Die Gewerkschaft hat Beschäftigte im öffentlichen Dienst in Lörrach zum Streik für mehr Lohn und zusätzliche freie Tage aufgerufen.
„Zusammen geht mehr“ steht auf den gelben Westen der Streikenden, die sich wegen des Regens am Mittwochmittag im Nellie Nashorn versammelt haben. Als Verdi-Gewerkschaftssekretärin Melanie Kühn die Bühne betritt, wird es laut im Saal, immer wieder brandet Applaus auf.
Mehr Lohn gefordert
Die Beschäftigten im öffentlichen Dienst fordern acht Prozent mehr Lohn, mindestens 350 Euro und drei zusätzliche freie Tage. Dass es in der zweiten Verhandlungsrunde noch gar kein Angebot von gibt, ist ein Novum, erklärt Kühn im Gespräch mit unserer Zeitung. Trotz intensiver Bemühungen haben die bisherigen Verhandlungen in Potsdam zwischen Verdi und dem Arbeitgeberverband VKA keine Ergebnisse erzielt. Stattdessen versuche die Arbeitgeberseite die Probleme klein zu reden und behaupte, dass es den Fachkräftemangel nicht gebe.
Mehr als 570 000 Stellen deutschlandweit unbesetzt
Allerdings sind laut Kühn im öffentlichen Dienst deutschlandweit 570 000 Stellen unbesetzt. Hinzu käme derzeit die Grippewelle, die viele Beschäftigte ins Bett zwinge, was den Personalmangel zusätzlich verschärfe. „Es funktioniert nichts mehr, weil es zu wenig Personal hat“, ruft Kühn von der Bühne. Die Menge klatscht und macht Lärm, um ihre Zustimmung zu signalisieren. Seitens der Regierung kämen Landkreisen und Kommunen immer mehr Aufgaben zu. Deshalb hält Kühn die Forderungen für gerechtfertigt: „Wer mehr Arbeit zu bewältigen hat, braucht mehr Lohn.“
Es geht ums Kindeswohl
Vor allem in der Jugendhilfe ginge es um das Kindeswohl, doch die Beschäftigten im Jugendamt „stehen allein mit der Verantwortung da“. Präventive Maßnahmen können seit Jahren nicht mehr geleistet werden, erklärt Kühn in ihrer Ansprache. Die Beschäftigten gingen an ihre Belastungsgrenze, fährt Kühn ihn ihrer Ansprache fort und bekommt auch dafür Applaus. „Es ist für uns unverständlich, dass wir am Verhandlungstisch nicht weiterkommen.“
Keine klassische Demo
Die Gewerkschaft hat sich für dieses Mal gegen eine klassische Demonstration mit versammelten Menschen in der Innenstadt ausgesprochen, wie Kühn im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt: aus Pietätsgründen wegen des tödlichen Anschlags in München. Dort war ein junger Afghane mit seinem Auto in eine Verdi-Kundgebung gefahren.
„Ohne Streik wird sich nichts ändern“, feuert Kühn die Menge an, die wiederum lautstark ihre Zustimmung äußert. Die dritte Runde der Tarifverhandlungen ist vom 14. bis 16. März in Potsdam angesetzt.