im Vorjahreszeitraum 52 Zentimeter, damals kam es erst am 14. August zum Verbot der Wasserentnahme für Bäche, Flüsse und Seen. Übrigens: Wer das Verbot missachtet, kann mit Bußgeldern von bis zu 10 000 Euro bestraft werden.
Sauerstoffmangel in Gewässern
Darüber hinaus wirken sich die hohen Temperaturen negativ auf Flora und Fauna der Oberflächengewässer aus. Denn: Das aquatische Ökosystem werde destabilisiert. „Bei den hohen Temperaturen kommt es zum Beispiel zu Sauerstoffmangel, es wird Algen- und Bakterienwachstum begünstigt, die Wasserqualität verschlechtert sich, und es kann zu einer Veränderung der Besiedelung kommen“, erklärt Alice Schneider, Fachbereichsleitung Umwelt im Landratsamt.
„Die aquatischen Lebewesen versuchen in Kolke oder sogenannte Gumpen, also Rückzugsräume, auszuweichen. Dort ist die Temperatur etwas kühler und sie haben einen besseren Schutz vor Fressfeinden. Die Wassertemperatur beeinflusst maßgeblich eine Vielzahl von biologischen und physikalisch-chemischen Prozessen im Gewässer und steuert die Geschwindigkeit des Stoffwechsels. Somit wirkt sie sich direkt auf alle im Wasser lebenden Organismen aus. Fische sind Teil der Lebensgemeinschaft eines Gewässers. Ist diese Lebensgemeinschaft durch Niedrigwasser beeinträchtigt, führt das auch bei Fischen zu körperlichen Beeinträchtigungen. Sehr temperatursensibel seien Bachforellen und Äschen.
25 Grad können tödlich sein
Dass die Gewässertemperaturen bereits sehr hoch sind und weiter steigen, macht Holger Stockhaus deutlich. Der Jagd- und Fischereiverwalter im Amt für Wald und Wild beider Basel. Doch was bedeutet das für die Fische konkret? „Die kälteliebenden Arten geraten in Stress. Ab etwa 22 Grad nehmen sie weniger oder keine Nahrung mehr zu sich, ab 25 Grad können die Temperaturen tödlich sein. Bei hohen Temperaturen ist es erforderlich, die Fische frühzeitig in ihrem Lebensraum zu schützen und weitere Stressfaktoren wie Baden zu vermeiden. Durch den Verzicht auf Besatz und die Förderung der natürlichen Verlaichung stellen wir eine gewisse Adaption an die sich verändernden Bedingungen fest“, führt der Experte aus. Ein letztes Mittel, um die Gewässerbewohner vor dem Tod zu bewahren, ist das Abfischen.
Renaturierung gut für Pegelstände
Derweil wirken sich Renaturierungsmaßnahmen entlastend aus. Solche Gewässer bieten verschiedene Wassertiefen, Versteckmöglichkeiten und durch Verschattung und Besonnung unterschiedliche Temperaturen im Gewässer. „Flussläufe werden so gestaltet, dass die Fließgeschwindigkeit gedrosselt wird und gleichzeitig dynamischere Strukturen entstehen. Daher wirkt sich die Renaturierung auch positiv auf die Pegelstände aus“, sagt Schneider. Außerdem werde der Austausch zwischen Oberflächengewässer, Boden und Grundwasser gefördert, was sich positiv auf den Wasserhaushalt insgesamt auswirkt. Auch in Basel fand in den vergangenen Jahren in einigen Abschnitten eine Revitalisierung statt. Mit „WieseVital“ soll der Flussabschnitt innerhalb der Langen Erlen zwischen dem Tierpark und der deutsch-schweizerischen Grenze neu gestaltet werden. Ziel ist, dass sich die Wiese innerhalb ihrer Dämme frei bewegen kann.