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Kreis Freudenstadt Wie Bio-Bauernhöfe mit der Corona-Krise umgehen

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Der Lieferservice von Bio-Bauernhöfen stößt zurzeit auf riesige Nachfrage. Foto: Hofbauernhof

Loßburg/Freudenstadt/Schopfloch - Es geht drunter und drüber in der Wirtschaft – während die einen ihr Personal nach Hause schicken müssen, weil die Aufträge wegbrechen, können sich andere Branchen vor der Nachfrage kaum noch retten. Zu letzteren gehören überraschenderweise auch Bio-Bauernhöfe.

Bio präsentiert sich als nachhaltig und umweltfreundlich – das hat aber auch seinen Preis. In Zeiten, in denen allerseits die Kurzarbeit um sich greift, könnte man meinen, die Kunden greifen zu den günstigen Produkten. Von einem Rückgang der Nachfrage können hiesige Bio-Bauernhöfe jedoch nicht berichten – im Gegenteil.

Beim Hofbauernhof Schömberg bei Loßburg klingelt das Telefon nur einmal am Tag, und zwar ohne Pause. "Wir haben in der Produktion aufgestockt und gehen inzwischen Richtung Limit", meint Carla Staiger, Sprecherin des Hofs. "Die Obergrenze ist aber noch nicht ganz erreicht." An einigen Stellen wurde investiert, zum Beispiel in neue Ökokisten. Diese werden dem Kunden, der sie bestellt hat, einmal pro Woche mit frischen Bioprodukten befüllt und nach Hause geliefert. Hier sei die Nachfrage jetzt besonders groß, da viele Menschen es gerade vermeiden, das Haus zu verlassen. "Kunden, die in Quarantäne sind, sagen uns Bescheid, und bekommen ihr Gemüse dann vorsichtshalber in Einwegkartons vor die Tür gestellt", erklärt Staiger. Das Wichtigste sei jetzt, das Ansteckungsrisiko zu minimieren.

Sicherheitsvorkehrungen auf dem Wochenmarkt

"Wir hatten schon einmal etwa so viele Kunden wie jetzt, aber dann hat es etwas nachgelassen." Dass es jetzt wieder mehr werde, liege möglicherweise nicht nur an der Krise, sondern auch an einem steigenden Bewusstsein dafür, wo Lebensmittel herkommen. "Um zu verstehen, warum Lebensmittel knapp werden, wenn sich das Nachfrageverhalten plötzlich so drastisch ändert wie jetzt, muss man wissen, wie sie produziert werden", erklärt die Sprecherin. "Salate und Kartoffeln wachsen nicht in wenigen Tagen. Unser Brot wird aus Getreide hergestellt, das einmal im Jahr geerntet wird. Kühe geben nicht einfach mehr Milch, nur weil wir beim Großhandel mehr bestellen", sagt sie. Käse reife auch mindestens einige Wochen, manchmal aber auch Monate oder gar Jahre. Wenn die aktuelle Entwicklung etwas Gutes habe, dann dass der Mensch daran erinnert werde, dass selbst in unserer hoch technisierten Gesellschaft immer noch der biologische Stoffwechsel Basis allen Lebens sei.

Die Kunden des Hofbauernhofs reagieren mitunter sehr verständnisvoll darauf, dass das neue Bestellverhalten etwas Anpassungszeit benötige. "Unser Online-Shop ist zeitweise überlastet, da nicht nur wir, sondern nahezu alle Ökokistenbetriebe deutschlandweit auf den Server zugreifen." Der Kunde müsse es teils zwei Mal versuchen oder auch eine E-Mail mit der gewünschten Bestellung schicken. "Trotzdem bekommen wir viel Lob", sagt Staiger. "Die Kunden bedanken sich dafür, dass sie trotz der Situation noch zuverlässig beliefert werden."

Und an denen kriegt der Hof täglich Zuwachs. Zehn bis 20 neue Kunden melden sich täglich, wie Staiger berichtet. "Wahrscheinlich wird die Zahl nicht so weitersteigen, aber wir hoffen, dass wir zumindest einen Teil der neuen Kunden halten können." Mehr Personal wird, zumindest solange die Pandemie noch wütet, dennoch nicht eingeplant. "Das würde nur das Ansteckungsrisiko erhöhen." Und noch komme man mit den aktuellen 25 Mitarbeitern und ein paar reanimierten Ehemaligen klar. Es gebe bisher keine Wartelisten.

Ein anderes Standbein ist dem Hofbauernhof vorübergehend weggebrochen: Für gewöhnlich werden hier auch Kurse und Aktionen angeboten. "Wir hatten jetzt im April sogar noch einen Brotbackkurs geplant, der leider ausfallen muss", meint Staiger. "Aber so haben die fleißigen Hobbybäcker jetzt wenigstens etwas, worauf sie sich freuen können, wenn die Krise vorbei ist."

