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Kreis Freudenstadt Wie Förderschulen mit der Corona-Krise umgehen

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Mitten im Leben: Kinder an der Eichenäckerschule beim Auftakt des Projekts "Zeitung an der Schule". (Archiv-Foto) Foto: Rath

Kreis Freudenstadt - Die Schutzbedürftigsten trifft es vielleicht am härtesten: Die Corona-Zwangspause bedeutet für die Arbeit an den Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ) im Kreis ein Rückschlag. Die Lehrer wollen für ihre Schützlinge unverdrossen das Beste draus machen.

Mit dieser Botschaft traten die Leiter der fünf Förderschulen im Kreis am Montag vor den Verwaltungs- und Sozialausschuss des Kreistags. "Die Eichenäckerschule war schon extrem betroffen", sagte deren Rektor Peter Billmaier. Abstand - das sei genau das Gegenteil dessen, was die Kinder und Jugendlichen an seiner Schule bräuchten.

Während der Schulschließung hätten die jeweiligen Kollegien ihr Bestes gegeben, um den Kontakt zu den Schülern nicht zu verlieren. Lernpakete seien geschnürt und verschickt worden, mit gutem Rücklauf übrigens, dazu gab es Notgruppen und teils auch Videokonferenzen. "So viel für Porto ausgegeben wie zuletzt hatten wir noch nie", so Billmaier. Viele Lehrer hätten dafür ihre privaten Telefone und Computer zur Verfügung gestellt. Eltern behinderter Kinder seien ohnehin viel stärker belastet. Jetzt gelte es, in jedem Einzelfall zu prüfen, wo der jeweilige Schüler stehe. Und dann daran anzuknüpfen. "Es ist schwer, das Versäumte nachzuholen. Auch wenn es für uns extrem ist, wir lassen kein Kind hinten runterfallen und machen da weiter, wo wir waren", versprach der Rektor.

Spuckschutz-Wände anstatt Masken

Dennoch sei auch jetzt nicht alles wie vor Corona. Für manche Kinder sei es schwierig, dem Unterricht zu folgen, wenn sie wegen Schutzmasken die Mimik der Lehrer nicht lesen könnten. Deshalb seien Spuckschutz-Wände beschafft worden. Die Abschlussklasse werde auch um ein Erfolgserlebnis gebracht: das Theaterstück. "Es ist unglaublich zu sehen, wenn Kinder am Ende auf der Bühne stehen und eine Rolle spielen, die bei ihrer Einschulung teils kaum ein Wort gesprochen haben."

Genau für diese Fortschritte und den besonderen Einsatz der Lehrer scheinen die Eltern von förderbedürftigen Kindern die SBBZ im Kreis zu schätzen. Obwohl sie die Wahl hätten, ihre Kinder in sogenannten Inklusionsmodellen auch an Regelschulen zu schicken, vertrauen 94 Prozent der betreffenden Familien im Kreis ihre Kinder den SBBZ an. An der Förderschule zu sein, heißt auch nicht, von "Inklusion" abgehängt zu sein. Es gibt über die individuelle Förderung und feste Bezugspersonen hinaus Partnerschaften mit Berufsschulen sowie Unternehmen. Mancher schaffe den Sprung an die Regelschule, andere mit Begleitung einen "angeglichenen Hauptschulabschluss" an der Berufsschule. Die Kooperationsklasse vermelde dabei eine Erfolgsquote von 98 Prozent.

Darüber hinaus gebe es zusammen mit den Unternehmen im Kreis eine Ausbildungsinitiative. Förderschüler können hier eine Ausbildung zu Metallfeinbearbeitern oder etwa zu gelernten Helfern am Bau oder im Verkauf absolvieren. "Sie haben eine reale Chance, später einen Job auf dem ersten Arbeitsmarkt zu finden", so Dunja Möhrle. Sie ist Leiterin der Christophorus-Schule in Freudenstadt.

Corona bremst Entwicklung

Auch an den anderen SBBZ geht es nicht nur um die Vermittlung von Fähigkeiten und Wissen, sondern auch um die Persönlichkeitsbildung der Schüler. Kreative Angebote wie Töpfern oder Musik, Zirkusprojekte, eigenverantwortliche Bewirtschaftung des Schulkiosks bis hin zu "Trainingswohnen", in denen Jugendliche für mehrere Tage ohne ihre Eltern leben, gehören dazu. "Es geht uns um die Förderung der Selbstständigkeit", so Angelika Pavlicek, Leiterin der Pestalozzi-Schule in Horb. Das sei auch der Ansatz Pestalozzis gewesen, den Menschen zu lehren, sich in der Welt "selbst fortzuhelfen". Darüber hinaus unternehmen die SBBZ im Kreis Anstrengungen, die Digitalisierung des Unterrichts voranzutreiben. Corona habe die Entwicklung zuletzt gebremst.

Aus den Reihen der Kreistagsfraktionen gab es viel Lob für die Arbeit der SBBZ. Mit einem durchgehenden und vernetzten Förderkonzept vom Kindergartenkind bis zum Absolventen sowie vom Schüler mit Lernblockaden bis hin zum Mehrfachbehinderten könne der Kreis eine "Vollversorgung" bieten, wie es die SPD-Fraktionsvorsitzende Viviana Weschenmoser formulierte.

Übrigens: Die Abschlussklassen sind in diesem Jahr nicht die einzigen, denen aufgrund von Corona ein runder Abschluss verwehrt bleibt. Auch die Schulleiterin Angelika Pavlicek wird in ein paar Wochen "ohne große Sause" von der Schule gehen, die sie für ihre Leistung verdient gehabt hätte, sagte Landrat Klaus Michael Rückert. Sie habe über viele Jahre hinweg "sehr, sehr gute Arbeit" geleistet, davon zwölf Jahre als Schulleiterin. "Eine Verabschiedung an der Schule im großen Stil hätte sie mehr als verdient gehabt", so Rückert.

Der Landkreis hat fünf Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ) in eigener Trägerschaft, die einen Großteil des speziellen Förderbedarfs wohnortnah abdecken: Die Christophorus-schule Freudenstadt und die Rossbergschule Horb mit Schwerpunkt Lernen, die Pestalozzischule Horb und die Eichenäcker-Schule Dornstetten mit Schwerpunkt geistige Entwicklung sowie die Brüder-Grimm-Schule in Glatten mit Förderschwerpunkt Sprache. Der Förderbedarf von Kindern wird auf Antrag der Eltern beim Schulamt ermittelt, das ein Gutachten in Auftrag gibt und dazu ein standardisiertes Testverfahren anwendet. Wird Anspruch auf besonderen Förderbedarf festgestellt, können die Eltern wählen, ob und wo sie den Bedarf einlösen wollen. Alle SBBZ im Kreis haben eine Frühförderung und einen Sonderpädagogischen Dienst. An Eichenäcker-Schule und Pestalozzischule gibt es jeweils einen Schulkindergarten unter eigener Leitung, die Brüder-Grimm-Schule arbeitet im Sprachheilkindergarten der Bruderhausdiakonie in Dornstetten mit. Dazu erhalten die Eltern Beratung. Derzeit besuchen rund 530 Kinder im Kreis ein SBBZ.

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