Für Frauen, die Gewalt erfahren, ist das Frauenhaus eine wichtige Anlaufstelle. Foto: pixabay

Das Frauenhaus Lörrach zieht für das vergangene Jahr Bilanz: 54 Frauen und 59 Kinder wurden aufgenommen. Derweil mussten so viele Schutzsuchende abgewiesen und weitervermittelt werden wie noch nie.

Das Frauenhaus Lörrach hat die Anzahl der Plätze auf 24 verdoppelt. Das bringt auch zusätzliche Stellen mit sich, die erst einmal besetzt werden müssen. Es sei schwierig gewesen, Fachpersonal zu finden, berichteten die Geschäftsführerinnen Antje Lauber und Carolin Throm am Dienstag bei der Präsentation des Jahresberichts 2024.

 

Insgesamt 54 Frauen und 59 Kinder haben vergangenes Jahr im Frauenhaus Schutz gefunden. Rund 37 Prozent kamen aus dem Landkreis Lörrach, 20 Prozent aus einem anderen Bundesland. Lange Zeit musste das Frauenhaus mit zu wenig Personal arbeiten, weshalb die Auslastung nur bei rund 65 Prozent lag, wie die Verantwortlichen darlegten.

Geben Frauen in Not Halt: Carolin Throm und Antje Lauber. Foto: Hanah Schneider

Das vergangene Jahr sei geprägt gewesen durch Personalschwankungen, und auch der Generationenwechsel beschäftige das Team. „Jetzt ist es wichtig, Strukturen zu schaffen, um Erfahrung und Wissen weiterzugeben“, sagte Throm. Lauber zufolge würde damit der Boden geschaffen für neue Kolleginnen. Erst gegen Jahresende sei eine annähernd volle Belegung der insgesamt 24 Plätze möglich gewesen, wie die Geschäftsführerinnen berichteten. Das Team sei nun nahezu vollständig – eine Stelle als Sozialpädagogin ist derzeit noch unbesetzt.

Barrierefreiheit ermöglicht

„Das Frauenhaus soll für jeden möglichst barrierefrei und niederschwellig sein“, sagte Lauber. Durch die Gewinnung eines barrierefreien Apartments konnte zwei Frauen mit Handicap Zuflucht geboten werden sowie einer Frau über 70 und einer weiteren über 65 Jahre. „Gewalt gegen Frauen hat keine Altersbeschränkung“, merkte Throm an.

Die Zahl der Frauen zwischen 51 und 70 Jahren sei im Gegensatz zu den Vorjahren leicht gestiegen. Den größten Anteil machte nach wie vor die Altersgruppe von 36 bis 40 Jahren aus (26 Prozent). Durch die Erweiterungen können nun auch Jungen ab 13 Jahren aufgenommen werden. Diese könnten mit ihren Müttern so untergebracht werden, dass es das Leben der anderen Bewohnerinnen nicht maßgeblich einschränke. Dies bringe jedoch auch die Herausforderungen von speziellen Angeboten mit sich, da die Jungen auch Männer in ihrem Umfeld bräuchten. Wichtig sei hier die Vermittlung eines anderen Männerbildes als jenes, das sie zuhause kennengelernt haben. Throm und Lauber sehen „einen riesengroßen Bedarf“ an Angeboten für Kinder, die von Gewalt geprägt sind. An diesen fehle es.

Der gefährlichste Ort

Der Ehemann ist der häufigste Grund für eine Flucht (50 Prozent), darauf folgt der Freund (rund 20 Prozent). „Das Zuhause, wo es sicher sein soll, ist der gefährlichste Ort für Frauen“, erklärte Throm. Zehn Frauen konnten eine eigene Wohnung für sich und ihre Kinder finden. Dieser Prozentsatz sei jedoch erschreckend niedrig, weshalb händeringend nach Wohnraum gesucht werde, wie Throm ausführte. Gerade für Frauen in solchen Situationen sei es schwierig, eine Wohnung zu finden, weshalb Throm die Bitte an potenzielle Vermieter formulierte, das Frauenhaus zu kontaktieren.

Finanzierung ist Problem

Weiterhin problematisch sei eine gesicherte Finanzierung. Denn: Bei in Not geratenen arbeitslosen Frauen aus der Europäischen Union, die sich kürzer als fünf Jahre in Deutschland aufhalten, besteht weder ein Anspruch auf Bürgergeld noch auf eine Finanzierung eines Frauenhausplatzes. In solchen Fällen trägt das Frauenhaus die Unkosten für eine Unterbringung, weshalb Spenden für das Haus weiterhin essenziell seien, so Throm und Lauber.

Von einer Entspannung der Lage könne keinesfalls gesprochen werden. Trotz der Istanbuler Konvention gebe es bundesweit viel zu wenig Plätze in Frauenhäusern. 2024 musste das Frauenhaus in Lörrach insgesamt 322 Frauen und Kinder aus Kapazitätsgründen abweisen. „Diese Zahl ist so hoch wie nie zuvor“, steht im Jahresbericht 2024. Doch selbst bei Vollbesetzung werden Frauen und Kinder aus dem Landkreis aufgenommen und am nächsten Werktag weiter vermittelt. „Es gibt immer Notlösungen“, machte Throm deutlich.