Das geplante Besucher- und Infozentrum in Todtnau für das Biosphärengebiet vom Rathausplatz gesehen Foto: Mulder Zonderland

Um das fest geplante Besucherzentrum des Biosphärengebietes in Todtnau ist ein regelrechtes Gezerre entbrannt. Auch Feldbergs Bürgermeister hätte gerne das Renommee in seiner Gemarkung. Dabei ist Feldberg noch überhaupt nicht Teil der Biosphäre Südschwarzwald.

Feldbergs Bürgermeister Johannes Albrecht weiß nicht, wo er die Gelder auftreiben soll, um das in die Jahre gekommene Haus der Natur zu renovieren, das 2001 eröffnet worden war. Seinen Angaben zu Folge ist das Dach undicht, und es platze aus allen Nähten. Im Gespräch mit unserer Zeitung erläutert Albrecht seinen Plan: „Ich halte lediglich fest, dass es derzeit zwei angemeldete Investitionsbedarfe für Umweltbildungszwecke im Hochschwarzwald gibt, von welchen nach aktuellem Stand keines Berücksichtigung im Doppelhaushalt 2025/2026 des Landes Baden-Württemberg finden wird.“

 

Die eine Sichtweise

Da sei zum einen das geplante, neu zu errichtende Besucherzentrum der Biosphäre in Todtnau und das bestehende, vom Land, den Landkreisen Breisgau-Hochschwarzwald, Waldshut und Lörrach, dem Schwarzwaldverein und der Gemeinde Feldberg getragene Besucherzentrum mit dem Haus der Natur am Feldberg. Das Haus der Natur beherbergt das Naturschutzzentrum Südschwarzwald und den Sitz des Naturparks Südschwarzwald. Neben dem Sanierungsbedarf spricht Albrecht „vor allem eine zwingend erforderliche Erweiterung“ an.

Für ihn stelle sich somit die Frage „in einen bestehenden, etablierten Standort für Umweltbildung am touristischen Hotspot Feldberg die notwendigen und sinnvollen Investitionen zu tätigen, bevor ein weiterer, zweiter Standort in unmittelbarer Nähe mit gleichem allgemeinen öffentlichen Umweltbildungsauftrag mit öffentlichen knappen Mitteln etabliert wird“. Es sollte die Frage erlaubt sein, „ob es heute, bei der aktuellen allgemeinen sehr angespannten Situation der öffentlichen Haushalte nicht sinnvoller ist, das zum Erhalt des Unesco-Biosphären Status erforderliche Besucherzentrum im bestehenden Haus der Natur sinnvoll zu integrieren“, regt Albrecht an.

Die andere Perspektive

Beim Amtskollegen in Todtnau beißt Albrecht verständlicherweise auf Granit. Oliver Fiedel verweist darauf, dass das Besucherzentrum eines der Argumente für Todtnau war, um der Biosphäre überhaupt als Gründungsmitglied beizutreten. Ferner weist der Todtnauer darauf hin, dass die Stadt das avisierte Baugelände hinterm Rathaus längst an das Land verkauft hat. Und er verweist darauf, dass es einen erfolgreichen Architektenwettbewerb gegeben hat, dessen Siegerentwurf in naher Zukunft umgesetzt werden soll. Zwar ist das einst auf 15 Millionen Euro taxierte Projekt noch nicht im Doppelhaushalt 2025/26 des Landes enthalten. Aber im Jahr darauf werde es sicher kommen. Denn die Errichtung eines Infozentrums war eine der Bedingungen der Unesco, um überhaupt als Biosphärengebiet anerkannt zu werden.

Feldbergs Bürgermeister räumt ein, dass seine Gemeinde den Beitrittbeschluss zum Biosphärengebiet im Jahr 2015 zunächst nicht gefasst habe. Todtnau sei dann mit dem Versprechen des Baus des Besucherzentrums in Todtnau zum Beitritt bewegt worden.

„Seit meiner Wahl in 2019 habe ich in Gesprächen mit dem Regierungspräsidium immer wieder darauf hingewirkt, dass die Gemeinde Feldberg den Beitritt neu erwägen möchte und in der Zwischenzeit gerne den Status eine Aufnahmekandidaten haben wolle“, betont Albrecht. Aus seiner Sicht ergebe es wenig Sinn, den Kern des Naturschutzgebiets und Naturparks am Feldberg nicht im Unesco-Biosphärengebiet zu haben. Seitens des Regierungspräsidiums wurde jedoch dargelegt, dass dieser Status nicht gegeben werden kann und eine Aufnahme erst nach einer Rezertifizierung nach zehn Jahren möglich sei. Dies wäre 2026.

Der Vorschlag

Albrecht schlägt vor: „Auf dem vorgesehenen, vom Land bereits erworbenen Gelände in Todtnau sollte eine alternative komplementäre, ergänzende öffentliche oder private touristische Infrastrukturmaßnahme für Gäste und Einheimische erfolgen, welche der Stadt Todtnau und der Region einen tatsächlichen Mehrwert bringt.“ Die angenommene Besucherzahl von 250 000 pro Jahr hält Albrecht ohnehin für „sehr illusorisch“. Beim Haus der Natur am Feldberg habe man in der Projektierung ein Ziel von 150 000 Besuchern seitens der Ministerien in Stuttgart als Ziel definiert. In den besten Jahren wurden jedoch lediglich knapp über 60 000 Gäste erreicht, und aktuell liege die Besucherzahl inklusive der Veranstaltungen bei etwas über 50 000 Gästen im Jahr.

Das sagt das RP

Heike Spannagel, Sprecherin des Regierungspräsidiums, stellt klar: „Das in Todtnau geplante Besucherzentrum ist ein wesentlicher Baustein der Unesco-Anerkennung des Biosphärengebiets Schwarzwald. Insofern gibt es für uns keinen Zweifel daran, dass dieses Projekt umgesetzt wird.“

Der aktuelle Sturm im Wasserglas entbehre jeder Grundlage: „Die Gemeinde Feldberg gehört bislang nicht zum Biosphärengebiet.“ Albrecht habe aber erfreulicherweise die Absicht zum Beitritt bekundet. Eine Erweiterung des Gebiets kann allerdings erst nach der Evaluierung durch die Unesco im Jahr 2027 erfolgen. Die Erfahrung zeige, dass eine Erweiterung mehrere Jahre dauere. „Vor diesem Hintergrund ist der Verzicht des Infozentrums in Todtnau zugunsten des Feldbergs für uns keine Option“, stellt Spannagel klar.