Auch auf dem Bohnet-Hof in Musbach bringt die Corona-Krise Veränderungen mit sich. "Wir vermarkten direkt, also in der Selbstbedienungshütte, auf dem Wochenmarkt oder per Lieferservice", erklärt Charlotte Bohnet, die mit ihrer Schwester Claudia Bohnet den Hof betreibt. "Es ist ganz unterschiedlich, wie sich die Nachfrage wo verändert hat. Auf dem Wochenmarkt zum Beispiel ist es jetzt ruhiger, aber die wenigen Leute, die kommen, kaufen dafür mehr." Umsatztechnisch sei gerade gar kein großer Unterschied feststellbar. Stark gekauft werden jetzt natürlich die haltbaren Dinge, also Kartoffeln oder auch mal ein Brot mehr zum Einfrieren.

"Auch der Lieferservice wird verstärkt in Anspruch genommen", sagt Bohnet. "Wir haben ein paar Kunden in Quarantäne, denen wir die Ware einfach an die Tür stellen, und sie überweisen den Betrag dann." Außerdem habe der Hof so ein paar Käufer dazu gewonnen, die gerade aus Prinzip das Haus nicht verlassen. "Ich habe die Hoffnung, dass wir diese Kunden auch halten können", meint sie. Ja, Bio bringe natürlich etwas höhere Preise mit sich, was sich nicht gut mit Kurzarbeit vertrage, aber irgendwann sei die Krise zu Ende, und diejenigen, die im Moment selber ihr Brot backen, kommen zurück. Daran hat die Chefin des Hofs keine Zweifel.

Kundentypen zwischen panisch und sorglos

Was den Verkaufswagen auf dem Wochenmarkt angeht, seien ein paar Sicherheitsvorkehrungen nötig gewesen. "Wir haben zum Beispiel eine Plexiglasscheibe vor den Stand gebaut." An diesen Anblick dürften Kunden jedoch inzwischen gewöhnt sein. "Es ist alles in allem eine spannende Zeit", resümiert Bohnet. "Niemand weiß, wie lange das noch dauert. Aber ich habe keine Bedenken, dass uns deswegen das Geschäft wegbricht."

Das hat der Biolandhof Kugler aus Schopfloch auch nicht zu befürchten – ganz im Gegenteil. "Wir profitieren quasi im Moment von der Situation", stellt Margret Kugler die Ironie der Lage fest. "Einige Neukunden haben den Weg zu uns gefunden." Ob sie bleiben? "Ich denke das hängt von etlichen Faktoren ab", meint die Chefin des Hofs. "Einmal sicher davon, wie lange die Krise dauert, sprich wie einschneidend – auch für das Portemonnaie – alles werden wird. Zweitens: Wenn das Leben wieder normal wird, haben die Menschen wieder weniger Zeit und fahren dann vermutlich wieder eher dahin, wo sie sowieso vorbei kommen." Man werde sehen. "Aber wir freuen uns natürlich über jeden, der jetzt den Weg zu uns findet und der nachher auch bleibt", fügt sie hinzu.

Grob geschätzt seien es im Moment etwa ein gutes Drittel mehr Umsatz und Kunden. Besonders gefragt seien die eigenen Kartoffeln und das Mehl. "Davon haben wir vorerst noch genügend", erklärt Kugler. Auch Wurstgläser seien verstärkt eingekauft worden – da der Hof eigene Tiere und ein eigenes Schlachthaus habe, könne man nach Bedarf produzieren. Bei Handelsware unterliege der Hof jedoch denselben Schwierigkeiten, wie alle anderen auch. "Was vorrätig ist, wird geliefert, was nicht, hat Wartezeiten."

Einen Onlineverkauf hat der Bauernhof nicht, aber einige Kunden bestellen gerade telefonisch oder per Mail vor. "Das passt ganz gut." Die Kunden seien auch hier großteils sehr verständnisvoll bezüglich fehlender Ware. "Na ja, ein paar andere Stimmen gibt es schon auch, aber sehr gemäßigt", meint Kugler.

Die Kundenzahl im Laden habe begrenzt werden müssen. Margret Kugler ist ein seltsames Phänomen aufgefallen. "Mir kommt es vor, als spalte es sich zwischen den Menschen, die Angst oder gar Panik haben, und denen, die so leben, als würde ihnen nichts passieren." Da habe sie zwischendurch ein paar Kunden bitten müssen, doch erst noch draußen zu warten, bis es wieder Platz gebe.

"Ich finde, es hat mit Achtung und Respekt vor dem anderen zu tun, den Mindestabstand einzuhalten und andere zu schützen", findet sie, "selbst wenn ich selber keine Angst habe".

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