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Kreis Freudenstadt Wie geht es schneller mit der Steuererklärung?

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Zahlt zu den schnelleren in Deutschland: die Finanzverwaltung in Freudenstadt. Foto: Rath

Kreis Freudenstadt - 54,7 Tage dauert die Bearbeitung einer Steuererklärung in Deutschland im Durchschnitt. Das zeigt die Vergleichsstudie des Internetportals "Lohnsteuer kompakt". Das Finanzamt Freudenstadt liegt mit 54 Tagen bis zum Bescheid über dem Schnitt. Aber wie aussagekräftig ist die Studie? Und wovon hängt die Bearbeitungsdauer ab? Wir fragten den Leiter der Steuerbehörde im Kreis Freudenstadt, Erich Kiefer.

Herr Kiefer, Gratulation. Was die Bearbeitungszeit von Steuererklärungen betrifft, ist das Finanzamt Freudenstadt um 0,7 Tage schneller als der Bundesschnitt. Sind Sie zufrieden?

Danke für die Glückwünsche. Nach unseren eigenen Zahlen war die durchschnittliche Bearbeitungszeit der Einkommensteuererklärungen sogar nur 47 Tage. Diese sind noch deutlich besser als die von Ihnen zitierten, kürzlich von "Lohnsteuer kompakt" veröffentlichten Zahlen. Wir waren damit geringfügig besser als der Landesdurchschnitt mit 49 Tagen. Ich bin mit unserer Bearbeitungszeit zufrieden – unsere Mitarbeiter haben sehr gut gearbeitet.

Für wie aussagekräftig stufen Sie die Statistik von "Lohnsteuer kompakt" ein, was die Effizienz der einzelnen Behörde betrifft?

Unsere Berechnung mit 47 Tagen umfasst alle Einkommensteuer-Bescheide 2018, die in 2019 ergangen sind. Dagegen basieren die Zahlen von "Lohnsteuer kompakt" mit 55 Tagen für unser Amt nur auf einem Bruchteil aller Steuerbescheide. "Lohnsteuer kompakt" hat bundesweit nur 400.000 Bescheide von insgesamt rund 28 Millionen Fällen, also nur 1,4 Prozent, ausgewertet. Allein in Baden-Württemberg ergehen jährlich über vier Millionen Steuerbescheide.

Nordrhein-Westfalen liegt ganz vorne, Baden-Württemberg und Bayern sind ganz hinten. Schauen Ihre Kollegen im Westen nicht so genau hin oder hängt das vom Wohlstandsgefälle ab, von wegen: Weniger Vermögen, kompaktere Steuererklärung?

Zur Verlässlichkeit der Zahlen im Vergleich der einzelnen Bundesländer verweise ich auf meine vorigen Ausführungen. Alle Bundesländer haben im Bereich der Einkommensteuer-Festsetzung eine ähnliche Personalbesetzung und arbeiten mit denselben Steuerprogrammen. Und innerhalb eines Kalenderjahrs wird in allen Ländern jährlich die relativ gleiche Anzahl von Steuererklärungen umgewälzt. Zudem haben sich die jeweiligen Bearbeitungszeiten von Jahr zu Jahr kaum verändert. Damit kann von einem "genaueren Hinsehen", Wohlstandsgefälle oder gar unterschiedlicher Bearbeitung keineswegs gesprochen werden. Unterschiedliche Bearbeitungszeiten bei einzelnen Finanzämtern ergeben sich auch durch individuelle Umstände: Wenn zum Beispiel außergewöhnlich viele Beschäftigte in Elternzeit oder Pension gehen und jüngere Kollegen noch in Einarbeitung sind. Neue Geschäftsprozesse zum Qualitätsmanagement werden bei allen Finanzämtern nach und nach zu verschiedenen Zeitpunkten eingeführt. Deren Umsetzung erfordert jeweils Zeit und somit eine längere Bearbeitungsdauer.

Wovon hängt die Bearbeitungszeit im Finanzamt sonst noch ab?

