"Anfangs noch einen Tropfen auf den heißen Stein": Corona-Impfstoff im Kreis ist knapp. Foto: benjaminnolte – stock.adobe.com /Schwarz

Säule zwei der Kampagne im Kreis steht. Anmeldeportal öffnet am Dienstag. KIZ betreut auch Klinik-Personal.

Die Impfkampagne zum Schutz vor dem Coronavirus im Kreis Freudenstadt nimmt Fahrt auf. Nächste Woche läuft der Betrieb im Kreisimpfzentrum (KIZ) in Dornstetten an - als zweite von drei Säulen vor Ort. Die Verantwortlichen sind guter Dinge, dass der Start gelingt.

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Kreis Freudenstadt - Über den Stand der Dinge informierten Landrat Klaus Michael Rückert und die Ärztin Katrin Schmidt, medizinische Leiterin des KIZ, in einer Pressekonferenz am Freitag. Seit Wochen laufen im Hintergrund die Vorbereitungen. Nachdem das Sozialministerium Baden-Württemberg landesweit den Start aller KIZ um eine Woche verschoben hatte, weil es an Impfstoff mangelte, wird es dann nächste Woche ernst. Am Dienstag, 19. Januar, eröffnet das Terminportal. Ab Freitag, 22. Januar, verabreichen die Ärzte in der Riedsteighalle in Dornstetten die Spritzen. Schmidt ist zuversichtlich: "Ich bin hier auf ein ganz tolles Team gestoßen. Das funktioniert bisher alles richtig gut. Wir sind bereit, es kann losgehen."

Mobile Teams für Heime

Auf die Mannschaft kommt viel Arbeit zu. Denn neben dem Betrieb des KIZ ist ein Teil auch als mobiles Impfteam unterwegs. Zunächst soll eine Gruppe von Dornstetten aus ausrücken, später sollen es zwei Teams sein. Sie fahren in die Alten- und Pflegeheime, um den Senioren den Transport nach Dornstetten zu ersparen.

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Neun Heime im Landkreis Freudenstadt werden von den mobilen Mannschaften des Zentralen Impfzentrum (ZIZ) Karlsruhe abgearbeitet. Sie sind mit ihrer Arbeit im Kreis Freudenstadt mittlerweile "schon fast durch", so der Landrat. Die verbleibenden 23 Heime im Kreis werden mit örtlichem Personal durchgeimpft – Senioren und Pflegekräfte gleichermaßen, sofern sie dies wollen. Denn die Impfung ist freiwillig. Bis Mitte März sollen dort alle Interessenten die beiden notwendigen Injektionen erhalten haben. Danach soll es nach jetzigem Fahrplan mit offenen Senioreneinrichtungen weitergehen, etwa der Tagespflege. Neue, zusätzliche Aufgabe für das KIZ: Es soll nun auch die Ärzte und Pflegekräfte der Krankenhäuser spritzen. Das hat das Land jetzt entschieden. Dort erhält zunächst das Personal in besonders gefährdeten Bereichen wie Notaufnahmen, Intensivmedizin und Covid-19-Stationen den Corona-Schutz.

Hausärzte bald dabei?

Katrin Schmidt hofft, dass in naher Zukunft Verstärkung in Form von Praxen der niedergelassenen Haus- und Kinderärzte kommt. Sobald vor Ort geeignetes Vakzin zur Verfügung stehe, das nicht so technisch aufwendig gelagert werden muss, sollen sie in den Impfbetrieb einsteigen. "Das macht auch Sinn. Schließlich kennen sie ihre Patienten am besten", so Schmidt.

Im Augenblick hängt der Betrieb daran, dass der Impfstoff nicht in ausreichender Menge zur Verfügung steht. 80 Prozent der Lieferungen, die dem Landkreis zugewiesen werden, gehen derzeit an die Seniorenheime, so Rückert. Pro Woche verbleiben 150 Dosen für das Kreisimpfzentrum. Die leitende Ärztin sagt, damit werde das KIZ zum Auftakt an drei Tage die Woche geöffnet, an denen jeweils 50 Patienten geimpft würden.

