Bad Ditzenbach im oberen Filstal ist Sitz der Erlebnisregion Schwäbischer Albtrauf. Foto: StN

Die Städte und Gemeinden im Landkreis Göppingen werden sich zunehmend der Reize ihrer Umgebung bewusst und wollen deshalb den Tourismus im oberen Filstal und Albvorland ankurbeln. 19 Kommunen haben sich im Verein Erlebnisregion Schwäbischer Albtrauf zusammengetan.

Göppingen - Von jetzt an soll geklotzt und nicht gekleckert werden. Im August hat der Landkreis einen Kooperationsvertrag mit den 19 beteiligen Städten und Gemeinden unterzeichnet. Der Kreis hat sich verpflichtet, drei Jahre lang, von 2013 bis 2015, jeweils 50 000 Euro als Anschubfinanzierung zur Verfügung zu stellen.

Die Remstal-Route im Rems-Murr-Kreis war einer der ersten Tourismusvereine, mit denen Städte und Gemeinden gemeinsam versuchten, Touristen in ihre Region zu holen. Das Konzept kam damals sehr gut an, das Remstal und seine Produkte ­waren in aller Munde.

Viele andere sind inzwischen rings um die Landeshauptstadt gefolgt. Zentrales Thema ist dabei stets die Förderung des Tourismus. Einher gehen damit fast immer der Naturschutz und die Vermarktung regionaler Produkte. Die Vereine und Verbände bieten ihren Besuchern eine Übersicht über Wanderwege und Radtouren, weisen auf Badeseen und Höhlen hin, zeigen historische Fachwerkstädte und Naturparks. Ganz nebenbei führt dieser gemeinsame Auftritt dazu, dass die Kommunen mental zusammenwachsen – die Bürger sind stolz auf ihren Landstrich und fühlen sich in das ­Gebiet integriert.

Kreis als Unterstützer des Vereins mit durchschlagender Wirkung

Kaum ein Fleckchen deshalb in der Region, das nicht touristisch beworben wird. Neu in der Riege ist die Erlebnisregion Schwäbischer Albtrauf im Kreis Göppingen. Dabei ist sie genau genommen nicht ganz neu. Bisher firmierte das Gebiet unter dem Namen Helfensteiner Land. Doch jetzt, so der Tourismusmanager des Landkreises, Holger Bäuerle, will sich der Verein öffnen in Richtung Albvorland und Albhochfläche. Deshalb die Namensänderung. Aus der Anschubfinanzierung des Kreises soll das operative Geschäft des Vereins bestritten werden. So wird ein hauptamtlicher Geschäftsführer eingestellt. Bisher leistet diese Arbeit in einer 20-Prozent-Stelle ein Mitarbeiter aus Bad Überkingen. Außerdem hat die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen zugesagt, dem Verein kontinuierlich jeweils für ein halbes Jahr einen Praktikanten zur Verfügung zu stellen. Über die Geschäftsstelle, die in Bad Ditzenbach sitzen wird, werden touristische Angebote in einem Buchungsportal erfasst.

Parallel dazu nimmt Holger Bäuerle die strategischen Aufgaben wahr, indem er etwa die Vertretung im Tourismusverband Schwäbische Alb übernimmt. Der Kreis als Unterstützer des Vereins hat bereits durchschlagende Wirkung: Heiningen ist bereits neu dazugekommen, Eislingen steht in den Startlöchern, mit dem Gemeindeverwaltungsverband Bad Boll werde zurzeit verhandelt, sagt Bäuerle.

Vor allem Gebiete mit wenig Gewerbeansiedlung werden sich ihres Potenzials als Naherholungsgebiet bewusst. Das passt zum derzeitigen Trend, Urlaub in der Region zu machen. Einige Gemeinden weisen Stellplätze für Camper aus, andere locken mit Fabrikverkauf und regionalen Wochenmärkten, im Norden von Stuttgart ist Wein das große Thema, im Süden die Alb – auch als Skigebiet. Dabei ist zwischen den einzelnen Regionen längst ein Wettbewerb entstanden. Die neue Erlebnisregion Schwäbischer Albtrauf etwa muss sich gegenüber dem Nachbarn, der Touristikgemeinschaft Stauferland e. V., bewähren. Letztere hat mit dem Thema Staufer einen starken Trumpf in der Hand, orientiert sich aber in Richtung Ostalbkreis und damit in die entgegen­gesetzte Richtung wie die Erlebnisregion.

Natur am Albtrauf mit besonderem Reiz

Konkretes Nahziel ist, die Infrastruktur für Radfahrer und Wanderer zu verbessern. So wird zurzeit der nach dem Albtrauf benannte Albtraufgängerweg als Qualitätswanderweg für Wanderbares Deutschland zertifiziert. Er soll als solcher dann bei der CMT 2014 vorgestellt werden. Der Rundweg ist 105 Kilometer lang und führt von der Burg Reußenstein über Gruibingen, Aichelberg, Kuchen, die Bäderorte nach Wiesensteig und wieder zum Reußenstein.

Einen besonderen Reiz hat auch die Natur am Albtrauf. In den Natur- und Landschaftsschutzgebieten beeindrucken markante Weißjurafelsen, Höhlen, naturnahe Waldbestände, Wacholderheiden und Streuobstwiesen. Mehr als 400 Tier- und 420 Pflanzenarten wurden unter Schutz gestellt.

Das obere Filstal hat eine spannende Geschichte, die in der Natur noch sichtbar ist: Als sich vor 130 Millionen Jahren das urzeitliche Jura-Meer zurückzog, entstanden in Süddeutschland zwei große Entwässerungssysteme: die Donau in Richtung Schwarzes Meer und der Rhein zur Nordsee. Ein Zubringer der Donau besaß Quelläste, die wohl bis in den Raum Stuttgart und nach Horb reichten. Das gesamte Wasser floss damals in eine andere Richtung, aus heutiger Sicht den Berg hinauf. Doch im Laufe von Millionen von Jahren grub der Rhein diesem System das Wasser ab, und es kam zur Umkehr der Fließrichtung. Zeugnis davon ist das Filsknie bei Geislingen.