Arbeitgeber und Versicherungen können erforderliche elektronische Daten wie Lohn und Versicherungsbeiträge bis Ende Februar an die Finanzverwaltung übermitteln. Steuererklärungen werden deshalb frühestens ab Mitte März bearbeitet, und dies streng nach Eingangsdatum. Allein bis zur elektronischen Verfügbarkeit auf dem Bildschirm des Bearbeiters vergehen insbesondere bei den leider noch vorkommenden Papiererklärungen einige Tage. Diese müssen zuvor in Karlsruhe eingescannt werden. Alle Erklärungen werden elektronisch vorverarbeitet, mit unserem Datenbestand verglichen und etwa auf Logik überprüft. Dabei schneiden Papiererklärungen deutlich schlechter ab, und es muss oft manuell korrigiert werden. Dagegen haben elektronische Steuerprogramme, unter anderem Elster.de, bei der Dateneingabe zu Hause schon viele Widersprüche ausgeräumt. Im Idealfall, bei einer Steuererklärung ohne Zweifel und Ungereimtheiten, ergibt sich ein sogenannter elektronischer Auto-Fall. 14 Prozent aller Steuerbescheide gingen 2019 daher ohne menschliches Zutun innerhalb von etwa 14 Tagen zur Post.

Die Steuererklärung aufzustellen, ist für viele ein Horror.

Leider nutzen immer noch viele Steuerbürger die gesetzliche Abgabefrist des 31. Juli vom Folgejahr bis zum letzten Tag aus oder überschreiten diese. Dies führt an bestimmten Stichtagen häufig zu außergewöhnlich hohem Erklärungseingang. Diese "Bugwellen" führen dann zu verlängerten Bearbeitungszeiten. Auch notwendige Rückfragen und Beleganforderungen verzögern das Ganze.

Juckt es die Bürger überhaupt, wie lange es dauert, bis der Bescheid da ist?

Gerade bei zu erwartenden Erstattungen wollen viele schnell ihr Geld. Diese sollten deshalb frühzeitig – gleich zu Anfang des Jahres – ihre Steuererklärung abgeben. Steuerbürger, die erst in Zeiten des höchsten Erklärungseinganges – Mai bis Juli – ihre Unterlagen vorlegen und dann innerhalb von vier Wochen ihr Urlaubsgeld erwarten, können wir kaum entsprechen. Denjenigen, die mit einer Nachzahlung rechnen, ist es oft egal, wann der Steuerbescheid kommt.

Geht die Bearbeitung eines Falles schneller, wenn auf dem Mantelbogen der Stempel eines Steuerberaters prangt?

Da alle Steuerberater ihre Erklärungen elektronisch abgeben, gibt es den sogenannten Mantelbogen mit Stempel kaum noch. Unsere Bearbeiter sehen in fast allen Fällen nur noch den elektronischen Datensatz. Dabei fällt der elektronische Vermerk einer Erstellung durch einen Steuerberater nur bei aktivem Hinsehen auf. Alle Steuererklärungen, egal ob selbst oder durch einen Steuerberater erstellt, werden nach Eingangsdatum und nach gleicher Verfahrensweise bearbeitet.

Wie lange wird die Bearbeitung dauern, wenn Sie das neue Grundsteuerrecht mit enormem Arbeitsaufwand umsetzen müssen?

Die anstehende neue Einheitswertfeststellung für alle bebauten und unbebauten Grundstücke, meist landläufig als Grundsteuerreform bezeichnet, wird von unserer Grundstückswertstelle umgesetzt. Durch diese Reform sind Stellen, die Einkommensteuererklärungen bearbeiten, nicht tangiert. Da keine personelle Unterstützung oder Umverteilung vorgesehen ist, wird sich an den Bearbeitungszeiten der Einkommensteuer nichts ändern.

Wie gut ist Ihre Behörde auf diesen Tag vorbereitet?

Bei den Grundstückswertstellen sind wir derzeit dabei, verschiedene Prozesse der Bearbeitung von Einheitswertfeststellungen umzustellen, um so noch effizienter und besser zu werden. Sobald klar ist, wie Baden-Württemberg die Reform umsetzt, wird diese EDV-technisch von unserer Oberfinanzdirektion mit Nachdruck angegangen. Vorbereitungen laufen bereits. Die für jedes Grundstück erforderlichen Steuererklärungen sollen elektronisch abgegeben werden. Um für die Reform auch personell vorbereitet zu sein, werden landesweit neben regulären Auszubildenden jährlich 100 sogenannte Quereinsteiger eingestellt. Diese Bürokaufleute und ähnliche Umschulende werden in einer einjährigen Kurzausbildung im neuen und auch im bisherigen Einheitswertrecht eingearbeitet. Zum 1. Oktober 2020 können sich Interessenten melden.

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