Tipps für die Anmeldung

Denkbar sei es, dass sich mit diesen Dosen doch mehr Menschen schützen ließen. Denn es könnten mehr Injektionen gewonnen werden, je nach erforderlicher Mindestmenge pro Impfung. "Was übrig bleibt, werden wir sofort verimpfen. Es bleibt nichts in Reserve, und es wird nichts verschwendet", so die Ärztin. Kathrin Schmidt gibt Patienten, die sich impfen wollen, zwei Ratschläge: Sie sollten auch gleich den Termin für die notwendige zweite Impfung beantragen. Und sie sollten auch zwischendurch immer mal wieder in das Buchungsportal schauen. "Wenn es ausgebucht ist, kann man am nächsten Tag ruhig noch mal reinschauen", so die Ärztin. "Es kommt erfahrungsgemäß immer mal wieder vor, dass jemand krank wird und den Termin nicht wahrnehmen kann." Dann werde der freie Platz neu vergeben.

Was der Kreis zum Auftakt an Vakzin erhält, nennt Katrin Schmidt einen "Tropfen auf den heißen Stein". Sie und der Landrat sind jedoch zuversichtlich, dass die Liefermengen schon bald steigen. Logistik und Personal im KIZ würden es erlauben, 750 Impfungen pro Tag zu verabreichen, und das an sieben Tagen die Woche. "Wir können sofort hochfahren", so der Landrat. Die ersten Schichten im KIZ will Schmidt als Ärztin mitarbeiten, auch um zu sehen, ob die Abläufe reibungslos funktionieren oder nachgebessert werden sollte.

Bundeswehr hilft mit

Das Personal für das Impfzentrum kommt teils aus dem Kreis, teils von außerhalb. Laut Rückert wurden neben Ärzten und weiterem medizinischen Fachkräften für organisatorische Aufgaben unter anderem Soldaten der Bundeswehr angefordert. Darüber hinaus wurden Helfer über Zeitarbeitsfirmen beschafft. Eingebunden sind außerdem die im Landratsamt für Katastrophenschutz und Unglücke zuständigen Stellen.

Dass Katrin Schmidt, ehemalige Oberärztin am Klinikum Freudenstadt und derzeit landesweit als selbstständige Notärztin tätig, zurzeit beruflich Freiräume für die medizinische Leitung des KIZ hat, ist offenbar einem glücklichen Umstand zu verdanken. Sie sei fachlich anerkannt und kenne alle handelnden Personen, auch die Kollegen der Ärzteschaft. "Wir sind stolz und glücklich, dass wir sie für diese Aufgabe gewinnen konnten", so der Landrat. Das gelte auch für alle anderen Helfer, viele im Stillen und im Hintergrund, die am Aufbau des KIZ mitgearbeitet hätten. "Es war eine Herkulesaufgabe. Und ich bin stolz, dass wir das geschafft haben."

Impfberechtigt in der ersten Phase sind alle Einwohner des Kreises, die 80 Jahre und älter sind, sowie das Personal in Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen. Termine können unter der Telefonnummer 116 117, über die 116 117-App oder im Internet unter www.impfterminservice.de/impftermine vereinbart werden. Voraussetzung für die Online-Anmeldung ist eine eigene E-Mail-Adresse oder die Möglichkeit, eine SMS zu empfangen. Bei telefonischer Terminvereinbarung teilt das Anrufzentrum die Termine für die Erst- und Zweitimpfung und die dazugehörigen Termincodes mit, die notiert und zum Impftermin mitgebracht werden müssen. Bei der Terminreservierung über die Internetplattform gibt es die Termincodes als Datei zum Ausdrucken. Zum Impftermin soll nur kommen, wer sich gesund fühlt. Bei Bedarf kann eine Begleitperson mitgebracht werden. Vor Ort ist auf dem gesamten Gelände das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung Pflicht. Mitzubringen sind der Termincode, der Personalausweis oder Reisepass, bei gesetzlich Versicherten die Krankenversichertenkarte, der Impfpass und bei Gesundheits- und Pflegepersonal der Arbeitgebernachweis über die Impfberechtigung. Nach Möglichkeit soll der Aufklärungsbogen bereits ausgefüllt mitgebracht werden. Das Formular kann auf der Internetseite des Landratsamts unter www.landkreis-freudenstadt.de heruntergeladen werden. Nach der Impfung sollen die Patienten noch rund 30 Minuten bleiben – für den Fall, dass Kreislaufprobleme oder spontane Impfreaktionen auftreten. Die erforderliche Ausrüstung für Notfälle ist im Kreisimpfzentrum vorhanden. Das Impfzentrum befindet sich in der Riedsteighalle in Dornstetten, Riedsteige 80. Die Anfahrt ist von der B 28 an ausgeschildert.

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