Wer seine Apfelplantagen vor Hagel und Sonnenbrand schützen kann, hat zwei Risiken für Ernteausfälle weniger. Foto: ‚

Deutsche Obstbaubetriebe erwarten eine unterdurchschnittliche Ernte, deutsche Äpfel sollen sogar knapp werden. Im Landkreis Lörrach hatten die Obstbauern Glück, denn die Apfelernte ist gut, trotz früher Blüte, Spätfrost und regenreichem Frühjahr.

Der Apfel gehört zum deutschen Lieblingsobst, etwa 20 Kilogramm pro Jahr werden hierzulande verzehrt. Doch nun erwartet deutsche Obstbaubetriebe eine weit unterdurchschnittliche Ernte, die laut des Statistischen Bundesamts die schlechteste seit 2017 werden könnte.

 

Gründe dafür sind Spätfröste während der Blütezeit und das regenreiche Frühjahr. „Deutsche Äpfel werden knapp“, ist auf der Webseite von agrarheute.com nachzulesen. Nur im Alten Land, dem größten geschlossenen Obstanbaugebiet Europas bei Hamburg und Niedersachsen, zeige man sich optimistisch.

Zuversicht im Landkreis

Voller Zuversicht im Hinblick auf die kurz bevorstehende Apfelernte sind aber auch die Obstbauern im Landkreis Lörrach. „Bei uns ist es sogar hervorragend“, sagt Alexander Drechsle vom gleichnamigen Obsthof auf dem Rührberg bei Grenzach-Wyhlen.

Auch Klaus Nasilowski, Kreisfachberater für Obst- und Gartenbau im Landratsamt Lörrach, spricht von einer guten Ernte und meint: „Wir sind im Landkreis mit einem blauen Auge davongekommen.“ Für ihn bleibt es bis zum Abschluss der Ernte aber spannend, denn Hagel oder die Mittelmeerfruchtfliege, könnten noch zuschlagen. Das Perfide an dem invasiven Schädling: mit dem bloßen Auge ist nur schwer zu erkennen, ob der Apfel befallen ist. Die Made bohrt einen sehr kleinen Gang, an dem sich aber im Inneren sogleich Fäulnis bildet. Das Herkunftsgebiet der Mittelmeerfruchtfliege liegt in Afrika. Sie ist vor allem in den Tropen und Subtropen ein gefürchteter Schädling im Obst- und Gemüseanbau.

Eingeschleppt durch Tourismus und weltweiten Handel

Meist wird sie über den weltweiten Handel oder über den Tourismus eingeschleppt und kann inzwischen auf allen Kontinenten festgestellt werden. Aufgrund geänderter klimatischer Bedingungen mit milden Wintern besteht mittelfristig die Gefahr, dass sich der Schädling auch in unseren Breiten etabliert. „Und zum jetzigen Zeitpunkt gibt es keine Mittel, die zum Schutz der Pflanzen speziell gegen die Mittelmeerfruchtfliege eingesetzt werden können“, sagt Nasilowski. Auch insgesamt werde es für Erwerbsobstbauern im Landkreis immer schwieriger, die Ernte zu schützen und damit die Existenz zu sichern. So seien auch Unwetter mit Hagel und Starkregen immer häufiger und stärker. Auch wenn der Landkreis zuletzt Glück gehabt und von Starkregen mit Hochwasser wie im Allgäu verschont geblieben ist.

Gefahr von Ausfällen steigt

Doch die wärmeren Temperaturen im Januar und Februar führen zu verfrühten Blütezeiten und erhöhen somit die Gefahr von Ausfällen durch Frost im Frühjahr. Deshalb beginnt die Apfelernte auch nicht erst im Herbst, sondern bereits im August. „Dieses Jahr hatten wir mehr Glück als Verstand“, sagt Alexander Drechsle. Vor Hagel braucht er sich nicht zu fürchten, denn große Teile seiner Anlage sind durch Netze geschützt. Er gibt zuversichtlich, dass die Mittelmeerfruchtfliege die Ernte nicht kurz vor knapp noch schädigt und hofft, dass „die paar Tage Winter gereicht haben, um den Schädling klein zu halten“.

Im vergangenen Jahr konnte er in seinen Plantagen vereinzelte Exemplare feststellen. „Vielleicht haben wir Glück, wegen der höheren Lage des Rührbergs und damit kälterer Bodentemperaturen“, vermutet Drechsle. Die Zukunft des Erwerbsobstbaus im Landkreis sieht aber auch er nicht nur rosig: „Die Kosten explodieren und der Druck vom Ausland ist da, weil dort billiger produziert wird.“

Weniger effizient

Zudem sieht er es kritisch, dass viele wirksame Schutzmittel nicht mehr zugelassen werden. So müsse man auf Mittel ausweichen, die weniger spezifisch und weniger effizient seien, was die Häufigkeit erhöhe. Zwar arbeite Drechsle auch an biologischen Lösungen und versuche Schaderreger durch Nützlinge im Griff zu haben. Für Großerzeuger kämen solche Lösungen aber oft nicht in Frage, „die sind finanziell enger dran“, meint Drechsle.